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Biodiversität & Ökonomie : Was kostet die Welt?

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Nach einer klassischen Definition des britischen Ökonomen Lionel Robbins dreht sich alles unter der Sonne um "die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse mit knappen Mitteln, welche auf unterschiedliche Weise verwendet werden können".

Was hätten wir in dieser Hinsicht von der Natur zu erwarten? Je nach Interessenlage wären das: Arzneimittel wie Aspirin oder Penicillin; Rohstoffe wie Holz, Gummi, Öle, Harze, Farbstoffe, Fasern; Bioindikatoren für Umweltveränderungen wie Flechten oder andere empfindliche Arten; Freizeitvergnügen und ästhetische Befriedigung; Ökosystemdienstleistungen wie Bodenfruchtbarkeit, saubere Luft, Fixierung von Kohlendioxid durch Photosynthese, Regulierung des Wasserkreislaufs, Stickstoffbindung, Abbau organischer Materie durch Pilze und Mikroorganismen und so fort; diese Aufzählung folgt einer Zusammenstellung des Lüneburger Nachhaltigkeitsökonomen Stefan Baumgärtner und ist keinesfalls vollständig. Das elementarste menschliche Bedürfnis freilich rangiert vorneweg: der Hunger.

Pionierkampf gegen die Wildnis

Seit dem Ende der Jäger- und Sammlerkultur stammt ein Großteil unserer Nahrungsmittel von domestizierten Pflanzen- und Tierarten. Allzu viele sind das nicht. Essbar wäre vermutlich ein Viertel der wissenschaftlich beschriebenen 240 000 höheren Pflanzen. Aber nur rund 150 wurden jemals kultiviert, weniger als zwanzig davon decken mehr als neunzig Prozent des heutigen Nahrungsbedarfs - Weizen, Mais, Reis und Kartoffeln allein über die Hälfte.

Wozu dann der ganze Rest? Warum sollen wir zum Beispiel Moore schützen, wenn dort nichts von Bedeutung wächst? Schließlich waren unsere Urgroßväter noch heilfroh, wenn sie den Torf endlich gestochen, das Land entwässert und in fruchtbare Äcker und Wiesen verwandelt hatten.

Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not, dem Dritten das Brot. So rodet der Mensch seit dem Neolithikum gegen die Wildnis an. Oft war das zu seinem Segen, häufig genug ging es aber auch schief. Vor allem dann, wenn es an nachhaltiger Erfahrung fehlte. So konnten sich die Pioniere am Amazonas den Regenwald kaum anders denn als „grüne Hölle“ vorstellen. Ein Auskommen bot sie auf den ersten Blick nicht. Bis der Kautschuk entdeckt wurde. Die Latexmilch des Gummibaums war eine Zeitlang so wertvoll wie das Gold, das man bis dahin vergeblich gesucht hatte. Von Belem bis Manaus entstand tatsächlich für kurze Zeit ein Eldorado.

Ungefähr auf der Hälfte der Strecke zwischen den beiden Amazonasstädten kann man besichtigen, was davon übrig blieb. In Fordlandia am Rio Tapajós begrüßt eine verfallene Lagerhalle den einsamen Besucher. Von einst achttausend Einwohnern leben hier noch ein paar hundert, ohne Strom oder Wasserversorgung. Sonst steht vieles noch da von dem, was der Autobauer Henry Ford in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aus dem Boden stampfen ließ.

Arme Böden, reiche Kronen

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