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Bienen im Lernexperiment : Honigsammler im Pisa-Test

  • -Aktualisiert am

Mit Blütenpollen bepackt: Die Honigbiene Bild: dpa

Bienen gelten schon seit einem halben Jahrhundert als gut geeignete Forschungsobjekte zum Studium von Lernvorgängen. Italienische Honigbienen sind die Sieger beim Lernen und doch Verlierer im Leben.

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          Wer gut lernt, hat Aussicht auf Erfolg im Leben. Eine Garantie dafür gibt es indes nicht. Mitunter erweisen sich diejenigen, deren Lernleistung zu wünschen übrig lässt, im Konkurrenzkampf sogar als überlegen. Dass dies auch im Tierreich der Fall sein kann, mussten nun Biologinnen um Margaret Couvillon von der Universität von Arizona in Tucson bei Untersuchungen an Bienen zur Kenntnis nehmen. Als Kandidaten für ihr Lernexperiment hatten sie Arbeiterinnen der Italienischen Honigbiene (Apis mellifera ligustica) gegen solche einer Mischrasse antreten lassen, die aus der Ostafrikanischen Hochlandbiene (Apis mellifera scutellata) hervorgegangen ist.

          Die italienischen Bienen erwiesen sich in dem „Pisa-Test“ für Insekten kognitiv klar als Sieger. Sie verinnerlichten den Zusammenhang zwischen einem Duft und einer süßen Belohnung schneller und dauerhafter als ihre Konkurrenten. Das ergab ein Konditionierungstest, bei dem man den Bienen zunächst eine Zuckerlösung zusammen mit Jasminduft präsentiert hatte. Schon hierbei zeigten sich die italienischen Bienen lernfähiger. Als der Duft tags darauf wieder dargeboten wurde, signalisierten vier Fünftel der italienischen Bienen durch ihr Verhalten, dass sie sich an den Zusammenhang mit der süßen Belohnung erinnerten. Von den afrikanisierten Bienen indessen reagierte nur jede Zweite entsprechend, wie die Gruppe um Couvillon in der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Naturwissenschaften“ (doi: 10.1007/s00114-009-0621-y) berichtet.

          Überaus lebenstüchtig

          Dass die „afrikanisierten“ Bienen bei den Lernaufgaben schlechter abschnitten, überraschte die Forscherinnen. Denn im wirklichen Leben erweisen sich die angriffslustigen, auch als Killerbienen in Verruf geratenen Insekten als außerordentlich konkurrenzfähig. Diese leidvolle Erfahrung hat man auf dem amerikanischen Kontinent gemacht, wo die aggressiven Honigsammler auf Kosten der von den Imkern geschätzten europäischen Bienen immer weiter ausgeschwärmt sind. Begonnen hat ihr Siegeszug 1957 in Brasilien. Dort hatte man im Jahr zuvor einige Völker der für ihre üppige Honigproduktion bekannten afrikanischen Bienen eingeführt, um sie mit europäischen Bienen zu kreuzen. Bei den Zuchtversuchen in einer Forschungsstation rund 100 Kilometer südlich von São Paulo konnten 26 Königinnen mit Schwärmen europäischer Bienen entwischen.

          Die Ausbrecher entpuppten sich als überaus lebenstüchtig. Nachdem sie weite Gebiete Südamerikas erobert hatten, die klimatisch ihrer tropischen Heimat in Afrika nahekommen, drangen sie nordwärts zunächst nach Mexiko vor. Im Jahr 1990 erreichten sie Texas und vier Jahre später Arizona. Zwar kam der Vormarsch dann allmählich ins Stocken, aber trotzdem konnten die stechwütigen Migranten, denen auch immer wieder Menschen zum Opfer fallen, noch in weiteren Südstaaten Fuß fassen. Gegen sie vermögen die vergleichsweise friedfertigen italienischen Bienen, auf die sich die Imkerei in den Vereinigten Staaten traditionell stützt, wenig auszurichten.

          Wie molekulargenetische Untersuchungen gezeigt haben, unterscheiden sich die Killerbienen meist deutlich von der aus Afrika eingeführten Rasse. Auf ihrem Eroberungszug kam es immer wieder zu Kreuzungen mit lokalen, früher aus Europa importierten Rassen. Daher spricht man lieber von afrikanisierten statt von afrikanischen Bienen. Der Anteil des afrikanischen Erbes dominiert zwar, ist aber recht unterschiedlich. Im Mittel dürfte er bei etwa 70 Prozent liegen.

          Das Erfolgsgeheimnis der afrikanisierten Bienen

          Bienen gelten schon seit einem halben Jahrhundert als gut geeignete Forschungsobjekte zum Studium von Lernvorgängen. Schließlich müssen diese Insekten dazu fähig sein, sich die Lage von Futterquellen anhand verschiedener Merkmale einzuprägen. Je besser das Lernvermögen der Honigsammlerinnen, desto größer sollte eigentlich der Vorteil für das Bienenvolk beim Konkurrieren um ertragreiche Blüten sein. Aufgrund dieser Annahme hatten die Forscherinnen in Tucson mit einer überlegenen kognitiven Leistung der afrikanisierten Bienen gerechnet. Offenbar hängt der ökologische Erfolg der Neubürger aber mit anderen Eigenschaften zusammen. Zum Beispiel sammeln sie mehr Pollen als Nektar, vermehren sich auch in Form kleiner Kolonien und sind vielseitiger bei der Wahl von Brutplätzen.

          Europäische Bienen setzen bei der Nahrungssuche stärker auf Gemeinschaft als ihre afrikanisierten Konkurrenten. Untersuchungen zufolge entfernen sie sich bei ihren Erkundungsflügen im Durchschnitt sechs Kilometer weit vom Stock. Sie müssen sich die Lage einer Futterquelle gut einprägen, damit sie nach der Rückkehr ihre Artgenossinnen darüber informieren können. Afrikanisierte Bienen indessen schaffen Nahrung eher in Einzelinitiative herbei. Bei ihren Ausflügen begnügen sie sich zudem mit Distanzen von rund 600 Metern. Entsprechend kleiner ist die zu bewältigende Informationsflut. Aus Beobachtungen an Larven von Taufliegen kann man schließen, dass eine gute Lernfähigkeit nicht zum energetischen Nulltarif zu haben ist. Sie geht vielmehr mit vermindertem Erfolg beim Wettstreit um Nahrung einher. Möglicherweise, so mutmaßen die Biologinnen aus Tucson, beruht das Erfolgsgeheimnis der afrikanisierten Bienen ebenfalls wenigstens zum Teil auf einem solchen Zusammenhang.

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