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Bernstein-Funde : Der Beweis: Auch Dinos trugen bunte Federn

  • -Aktualisiert am

Federn von Urvögeln konserviert in Berstein Bild: Science

Von wegen farblos: Neue, gut erhaltenene Bernstein-Funde aus Kanada belegen, dass die Federn einiger Dinosaurier und der frühen Vögel vor gut 80 Millionen Jahren schon dunkle Pigmente enthielten. Bemerkenswert auch: Damals gab es schon eine Art moderner Wasservogelfedern.

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          Bernstein ist nicht nur als Schmuck geschätzt, sondern auch als biologisches Archiv. Insekten und Pflanzenteile etwa, die in den ausgehärteten Harztropfen oft viele Millionen Jahre überdauert haben, gewähren wissenschaftlich wertvolle Einblicke in längst vergangene Lebensräume. Diese Schatzkammer für die biologische Forschung wurde jetzt durch Funde in Kanada nochmals bereichert. Ryan McKellar von der University of Alberta in Edmonton ist in einer Museumssammlung auf Bernstein aus der späten Kreidezeit vor etwa 70 bis 85 Millionen Jahren gestoßen, der eine Sammlung unterschiedlichster Federn enthält. Insgesamt elf Exemplare liefern Hinweise auf die Struktur, Funktion und sogar die Färbung. Sie ergänzen frühere, weniger reichhaltige Funde aus Kanada.

          Feder macht noch keinen Vogel.

          Nur Vögel haben Federn - Federn sind daher ein untrügliches Kennzeichen für Vögel. Auf diese Logik konnten Generationen von Paläontologen bauen. Auch der berühmte Archaeopteryx wurde aufgrund seiner Federn als urtümlicher Vogel identifiziert. Mitte der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts kam aber wie ein Donnerschlag die Nachricht, in China sei das Fossil eines befiederten Dinosauriers gefunden worden. Zahlreiche solche Funde folgten. Seitdem ist klar: Eine Feder macht noch keinen Vogel.

          Auch die in kanadischem Bernstein entdeckten Gebilde stammen offensichtlich nicht nur von Vögeln, sondern auch von Dinosauriern, wie in der Zeitschrift "Science" (Bd. 333, S. 1590, 1619 u. 1622) berichtet wird. Sie zeigen, dass in jener Zeit ganz unterschiedliche Typen von Federn vorkamen, sowohl primitiv anmutende als auch hochentwickelte. Vertreten sind alle Organisationsstufen der Federnevolution. Zum Erstaunen der kanadischen Forscher fanden sich sogar jene hochspezialisierten Federn, die bei modernen Wasservögeln wie den Lappentauchern vorkommen.

          Verräterische Pigmente

          Ein vielfältiges Nebeneinander von Federtypen hat gewissermaßen Tradition in der Erdgeschichte. Schließlich lebten auch zu Zeiten des Archaeopteryx vor rund 150 Millionen Jahren viele mit einfachen Federn versehene Dinosaurier. Inzwischen mehren sich die Hinweise darauf, dass manche Gefieder keineswegs farblos waren. An den Federn im kanadischen Bernstein lassen sich bräunliche bis schwarze Töne erkennen. Mehr Aufschluss geben aber möglicherweise spektroskopische Untersuchungen, wie sie Roy Wogelius von der University of Manchester vornimmt. Sie zeigen, dass fossile Federn oft metallorganische Verbindungen, speziell des Kupfers, enthalten, die auf pigmentbildende Strukturen verweisen. Unser Bild vom Gefieder längst ausgestorbener Tiere dürfte demnach bunter werden.

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