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Bedrohte Löwen : Der Thron des Königs wackelt

  • -Aktualisiert am

Ein Löwe in Kenia, aufgenommen im Juli 2015 Bild: AP

Die Löwen in Afrika werden weniger. Das weist eine Studie zur Population der Raubkatzen nach - und zeigt eindeutige regionale Unterschiede auf.

          2 Min.

          Das Wahrzeichen Afrikas und König der Tiere: Der Löwe, Panthera leo, zählt zu den imposantesten und beliebtesten Bewohner der Savannen. Jedoch scheint sein Thron zu wackeln. Einer Studie zufolge geht die Zahl der Löwen in großen Teilen Afrikas alarmierend zurück. Die Forscher sprechen sogar schon davon, dass die Tiere regional vom Aussterben bedroht seien.

          Es wäre ein herber Verlust für Afrika und die gesamte Tierwelt, sollten sich die Vermutungen der Wissenschaftler bewahrheiten. In einer Studie, die in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften erschienen ist, haben Wissenschaftler die Löwenpopulation in 47 Gebieten Afrikas analysiert und kamen auf besorgniserregende Ergebnisse. Das Team um Hans Bauer von der University of Oxford fand heraus, dass in den vergangenen 25 Jahren die Population erheblich zurückgegangen ist. Besonders bedroht sind die Tiere in West- und Zentralafrika. In diesen Gebieten könnte die Zahl der Löwen in den nächsten zwanzig Jahren bis auf die Hälfte schrumpfen, sofern keine Anstrengungen für den Erhalt der Raubkatzen unternommen würden, schreiben die Forscher.

          Aufwärtstrend nur in Schutzgebieten

          Die jüngste Zählung auf dem afrikanischen Kontinent hat ergeben, dass in den bekannten Verbreitungsgebieten noch etwa 8200 Löwen gibt. Die Studie kam zudem nun zu dem Ergebnis, dass es erhebliche regionale Unterschiede gibt beim Rückgang der Beutetiere. Besonders Gebiete, in denen in der Vergangenheit große Populationen von mehr als 500 Individuen lebten, verzeichnen einen starken Rückgang. Lediglich in vier südlich gelegenen Ländern – Botswana, Namibia, Südafrika und Simbabwe – nehme die Zahl der Löwen zu, berichten die Forscher. Das läge vor allem daran, dass all diese Gebiete umzäunt sind und zu Schutzzonen erklärt worden waren. Dort wird viel Geld, Mühe und Personal investiert, um den Erhalt der bedrohten Großkatzen zu gewährleisten.

          Der Süden Afrikas könne zur letzten Bastion für den König der Tiere werden, schreibt Bauer. In manchen Regionen sei der Löwe bereits komplett verschwunden.

          Schwindende Lebensräume

          Doch wo liegen die Gründe für den Rückgang dieser imposanten Tiere? Was die positiven Zahlen der Schutzgebiete schon vermuten lassen, wird von den Wissenschaftlern in der Studie auch verifiziert: Der Mensch ist, wie so oft, ein Hauptfaktor. Dadurch, dass Menschen zunehmend Lebensräume der Tiere einnehmen, um Platz für Landwirtschaft und Wohnraum zu schaffen, wird der Löwe immer weiter zurückgedrängt. Zudem stehen die Raubkatzen durch den Konkurrenten Mensch nicht mehr an der Spitze der Nahrungskette und haben immer mehr Probleme, ausreichend Beute zu finden. Der Eingriff der Menschen, vor allem durch den Bau von Siedlungen und Dörfer in den Wildgebieten, führt zu dem nächsten Problem: Auch die Beutetiere der Löwen zählen mittlerweile zu den bedrohten Arten. Tierschützer versuchen deshalb, sowohl Raubkatzen wie deren Beutetiere durch Umsiedlungen zu schützen und Schutzgebiete durch Wildtierkorridore zu verbinden.

          Angesichts der Ergebnisse appellieren die Forscher an die Weltnaturschutzunion (IUCN), die Einstufung der Löwen in der Roten Liste der bedrohten Arten zu überdenken. Die Raubkatzen stehen zwar auf der Roten Liste, sind dort jedoch lediglich als „gefährdet“ eingestuft. Bauer und seine Kollegen sind der Meinung, dass man die Löwen zu den vom Aussterben bedrohten Tieren zählen sollte, da in West-, Zentral- und auch Ostafrika die Bestände enorm zurück gehen. Die Umweltschutzorganisation WWF ist sich mit den Wissenschaftlern einig und will dem Löwenschwund mit Erweiterung der bereits vorhandenen Schutzgebiete entgegenwirken. Die finanziellen Mittel dafür erhofft sich die Organisation durch steigenden Tourismus, der auch die lokale Bevölkerung einbindet.

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