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Bäume : Willkommen im Hain des ewigen Lebens

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Die Bristlecone Pines, wie Pinus longaeva und Pinus aristata in Amerika aufgrund ihrer dornbewehrten Zapfen heißen, überleben also vielleicht durch eine Art Downsizing oder partiellen Selbstmord: Sie lassen demnach große Teile ihrer selbst absterben, um als kleiner Restbaum die nächsten 1000 Jahre in Angriff nehmen zu können. Das, was lebt, ist dafür umso vitaler. Der 4841 Jahre alte „Methuselah“ etwa bildet nach wie vor fast jedes Jahr Zapfen – zu Deutsch: Er hat regelmäßig Sex. Und Messungen, die die Forstökologen Kristina Connor und Ronald Lanner vor etwa 20 Jahren machten, ergaben, dass die wasser- und nährstoffführenden Gewebe bei den Individuen, die nur noch einen dünnen Streifen Rinde besaßen, bis zu doppelt so dick waren wie bei vollberindeten Bäumen. Auf diese Weise wandeln sie vielleicht jenen Stoffwechselnachteil, den Größe irgendwann mit sich bringt, in einen Vorteil um. Demnach wären die ältesten der Uralt-Kiefern nicht verkrüppelt, weil sie so alt sind, sondern sie verkrüppeln, um überhaupt so alt werden zu können. Hinzu kommt, dass die Bäume im harschen Bergklima ohnehin sehr langsam wachsen und deshalb vergleichsweise spät ein Größenproblem bekommen können.

Langlebige Kiefern

Ob es sich hier tatsächlich um eine in der Evolution entwickelte Langlebigkeitsstrategie handelt oder ob die Bäume eher zufällig, bedingt durch Umwelteinflüsse wie etwa das Freilegen und baldige Absterben von Wurzeln, so lebensverlängernd zugerichtet werden, weiß niemand. Ohnehin, sagt Ronald Lanner, der ein Buch über die Kiefern geschrieben hat (The Bristlecone Book, Mountain Press, Missoula 2007), sei trotz aller verblüffenden Logik Vorsicht geboten. Die Idee von der lebensverlängernden Selbstverkleinerung als Reaktion auf ein Stoffwechselungleichgewicht sei bisher nur eine ungeprüfte Hypothese.

Ronald Lanner selbst lehnt den Gedanken zwar nicht ab, hat aber auch ein paar andere Ideen – die allerdings bisher auch kaum überprüft worden sind. Er glaubt etwa, dass die langlebigen Kiefern in Amerikas Westen ausgeprägter als andere Bäume einen sektorartigen Aufbau haben. „Sie sind fast von Anfang an eigentlich keine Einheiten, sondern bestehen aus vertikalen Bereichen, die vollkommen unabhängig voneinander existieren und damit auch sterben können. Nur weil das so ist, kann der Baum, wenn Teile von ihm absterben und nur noch ein Streifen Rinde übrig ist, überhaupt über längere Zeit weiterleben.“

Zur Langlebigkeit der Kiefern trägt auch bei, dass es an ihren Standorten kaum Unterholz gibt und dort daher so gut wie nie Waldbrände wüten. Außerdem hält ihr Harz Schädlinge ab. Bristlecone Pines sind extrem harzig; Kristina Connor hat die Dichte ihrer Harzkanälchen mit der von Zirbelkiefern verglichen und in diesen ebenfalls harzreichen Bäumen nur halb so viele Kanäle gefunden. Zudem ist es dort schlicht zu kalt, zu trocken und zu verstrahlt für die Feinde der Kiefer.

Die Eigenart der Pflanzenzellen

Die Strahlendosen allerdings, denen die Bäume in Höhen zwischen 3000 und 4000 Metern jahrtausendelang ausgesetzt sind, müssten eigentlich auch ihnen zu schaffen machen. Sowohl ultraviolette als auch kosmische Strahlung sind potente Auslöser genetischer Schäden. Die Akkumulation solcher Mutationen mit der Zeit gilt bei Tieren und Menschen als einer der wichtigsten Auslöser von Alterungsprozessen. Pflanzenzellen jedoch, egal, ob sie in einer Kiefer, Eibe oder Eiche sitzen, altern offenbar nicht in gleicher Weise wie tierische Zellen. Geschädigte Zellen scheinen meist schlicht abzusterben, ohne weitere Folgen. Pflanzenphysiologen können Zellen ihrer Studienobjekte praktisch unendlich lange kultivieren. Die Fähigkeit, sich zu teilen, nimmt nicht ab – eine Eigenschaft, die im Tierreich nur embryonale Stammzellen und Krebszellen zeigen.

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