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Ascension : Das Experiment am Ende der Welt

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Ähnliche Eindrücke gewann auch der britische Botaniker Joseph Hooker, der die Insel sieben Jahre später auf dem Rückweg einer Antarktisexpedition besuchte. Er legte 1854 als Direktor der berühmten Kew Gardens südwestlich von London der Royal Society einen Plan zur Bepflanzung der Insel vor. Hookers Idee war so einfach wie wirkungsvoll: Das wesentliche Hindernis einer ausgeprägten Pflanzenwelt sei der mangelnde Regen, schrieb er. Entsprechend sollten auf dem Vulkanberg Bäume gepflanzt werden, die den Nebel abfangen und so Feuchtigkeit und Regenfall erhöhen würden. Zudem müsse die Bildung tieferer Erde durch gezielte Pflanzungen befördert werden. Hookers Plan zielte also nicht darauf ab, direkt ein künstliches Ökosystem zu schaffen. Er wollte stattdessen mit Regenfall, Feuchtigkeit und Bodenbildung die Rahmenbedingungen erzeugen, in denen sich ein neues Ökosystem etablieren kann.

Die Royal Navy folgte Hookers Plänen und importierte mehr als 220 verschiedene tropische Baumarten, Sträucher und Kräuter aus botanischen Gärten in England und den britischen Kolonien. Jeden Monat kamen neue Samen und Pflanzen wie Agaven, Akazien, Bambus, Eukalyptusbäume oder Feigen. Auf Hookers Empfehlung wurde ein Inselgärtner angestellt, der für die Pflanzungen sorgte.

Auch wenn sich nicht alle Arten auf der Insel halten konnten, dokumentieren die Berichte der königlichen botanischen Gärten in Kew die rasante Ausbreitung einer neuen Pflanzenwelt. Heute findet sich auf Ascension ein expandierender Nebelwald, in dem die Pflanzen aus verschiedenen Weltregionen ein einmaliges Ökosystem bilden.

Ein beispielhaftes Ökosystem?

Was die Angelegenheit so interessant jenseits der Geschichte dieser Insel macht, ist die Geschwindigkeit, mit der sich Ascensions künstlich geschaffenes Ökosystem entwickelt hat - nicht in Jahrhunderten, sondern wenigen Jahrzehnten. Ließen sich nach diesem Vorbild nicht auch andernorts karge und ausgedörrte Landstriche in überschaubaren Zeiträumen wiederbeleben?

Optimisten wie David M. Wilkinson, Biologe an der John Moores University in Liverpool, halten Ascension für ein vielversprechendes Modell ökologischer Entwicklungen. Hookers Plan könne gar als ein Vorläufer des modernen "Terraformings" betrachtet werden, also der künstlichen Schaffung lebensfreundlicher Umweltbedingungen, wie sie bezüglich anderer Planeten diskutiert wird.

Aber lassen sich die Erfahrungen von Ascension wirklich so einfach auf andere Regionen übertragen? Unstrittig ist, dass die Bedingungen auf der Atlantikinsel einmalig sind. So wird etwa die Bildung eines Nebelwaldes auf dem Eiland durch einen feuchten Passatwind aus Westafrika begünstigt, während man auf derlei beim Wiederaufforsten von ausgedörrten Landschaften etwa im Amazonasbecken nicht zählen kann. Offen ist außerdem, wie der Klimawandel den Regenfall und die ökologische Entwicklung Ascensions beeinflusst hat und weiter beeinflussen wird - so könnten beispielsweise selbst kleine klimatische Schwankungen unabhängig von Hookers Pflanzungen zu einer erhöhten Feuchtigkeit auf der Insel beigetragen haben.

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