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Artenschutz : Hoffnung für einen Fisch

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In der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten, in den Arabischen Emiraten und der Moskauer High Society zahlen Gourmets bis zu 6500 Euro pro Kilo Beluga-Rogen. In den Jahren nach dem Zusammenbruch des Ostblocks galt der europäische Markt für schwarzen Kaviar als weitgehend illegal. Allein im Jahr 2001, auf dem Höhepunkt der Störwilderei, wurde in den Vereinigten Arabischen Emiraten unlizenzierter Kaviar im Wert von zwanzig Millionen Dollar umgeschlagen und nach Asien, Europa und Nordamerika geschmuggelt. Innerhalb weniger Jahre brachen die Störpopulationen im Kaspischen Meer zusammen.

Lohn der Zucht: Legale Kaviargewinnung

Heute gilt das lebende Fossil als Symboltier des Artenschutzes in Europa, ähnlich wie das Nashorn in Afrika und der Tiger in Asien. Seit 2006 ist der internationale Handel mit Produkten von wild gefangenen Exemplaren der 27 Störarten aus dem Kaspischen Meer, dem Schwarzen Meer und deren Zuflüssen unter der „Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora“ (CITES) des Washingtoner Artenschutzabkommens verboten. Speziell für den internationalen Handel mit Störkaviar haben die Vertragsstaaten ein einheitliches Kennzeichnungssystem eingeführt, das die EU in europäisches Recht übernommen hat. Das Siegel, das jede einzelne Kaviardose tragen muss, soll die Herkunft des Kaviars über die gesamte Lieferkette hinweg dokumentieren, bis hin zur Zuchtfarm der Elterntiere. In Deutschland haben alle Bundesländer unter dem Dach des Bundesamtes für Naturschutz eigene Stellen eingerichtet, die den Handel mit Kaviar kontrollieren.

Wenn der Lebensraum zerstört ist

Tatsächlich gilt zumindest der deutsche Markt dank gezielter Zoll- und Lebensmittelkontrollen sowie erfolgreicher Kriminalermittlungen inzwischen als weitgehend sauber. Das Hochpreissegment, das bis vor wenigen Jahren fast vollständig in den Händen einer Mafia war, wird heute durch Kaviar aus Aquakulturen bedient. Doch was nützen Behördenkontrollen in Deutschland, wenn die illegalen Netzwerke international sind?

Wilderei ist nicht die einzige Gefahr, die dem wilden Stör droht. Das kaspische Forschungsinstitut für Fischwirtschaft in der südrussischen Wolga-Metropole Astrachan schreibt, durch den Rückgang des Wasserspiegels seien die Unterläufe der Wolga in einem „deprimierenden ökologischen Zustand“. Von einem Aussterben der wilden Störe will der stellvertretende Generaldirektor dennoch nichts wissen. „Unser Staat stützt die Störpopulationen auf dem Weg der künstlichen Nachzucht“, sagt Sergej Schipulin. Seit der Bau des Staudamms bei Wolgograd in den sechziger Jahren die natürliche Vermehrung der Wanderfische unmöglich gemacht hat, werden Störlarven im Kaspischen Meer ausgesetzt: dreißig Millionen allein im Jahr 2013. „Insgesamt sind die Bestände stabil“, sagt Schipulin. „Aber wenn die Störpopulationen je wieder wachsen sollen, dann müssen mehr staatliche Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden.“

Können Staatsprogramme eine Spezies retten, deren Lebensraum zerstört ist? Können Zuchttiere eine natürliche Population ersetzen, nur weil man ihnen zwischen Retortenzeugung und Tod am Haken ein paar Jahre in Freiheit ermöglicht? Und wird die russische Regierung die Nachzucht auch dann noch weiter finanzieren, wenn Wirtschaftskrisen den Staatshaushalt schrumpfen lassen und Wildfänge womöglich nicht der steuerpflichtigen Fischwirtschaft, sondern nur den Wilderern zugute kommen? „Unser Staat handelt in dieser Hinsicht sehr verantwortlich. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sich das in Zukunft ändern könnte“, sagt Schipulin. „Wenn die Nachzuchtprogramme jedoch tatsächlich eingestellt würden - in diesem rein hypothetischen Fall würden der Beluga und weitere wildlebende Störarten des Kaspischen Meeres aussterben.“

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