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Artenerhalt : Retorten-Embryo vom Nashorn

Vielleicht gibt es bald kleine Retorten-Nashörner Bild: dpa

In Australien ist es Berliner Veterinären gelungen, einem Nashornweibchen befruchtungsfähige Eizellen zu entnehmen. Mit der Retortenmedizin könnte so der Erhalt bedrohter Nashornarten gewährleistet werden.

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          Fünfzehntausend Kilometer von Berlin entfernt und elfeinhalbtausend Kilometer von Mombasa, gewissermaßen auf zoologisch neutralem Boden im australischen Western Plains Zoo von Dubbo, feierten Berliner Veterinäre vor kurzem einen ungewöhnlichen Therapieerfolg: Zum erstenmal war es gelungen, einem afrikanischen Nashorn befruchtungsfähige Eizellen zu entnehmen und diese sogar im Reagenzglas künstlich zu befruchten.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Embryonen aus der Retorte überlebten zwar nicht lange. Aber diese Hürde, so glauben Robert Hermes, Frank Göritz und Thomas Hildebrandt vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), diese vielleicht letzte Hürde hin zum ersten Retortensprößling eines Nashorns dürfte auch bald genommen werden. Denn die großen Schwierigkeiten der künstlichen Befruchtung von Nashörnern lagen jahrelang ganz am Anfang der „Behandlungskette“.

          Reproduktionsmedizin für bedrohte Arten

          Mit Hilfe der Reproduktionsmedizin, so hoffen Zoologen, Tierärzte und mit ihnen viele Artenschützer schon lange, könnte das Aussterben zumindest der seltensten Nashornarten wie des Nördlichen Breitmaulnashorns (von dem man nur noch zwei befruchtungsfähige Weibchen kennt) verhindert werden. Doch die ersten Versuche scheiterten. Den Veterinären war es nicht einmal gelungen, lebende Eizellen zu gewinnen. Wegen der außergewöhnlichen Länge der Eierstöcke und deren „verwinkelter Lage“, berichten die deutschen Tierärzte, blieb die bei Nutztieren verwendete Methode der Wahl erfolglos.

          So konstruierten sie eine spezielle, der Nashorn-Anatomie angepaßte Apparatur, die es ihnen ermöglichte, unter gleichzeitiger Beobachtung mit dem Ultraschallkopf eine anderthalb Meter lange Hohlnadel über den Darm in die Ovarien einzuführen und Eizellen abzusaugen. „Das Infektionsrisiko halten wir für gering“, meint Hermes, dank auch der besonderen Nashornanatomie. Die Spitzmaulnashorndame „Mzumi“ von Dubbo, die für die Premiere der Fortpflanzungsmediziner ausgewählt worden war, steckte den Eingriff jedenfalls gut weg. Während der zweistündigen Behandlung unter Vollnarkose wurde das tausend Kilogramm schwere Tier künstlich beatmet und - auf Strohballen gebettet - mit einem speziellen Spanngurtsystem auf dem „OP-Tisch“ fixiert.

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