https://www.faz.net/-gwz-159lk

Amerikas Waldsterben : Der nackte Wilde Westen

  • -Aktualisiert am

Die extreme Trockenheit hat dem Borkenkäfer vorgearbeitet Bild: dpa

Von der mexikanischen Grenze bis weit in die kanadischen Pazifikprovinzen leiden amerikanische Wälder unter einer schlimmen Borkenkäferinvasion, die eine Folge der anhaltenden Dürre ist. Langsame Klimaveränderungen spielen auch eine Rolle.

          Wer in diesen Wintertagen durch die Nadelwälder der westlichen Bundesstaaten Amerikas fährt, wird viele braune Bäume unter den immergrünen Koniferen sehen. Die schlimmste Invasion von Borkenkäfern der vergangenen Jahrzehnte hat zu einem gewaltigen Waldsterben geführt.

          Allein in den Bundesstaaten Colorado und Wyoming sind 800 000 Hektar Wald betroffen. Besonders stark wütet der Borkenkäfer in den Bergwäldern der kanadischen Provinz Britisch-Kolumbien. Dort sind inzwischen 13 Millionen Hektar Bestand an Küstenkiefern den gefräßigen Käferlarven zum Opfer gefallen. Im Kings Canyon Nationalpark in der kalifornischen Sierra Nevada sehen manche Berghänge verheerend aus. Anstelle immergrüner Nadelhölzer stehen dort nur noch nackte Baumstämme.

          Käfer nach der Dürre

          Die Käfer haben sich mittlerweile in einem Gebiet ausgebreitet, das von der mexikanischen Grenze im Süden bis weit in die kanadischen Pazifikprovinzen reicht. Befallen sind nahezu alle Wälder in den Rocky Mountains und westlich davon. Die explosionsartige Ausbreitung der Käfer in den vergangenen zwei Jahren ist eine unmittelbare Folge der anhaltenden Dürre. Normalerweise steht den befallenen Bäumen genügend Feuchte zur Verfügung, um mit einem weißlichen Harz die Löcher zu schließen, die die Käfer in die Borke treiben. Bei Trockenheit sind die Bäume aber den Käfern ausgeliefert.

          In den Rocky Mountains

          Hinter dem Baumsterben steckt aber auch ein langfristiger, höchstwahrscheinlich durch den langsamen Klimawandel hervorgerufener Trend. Eine Forschergruppe um Phillip van Mantgem vom Umweltforschungszentrum des Geologischen Dienstes der Vereinigten Staaten in Nordkalifornien hat festgestellt, dass in den alten, seit dem Eintreffen der weißen Siedler im amerikanischen Westen unberührt gebliebenen Waldbeständen wesentlich mehr Bäume sterben als nachwachsen. Wie die Gruppe in "Science" (Bd. 323, S. 521) berichtete, hat dieser Trend in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen.

          Klimaänderungen als Ursache

          Die Forschergruppe wertete für ihre Analyse die Ergebnisse regelmäßiger Baumzählungen der vergangenen fünfzig Jahre mit statistischen Verfahren aus. Gezählt wurden dabei alle Bäume in mehr als 70 Ständen in den Provinzen und Bundesstaaten an der Pazifikküste sowie in Idaho, Arizona und Colorado. Insgesamt registrierten die Förster dort zu Beginn der Erfassung im Jahre 1955 nahezu 60 000 Bäume.

          Am Ende des Beobachtungszeitraumes im Jahre 2007 gab es in diesen Ständen dagegen 11 000 Bäume weniger. Der Rückgang erfasste alle Biotope, vom küstennahen Regenwald bis zu Ständen im Hochgebirge in 3000 Metern Höhe. Der Rückgang des Bestandes wurde bei allen 19 im Untersuchungsgebiet vorkommenden Baumarten beobachtet. Besonders betroffen waren aber Kiefern, Tannen und Hemlocktannen.

          Vermehrte oder intensivere Waldbrände scheiden als Ursache für den Rückgang des Baumbestandes aus. Vielmehr führen die Botaniker das langsame Dahinsiechen des Waldbestandes auf Klimaänderungen zurück. So hat allein in Nordkalifornien die Jahresdurchschnittstemperatur in den vergangenen dreißig Jahren um knapp 1,5 Grad zugenommen. Gleichzeitig ging jener Anteil an Niederschlag deutlich zurück, der im Winter als Schnee fällt. Für den amerikanischen Westen ist der Schnee aber der Wasserspeicher, den Pflanzen brauchen, um die lange Trockenzeit des Sommers zu überstehen.

          Die erhöhte Temperatur und der Rückgang der Niederschläge begünstigt nicht nur das Ausbreiten der Schädlinge. Sie führt nach Meinung von van Mantgem auch zu einer langfristigen, grundlegenden Veränderung des Baumbestandes in den Wäldern des Wilden Westens.

          Weitere Themen

          Programmierte Ungleichheit

          Soziale Systeme : Programmierte Ungleichheit

          Die „gender pay gap“ bezeichnet die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen im gleichen Beruf. Während alte Rollenbilder zumindest teilweise verschwinden, könnte die Digitalisierung die Schere stärker auseinandertreiben.

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.