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Alles im Grünen Bereich : Winterhärte

  • -Aktualisiert am

Frieren im Winter: Pflanzen kann man schützen - nur wie? Bild: Charlotte Wagner

Olivenbäumchen, Lorbeerkugeln und Oleanderbüsche: Die Deutschen besitzen immer mehr Gewächse, die von allein nicht durch den Winter kommen. Der richtige Kälteschutz ist nicht leicht zu finden.

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          Wer wissen will, wie es in deutschen Gärten aussieht, geht am besten in den Baumarkt. Was sich dort im Kassenbereich stapelt, ist der aktuelle Trend. Neben Feuerschalen sind das zurzeit vor allem lustige Vogelhäuschen. Und Verpackungsmaterialien aller Art: Rupfen, Sackleinen, Jute, Folienvlies, Hauben und dergleichen. Vor Jahren gab es dies noch nicht. Andererseits sind die Winter auch nicht wesentlich kälter geworden.

          Die einzige Schlussfolgerung lautet: Die Bundesbürger besitzen immer mehr Gewächse, die von allein nicht durch die kalte Jahreszeit kommen. Traditionell sah Winterschutz so aus, dass man das vertrocknete Tannengrün vom Weihnachtsbaum um die Rosen türmte. Die Billiglösung bestand darin, ihnen eine Plastiktüte überzustülpen, unter der sie dann folgerichtig verfaulten. Aber wenn man sich heute umsieht, warten überall Olivenbäumchen, Lorbeerkugeln, Bonsai-Kiefern und Oleanderbüsche darauf, dass sie beim ersten strengen Frost erfrieren.

          Eine Fußheizung, von der die meisten nichts ahnen

          Unter strengem Frost verstehen Meteorologen alles, was zwischen minus zehn und minus 15 Grad liegt. Unter minus 25 Grad wäre extrem strenger Frost, aber eine Hortensie im Topf macht schon bei wesentlich weniger schlapp. Das liegt daran, dass das bisschen Topferde eben viel schneller durchfriert als der Boden im Freiland. Zumal dieser noch eine Fußheizung besitzt, von der die meisten nichts ahnen. Befeuert wird sie aus dem Erdinneren, zum einen durch radioaktive Zerfallsprozesse und zum anderen durch die Restwärme, die von der Entstehung unseres Planeten zurückgeblieben ist.

          Die daraus resultierende geothermische Leistungsdichte liegt an der Erdoberfläche bei knapp hundert Milliwatt pro Quadratmeter. Das ist zwar weniger als ein Zehntel dessen, was in einer beheizbaren Skistiefelsohle steckt, aber durchaus nicht Nichts. Zumal die Geothermie, anders als die Sonneneinstrahlung, rund um die Uhr zur Verfügung steht; energiebewusste Hausbesitzer können sie mit einer Wärmesonde erfolgreich anzapfen.

          Wer Zitronen ernten will, soll nach Italien ziehen

          So weit wird der Gärtner nicht gehen. Profis, wie zum Beispiel die vom Frankfurter Palmengarten, packen Freiland-Exoten in eigens angefertigte Holzkonstruktionen, die man zum Beispiel mit Stroh auspolstern kann. Einer meiner Nachbarn hat mal eine komplette Araukarie im Vorgarten in Noppenfolie eingewickelt. Im nächsten Winter hat er das dann sein lassen, weil der Baum darunter doch arg gelitten hat.

          Es kommt natürlich auch drauf an, wo man wohnt: In Berlin, im Harz oder oben auf der Schwäbischen Alb bringt man auf die Dauer wahrscheinlich noch nicht mal eine Lorbeerkirsche durch; im verwöhnten Rhein-Main-Gebiet rollt sie im Winter höchstens mal die Blätter zusammen. Wer aber unbedingt Oliven und Zitronen ernten will, der sollte nach Italien ziehen.

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