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Alles im grünen Bereich : Eins auf die Walnuss

  • -Aktualisiert am

Bild: Charlotte Wagner

Walnüsse haben angeblich allerhand medizinische Vorteile, das Holz des Baums ist wertvoll. Doch Juglans regia ist herrisch und lässt kaum anderes Wachstum neben sich zu.

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          In unserer Nachbarschaft steht ein Walnussbaum. Er ist an die zwanzig Meter hoch, mindestens fünfzig Jahre alt, mit seiner ausladenden Krone der Platzhirsch unter den Bäumen. Doppelt bis dreimal so alt könnte er noch werden. Wenn man ihn lässt. Der neue Besitzer hat schon mit dem Nörgeln angefangen: Wirft zu viel Schatten, darunter wächst nichts, das Laub verrottet kaum, am liebsten würde er ihn fällen. Dem steht die Baumschutzsatzung im Weg. Alles, was mehr als sechzig Zentimeter Stammumfang hat, muss stehen bleiben. Auch wenn es den Gartenbesitzer stört.

          Ist das gerecht? Ganz unrecht hat der Mann ja nicht. Wobei man das mit dem Schatten auch positiv sehen kann: Im Sommer braucht er keinen Sonnenschirm, außerdem treibt der Walnussbaum unter allen heimischen Gehölzen am spätesten Blätter und wirft sie im Herbst am frühesten ab. Andererseits stimmt es, dass die Walnuss unter und neben sich nicht viel duldet. Erstens treibt sie gewaltige Pfahlmuskeln und gräbt damit der Konkurrenz das Wasser ab.

          Angeblich gut für Herz, Leber und Haare

          Zweitens produziert die Echte Walnuss Juglans regia in allen ihren grünen Teilen ein Glucosid, das freigesetzt zu Juglon umgewandelt wird. Der Stoff hemmt das Wachstum der meisten anderen Pflanzen. Auch auf Insekten wirkt es abstoßend, weshalb man den Walnussbaum früher gern neben den Misthaufen gepflanzt hat. Und drittens gilt: Hat man eine Walnuss, hat man viele. Eichhörnchen schleppen die Nüsse durch die Gegend, und wenn sie irgendwo welche vergessen, keimen die zuverlässig. Nach einer feuchten Kälteperiode schiebt sich im nächsten Frühjahr die erste Wurzel hervor, die schon von der Vitalität des künftigen Baumes kündet.

          Den Nachteilen des Baums stehen die Vorteile gegenüber. Vor allem natürlich die Nüsse. Man hat ihnen schon alle möglichen medizinischen Vorteile angedichtet. Die darin reichlich enthaltene Linolensäure soll gut fürs Herz sein, der hohe Zinkgehalt für Leber und Haare. Die Früchte sollen gegen Diabetes schützen, auch vor zu hohem Blutdruck und Prostatakrebs. Verwunderlich ist eigentlich nur, dass man Walnüssen noch keinen positiven Einfluss aufs menschliche Gehirn nachgesagt hat, denn genauso sehen sie bei näherer Betrachtung aus.

          Das Holz der Echten Walnuss gehört zu dem wertvollsten überhaupt und wird, weil es so selten ist, meist zu Furnieren verarbeitet. Noch gefragter sind die sogenannten Maserknollen - Wucherungen am Stamm, die durch eine Infektion mit Agrobacterium tumefaciens hervorgerufen werden. In der S-Klasse von Mercedes kann man sie als „Wurzelnuss“-Intarsien fürs Armaturenbrett bestellen.

          Ich würde trotzdem keine Walnuss pflanzen und auch keinem dazu raten. Für einen Hausgarten ist sie wirklich zu herrisch.

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