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„Messenger“-Crash auf Merkur : Ein Absturz ohne Augenzeugen

  • Aktualisiert am

Die Absturzstelle der Sonde: Der große Krater auf der linken Seite, „Janacek“, hat einen Durchmesser von rund 48 Kilometern. Bild: Nasa

Die Mission der Nasa-Sonde „Messenger“ zum Merkur endet mit einem Absturz. Heute Abend um 21.26 Uhr unserer Zeit soll die Sonde auf dem innersten Planeten des Sonnensystems zerschellen. Sehen wird man davon nichts sehen.

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          Das Ende ist unausweichlich. Der Treibstoff  geht aus. Mit einem Absturz auf den Merkur wird sich die Nasa-Sonde „Messenger“ nach einer Reise von mehr als zehn Jahren zum sonnennächsten Planeten Merkur aus dem Dienst verabschieden. Mit fast vier Kilometern pro Sekunde, etwa dreimal so schnell wie eine Gewehrkugel, wird die drei Meter große Sonde auf dem Merkur zerschellen. Sie wird dabei einen Krater mit einem Durchmesser von 16 Metern auf dem kleinen Planeten hinterlassen. Augenzeugen wird es keine geben, denn die Absturzstelle liegt auf der erdabgewandten Merkur-Seite.

          Eine Animation: Messenger über dem Merkur
          Eine Animation: Messenger über dem Merkur : Bild: dpa

          „Der Betrieb der Sonde wird dann vorbei sein, aber wir feiern Messenger als eine mehr als erfolgreiche Mission“, sagt Nasa-Manager John Grunsfeld. „Zugleich ist es der Beginn einer noch längeren Mission, die darin besteht, die Daten zu analysieren, die alle wissenschaftlichen Geheimnisse von Merkur offenlegen.“ Mehr als 250.000 Fotos hat „Messenger“ geknipst und riesige Mengen an Daten gesammelt.

          Die Sonde, deren Name ein Akronym für „MErcury Surface, Space ENvironment, GEochemistry, and Ranging“ ist, hat in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit geleistet. Als sie im August 2004 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida aus ins All startete, hatte es zuvor mehr als 30 Jahre lang keine Mission zum Merkur mehr gegeben. „Mariner 10“, die  Vorläufer-Mission, hatte nur die Hälfte der Merkuroberfläche kartiert.

          Mit acht Instrumenten an Bord hat die Sonde den kleinen Planeten Merkur vermessen. Seine Oberfläche sieht mondähnlich aus, doch viele der Strukturen sind vulkanischen Ursprungs.
          Mit acht Instrumenten an Bord hat die Sonde den kleinen Planeten Merkur vermessen. Seine Oberfläche sieht mondähnlich aus, doch viele der Strukturen sind vulkanischen Ursprungs. : Bild: Nasa

          Nach fast sieben Jahren Flugzeit und mehreren Vorbeiflugmanövern an Erde, Venus und Merkur, um Bewegungsenergie abzubauen, schwenkte die rund 500 Kilogramm schwere Sonde am 18. März 2011 schließlich in die Umlaufbahn um den Merkur ein. Ursprünglich sollte sie den Planeten, der mit einem Durchmesser von 4880 Kilometer etwas größer ist als der Mond und innerhalb der Erdbahn um die Sonne kreist, nur ein Jahr lang umkreisen. Weil der Zustand von Messenger und die Treibstoffmenge  es zuließen, wurde die Mission aber gleich zweimal um insgesamt vier Jahre verlängert. Nun ist der Treibstoff aufgebraucht, so dass die Sonde nicht länger auf einer stabilen Umlaufbahn gehalten werden kann.

          Ein unwirtlicher Planet in neuem Licht

          Der Merkur zählt zu den am wenigsten erforschten Planeten des Sonnensystems. Dies liegt vor allem an den nicht zuletzt für Raumsonden unwirtlichen Bedingungen in der Nähe der Sonne wie der hohen Temperaturschwankungen und der intensiven Strahlung sowie an zahlreichen technischen Schwierigkeiten, die bei einem Flug zum Merkur in Kauf genommen werden müssen. Auf dem Merkur wird es beispielsweise nachts  fast minus 200 Grad kalt, tagsüber erhitzt er sich auf Temperaturen von plus 400 Grad und mehr. Und Sonnenuntergang ist erst nach einem Merkurjahr - das 88 Erdentage dauert.

          Mit Daten und Fotos von diesem wenig einladenden Planeten begeisterte Messenger  schließlich die Forscher der Mission.  Die mit einem Schild aus Spezialkeramik gegen die Hitze geschützte Sonde mit acht wissenschaftlichen Instrumenten an Bord entdeckte unter anderem unerwartet starken Vulkanismus, einen ungewöhnlichen Eisenmangel in der Oberfläche und Hinweise auf Wassereis, das im ewigen Schatten von Einschlagkratern verborgen ist. Außerdem fotografierte Messenger die letzten bis dahin noch unbekannten Gebiete des Planeten. Vor zwei Jahren veröffentlichte die Nasa eine 3D-Karte des Merkur, die aus Tausenden von Einzelbildern zusammengesetzt worden war.

          „Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir jetzt ein wirkliches Wissen über Merkur, das ihn als einen faszinierenden Teil unseres Sonnensystems zeigt“, erklärt Grunsfeld. Etwa zehn Minuten vor dem Aufprall auf den Merkur werden die Nasa-Wissenschaftler noch Kontakt zu Messenger haben.

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