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Namensgebung : Zwischen Tradition und Lallform

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Die von Knud Bielefeld erscheint pünktlich zu Neujahr, was ihm die höhere Aufmerksamkeit der Medien beschert. Er sammelt die Namen aus den Geburtsmeldungen der Standesämter und auf den Internetseiten der Krankenhäuser. Gut ein Viertel aller vergebenen Namen fließen in seine Erhebung ein, im vergangenen Jahr summierten sie sich auf insgesamt 196.000 Namensvergaben. Was Bielefeld im Gegensatz zur Gesellschaft für die deutsche Sprache in seiner Erhebung nicht berücksichtigt, sind zweite Vornamen. Rund vierzig Prozent aller Kinder erhalten einen; Familien aus Adelsgeschlechtern berücksichtigen darin nicht selten ganze Zweige ihres erlauchten Stammbaums. Sprachforscher sprechen von einer gebundenen Rufnamenvergabe. Dabei handelt es sich meist um Nachbenennungen, zu Ehren des Paten, des Vaters oder des Großvaters. Für den Rufnamen selbst sind sie in der Regel unerheblich.

So groß war die Namensvielfalt noch nie

Im Jahr 2016 waren Ben, Paul und Jonas die am meisten vergebenen Jungennamen, Mädchen wurden am häufigsten Mia, Emma und Sophia genannt. Bei der Gesellschaft der deutschen Sprache hingegen lagen Elias, Alexander und Maximilian vorn, bei den Mädchen Marie, Sophie und Sophia. Auch die Wiesbadener Sprachpfleger registrieren eine große Namensvielfalt, was angesichts der zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft nicht überrascht. Dadurch wird eine Mia heute nicht an jeder Ecke auf eine andere Mia treffen wie etwa eine Margarete vor hundert Jahren. Und auch ein Johannes muss sich seinen Namen längst nicht mehr mit jedem Dritten im Dorf teilen. Auf tausend Kinder kommen heute nur noch 24 Kinder mit dem Namen Mia und 20 mit dem Namen Ben, wie Knud Bielefeld ausgewertet hat. Dass die am häufigsten vergebenen Namen trotzdem derart selten sind, das gab es noch nie.

Auch sehr beliebt: Namen des Königs Maximilian I. von Bayern und der von Jane Austens Emma.

Dabei ist gerade Ben ein besonders hartnäckiger Trendname. Seit sechs Jahren bereits führt er die Liste der Jungennamen an. Bielefeld führt dies auf den psychologischen Mere-Exposure-Effekt zurück, wonach etwas zuvor neutral Bewertetes durch schiere Wiederholung positiver erscheint. Die Werbung nutzt diesen Effekt seit Jahrzehnten. Menschen finden etwas umso besser, je häufiger sie es wahrnehmen, meint Bielefeld „Wir hören Ben, Ben, Ben – und schon ist uns dieser Name sympathisch.“

Skandinavien gibt den Ton an

Neue Namenstrends verbreiten sich hierzulande typischerweise von Norden aus, hat Knud Bielefeld beobachtet. Dazu passt, dass experimentierfreudige deutsche Eltern vor allem von skandinavischen Namen angetan sind. Gegenwärtig etwa breiten sich Mats, Lasse, Lotta und Jella aus. Eine besondere Karriere legt derzeit die friesische Form von Friedrich hin: Fiete.

Für süddeutsche Ohren klingt das eher nach dem Abschiedsgruß „Pfiat di!“ Eltern in Bayern und Baden-Württemberg sind generell weniger versessen auf Namen mit Neuigkeitswert. Sie bevorzugen nach wie vor klassische Vornamen. Seit Jahren stehen etwa Maximilian und Lukas in Bayern auf den obersten Plätzen, Anna und Sophia dominieren bei den Mädchen. Seinen eigenen Vornamen Knud hingegen, der aus dem Dänischen stammt und Mitte des vergangenen Jahrhunderts am verbreitetsten war, findet Namensforscher Bielefeld heute auf den hinteren Rängen. Ein Modename war er ohnehin nie. Und auch der Berliner Eisbärenhype vor zehn Jahren verhalf ihm zu keiner neuen Popularität. Einen nordischen Modenamen trägt auch Bielefelds Sohn: Erik. Den habe allerdings seine Frau Simone ausgesucht.

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