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Provenienzforschung : Eine Stiftung soll historische Schuld tilgen

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Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien Bild: dpa

Das neue „Deutsche Zentrum Kulturgutverluste“: Kulturstaatsministerin Monika Grütters erläutert im Gespräch ihr erstes großes Projekt zur Provenienzforschung.

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          FRAGE: Länder und Kommunen lassen sich vom Bund ungern in Belange der Kultur hineinreden. Wie will die neue Stiftung kulturföderalen Streit vermeiden?

          ANTWORT: Die Stiftung wird von allen gemeinsam getragen, da ist, auch vor dem Hintergrund des Gurlitt-Falls, ein Ruck durch die Reihen gegangen. Wir konnten uns auf diese neue Struktur ja in nur wenigen Monaten einigen, was angesichts der höchst komplexen Aufgaben beachtlich ist. Und es zeugt davon, welche Bedeutung Deutschland der Umsetzung der „Washingtoner Prinzipien“ beimisst. Mit dem „Deutschen Zentrum Kulturgutverluste“ wird es gelingen, die Provenienzforschung zu NS-Raubkunst auszubauen und die Kommunikation erheblich zu verbessern. Streit befürchte ich nicht, die neuen Gremien, etwa der Stiftungsrat, in dem neben dem Bund acht Bundesländer sitzen und das Auswärtige Amt, können da schlichten. Wir müssen mehr tun, das haben alle begriffen. Es ist unerträglich, dass nur zehn Prozent der öffentlichen Sammlungen bisher eine systematische Provenienzrecherche anbieten.

          Erben enteigneter Sammler klagen, dass die Limbach-Kommission das Einverständnis der Museen voraussetzt. Wird sich das ändern?

          Wir haben darüber oft diskutiert, aber es klingt eben nur einfach. Wenn nur eine Seite will, ist die andere ohnehin auf Blockade eingestellt und der Streitfall landet vor Gericht. Ich werde demnächst mit der Kommission noch einmal darüber reden.

          Herkunftsforschung braucht Spezialisten. Bisher war das dem Engagement Einzelner überlassen. Wäre eine Stiftungsprofessur für dieses Fach denkbar?

          Ja, das liegt mir am Herzen, wir diskutieren schon darüber und sind mit Universitäten im Gespräch. Außerdem wird das Zentrum eine spezielle Fortbildung für Museumsleute anbieten.

          Bisher hangeln sich viele Provenienzforscher von Projekt zu Projekt. Wird es endlich mehr feste Stellen geben?

          Die Stiftung mit Sitz in Magdeburg selbst wird zunächst 20 Mitarbeiter haben, darunter die bisher in Berlin und in Magdeburg Beschäftigten. Das sind sechs neue Stellen, vom Bund finanziert.

          Der Fall Gurlitt zeigt auch, wie schwierig es ist, für Raubkunst in Privatbesitz Lösungen zu finden.

          Das Zentrum soll, zusätzlich zur Unterstützung öffentlicher Einrichtungen, ein Angebot für Privatsammler und private Museen entwickeln. Vor allem mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit hoffen wir, mehr zu erreichen.

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