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Weltraumtourist Charles Simonyi : Zum Mond? Was soll ich denn da?

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg ins All hat den Weltraumtourist Charles Simonyi der Mond eher kalt gelassen Bild: AFP

Der Computerpionier Charles Simonyi hat zwei spektakuläre Ausflüge ins All unternommen. Vom Reiseziel Mond geht für ihn keine Attraktion aus. Ihn zieht es hinaus ins Weite, zu den Asteroiden, die noch Geheimnisse bergen.

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          Er studierte in Berkeley, als die ersten Menschen auf dem Mond spazieren gingen. Charles Simonyi kann sich noch genau an den Tag erinnern. Da er kein Fernsehgerät besaß, mietete er sich eins, für zwanzig Dollar die Woche. Butler W. Lampson, sein Professor und Mentor, kam herüber zu ihm, und gemeinsam verfolgten sie die Livesendung vom Mond. Aber dass ein Funke übergesprungen, dass an diesem historischen Tag der Entschluss in ihm gereift sei, in einen Raumanzug zu schlüpfen und einmal selbst ins All vorzudringen, vermag Charles Simonyi beim besten Willen nicht zu behaupten.

          Von der sagenhaften Karriere, die ihm bevorstand, war am 20. Juli 1969 noch nichts zu ahnen. Von Google und Microsoft, von Bill Gates und Paul Allen, von Larry Page und Sergey Brin hatte die Welt noch nichts hören können. Die Firmen gab es noch nicht. Die beiden letztgenannten Firmengründer waren noch nicht geboren. Und welche Programmierabenteuer auf Simonyi warteten, konnte auch er, Student der Technischen Mathematik und Sohn des berühmten Physikprofessors Károly Simonyi, geboren 1948 in Budapest, noch nicht voraussehen.

          Sechs Jahre noch sollten bis zur Gründung von Microsoft vergehen, sechs Jahre, die Simonyi damit verbrachte, bei der alteingesessenen Kopierfirma Xerox Furore zu machen, bevor er als einer der ersten Angestellten von Microsoft die Richtung des Unternehmens mitbestimmte und darüber unermesslich reich wurde.

          Simulation der Einstiegs: Simonyi in Rodlerposition

          Mäßig beeindruckt

          So reich, dass er es sich erlauben konnte, viele Jahre später gleich zweimal ins All zu fliegen. Kein anderer Weltraumtourist, und von ihnen gibt es ohnehin nur eine Handvoll, kann sich dessen rühmen. Zuerst war Simonyi im April 2007 Gast auf der Internationalen Raumstation (ISS), dann wiederholte er die Unternehmung vor ein paar Monaten. Abschuss vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan, Aufenthalt mit Verpflegung in eng bemessener Schwerelosigkeit. Unkosten insgesamt sechzig Millionen Dollar.

          In Wernher von Brauns ursprünglichen Mondlandungsplänen wäre eine solche Raumstation der Umsteigebahnhof für jeden Mondflug gewesen. Hätte Simonyi jetzt die Chance gehabt, seinen Ausflug ins All fortzusetzen, wäre er aber wahrscheinlich doch nicht auf Neil Armstrongs Spuren gewandelt. Eine richtige Begeisterung für die Reise zum Mond will sich bei ihm selbst angesichts des vierzigjährigen Jubiläums der ersten Mondlandung eines Menschen einfach nicht einstellen. „Viele Leute fragen mich schon jetzt, ob ich auch auf dem Mond war, aber ich bin froh und zufrieden, dass ich die Gelegenheit hatte, mich im All aufzuhalten und nun mit der Erfahrung zu leben.“ So wimmelt er im Gespräch alle Fragen nach einer künftigen Mondreise ab.

          Unerwartete Größe

          Er ist viel zu praktisch und pragmatisch, um seine beiden Raumflüge im Nachhinein symbolisch zu überladen. Weder trieb ihn wissenschaftliche Neugier, noch suchte er nach Antworten auf existentielle Fragen: „Ich hatte drei Ziele. Erstens wollte ich die Raumfahrt unterstützen, zweitens wollte ich mich im Besonderen für die private Raumfahrt einsetzen, und drittens wollte ich Kindern zeigen, wie aufregend die Wissenschaft, die Mathematik und das Ingenieurswesen sein können.“

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