https://www.faz.net/-gwz-1378c

Mondexpedition : Einsteigen zum Raumfahrtabenteuer!

  • -Aktualisiert am

Wegweisende Zukunftsschau: Titelcover der Zeitschrift Collier's vom 18. Oktober 1952 Bild:

In der Zeitschrift „Collier’s“ warb Wernher von Braun in den fünfziger Jahren für den Flug zum Mond. Im Rückblick wirken viele seiner damals geäußerten Prognosen inspirierend, wenn auch reichlich kurios.

          5 Min.

          Es hätte alles viel bombastischer ausfallen sollen. Für die erste Mondlandung, wie Wernher von Braun sie sich ursprünglich ausmalte, wären gleich drei Raketen aufgestiegen. Mit einer Besatzung von insgesamt fünfzig Mann. Fünfzig! Je ein Drittel in einem dementsprechend üppigen, ausladenden, geradezu schwelgerischen Gefährt. Warum es nicht nach einer herkömmlichen Rakete auszusehen brauchte, war längst erklärt. Die Stromlinienform, so von Braun, ist im luftleeren Raum passé. Tollpatschig und plump mag sie wirken, die dafür entworfene Rakete, aber deswegen ist sie umso effizienter. Ein skurriles Ding, zusammengebastelt aus Heliumtanks, Starttanks, Landetanks, Landegestellen, Hitzeschilden, Steuerdüsen, Solarspiegeln, Radioantennen, Temperaturregulatoren, Besatzungsbereichen, um nur die augenfälligen Elemente zu nennen.

          „Stellen Sie sich die Ausmaße dieser riesigen Dreistufenrakete vor“, fordert von Braun sein Publikum auf. „Sie hat eine Länge von achtzig Metern, was einem vierundzwanzig Stockwerke hohen Gebäude entspricht. Ihre Basis hat einen Durchmesser von zwanzig Metern. Das Gewicht dieses Monsterraketenschiffs beträgt vierzehn Millionen amerikanische Pfund oder siebentausend Tonnen, ungefähr so viel wie eine leichter Passagierdampfer.“ Und wie das alles erst in Aktion aussieht! Sekunden vor der Mondlandung, sobald die Steuerdüsen überflüssig geworden sind, fährt ein zentrales, stoßdämpfendes Landebein aus, das sich im gelben Flammendunst verliert. Mondgestein spritzt glühend auf, und als wäre das noch nicht atemraubend genug, leuchtet am tiefschwarzen Himmel eine Sichel, die nur die Erde sein kann. Denn die Perspektive, aus der sich uns das Raketendrama darbietet, ist die eines Menschen, der irgendwie schon vorher seinen Weg auf den lunaren Nordpol gefunden hat.

          Ein Forum für Raketenmänner

          Nun ist da dem fabelhaften Illustrator Chesley Bonestell keineswegs die Phantasie durchgegangen. Er hat sich vielmehr genau an die Anweisungen gehalten, die ihm von Braun und eine Reihe kaum minder erlauchter Fachkollegen zukommen ließen. Anlass war eine spektakuläre Serie von Artikeln, die in der amerikanischen Zeitschrift „Collier’s“ vom März 1952 bis April 1954 erschienen und für die Reise zum Mond mächtig Stimmung machten.

          Sehr viel überschaubarer als zunächst vermutet: Mondexpedition von Apollo 11

          In jener Glanzzeit der Illustrierten bietet „Collier’s“ den Raketenmännern ein wunderbares Forum, ihre Wünsche und Überlegungen, seien sie technischer, psychologischer, medizinischer, politischer oder auch juristischer Art, unters staunende Volk zu bringen. Neben dem vierzigjährigen von Braun, der damals noch technischer Direktor einer der Armee zugeordneten Forschungsabteilung für Raketengeschosse war, greifen etwa Heinz Haber, der im Auftrag der Luftwaffe raummedizinische Forschung betrieb, und der hochgeschätzte Wissenschaftsjournalist Willy Ley zur Feder. Ihre Einsichten werden zu Ansichten dank Illustratoren wie Chesley Bonestell, Fred Freeman und Rolf Klep, die uns aufregende Blicke in Raketen und eine radförmige Raumstation gewähren, die auch Hawaii tief drunten auf dem Erdball nicht vergessen, wenn sie den Bau von Raumschiffen im All vorausahnend dokumentieren, und ganze Flottillen tanklastiger Flugkörper in Bewegung setzen. In Wort und Bild entsteht so, verteilt über acht Hefte, ein leidenschaftliches Plädoyer für die Raumfahrt, deren erster Höhepunkt die Mondlandung sein soll. Der Mars wird schon mal als nächste Station angepeilt.

          Staatstragende Dringlichkeit

          Von Anfang an lassen die Redakteure der Illustrierten keine Zweifel an der staatstragenden Dringlichkeit ihrer Veröffentlichung. Es ist, schreiben sie, keine Science-Fiction. Es ist vielmehr die Geschichte von der Unvermeidlichkeit der Eroberung des Alls durch den Menschen. An Washington ergeht die Mahnung, der Raumfahrt Priorität einzuräumen, nachdem die Kluft in der Wiederbewaffnung von Ost und West sich beständig verringert habe. Nichts sollte darum unversucht bleiben, um den Weltfrieden zu garantieren, und der, wie die Redakteure gar nicht zu erwähnen brauchen, geht eben von den Vereinigten Staaten aus: „It’s as simple as that.“

          Weitere Themen

          Amerika schaut in den Mond

          Heute beginnt Apple TV+ : Amerika schaut in den Mond

          Von heute an bietet auch Apple eigenes Streamingfernsehen an. Bei Apple TV+ gibt es - noch - wenig zu sehen. In einer der ersten Serien wird aber gleich mal die Geschichte der Mondlandung umgeschrieben: „For all Mankind“.

          Mehrere Wasserhosen über Genua Video-Seite öffnen

          Wetterphänomen : Mehrere Wasserhosen über Genua

          Die Sichtung der Wasserhosen über Genua wurde als außergewöhnlich beschrieben. Eine Wasserhose ist ein Tornado oder eine Windhose über dem Meer oder einem See. Sie entsteht, wenn kalte Luft über ein relativ warmes Gewässer strömt.

          Topmeldungen

          Tesla-Fabrik in Deutschland : Angriff im Heimatmarkt

          Für die deutschen Autohersteller wird der Wettbewerb noch schwieriger, wenn Tesla in Brandenburg eine große Fabrik baut. Ein Selbstläufer ist das Projekt allerdings nicht – Tesla muss sich auf einen harten Wettkampf einstellen.
          Die Köpfe hinter der Marke: Porsche-Design-Geschäftsführer Jan Becker (rechts) und Design-Chef Roland Heiler

          Porsche-Design-Chefs : Wann ist ein Mann ein Mann?

          Porsche Design steht für Männlichkeit, Geld und Stil. Im Interview sprechen die Chefs der Marke über neue Rollenbilder, gläserne Garagen – und anderen Luxus, den die Welt nicht braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.