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Zukunftsträume : Wir und der Mond

Die BBC (wenn die Unterlagen nicht trügen) untermalte die Bilder vom Mond mit dem ersten Hit eines jungen Mannes, dessen Musik zwar auch sehr nach Weltraum klang, dessen Text aber auf ein ganz anderes Ende hinauslief: „Ground control to Major Tom: your circuit’s dead, there’s something wrong, can you hear me, Major Tom? Can you hear me, Major Tom?“ Es gibt, als Auskopplung aus David Bowies Film „Love You till Tuesday“, auch ein Video zu „Space Oddity“, im Frühjahr 1969 gedreht, da scheint der junge Bowie phänotypisch schon mal Bill Gates oder Steve Jobs vorauszuahnen, all die Typen, die zehn Jahre später das Silicon Valley bevölkerten; die Schwerkraft scheint da mit rein musikalischen Mitteln aufgehoben zu sein, und spätestens wenn sanft gelockte Mädchen an den äußersten Armen pastellfarbener Spiralnebel schweben und den Raumfahrer in vierte, fünfte, sechste Dimensionen locken, ist ganz klar, dass man diese Welten nicht mit dem Schub von brennendem Kerosin und Sauerstoff erreichte. Eher mit Substanzen, welche der Chemiker Tetrahydrocannabinol nennt, Lysergsäurediethylamid oder auch, ganz schlicht, Amphetamine.

Preiswertere Träume

Es war, als würden die Apollo-Astronauten, während sie zurückschwebten durch die Leere zwischen Erde und Mond, schon widerlegt, es gab zwischen Himmel und Erde viel mehr als bloß Luftlosigkeit und ausgebrannte Raketenstufen, es gab da, preiswerter als flüssigen Raketentreibstoff, die Drogen und die Musik, und unten, auf der Erde, so berichtet Norman Mailer in seinem Buch „Auf dem Mond ein Feuer“, betranken sich afroamerikanische Intellektuelle vor lauter Kummer darüber, dass die Schwerkraft sie immer noch besonders weit nach unten drückte; und dass jetzt auch der Mond ein Weißer war. Und auf der winzigen Insel Chappaquiddick flog Edward Kennedy mit seinem Auto von einer Brücke und ließ seine tote Begleiterin auf dem Beifahrersitz. Womit der Fluch des Hauses Kennedy besiegelt war, das Unglück jener Familie, deren Glanz und Ruhm auch auf Sätzen wie diesem hier gründete: „Wir haben uns entschlossen, in diesem Jahrzehnt auf den Mond zu kommen, nicht weil es leicht ist, sondern gerade weil es schwer ist.“

So sprach John F. Kennedy im Jahr 1962, nachdem er im Jahr zuvor das Ziel schon definiert hatte – und als Armstrong, Aldrin und Collins nach der Quarantäne, mit frisch erneuerten Kurzhaarschnitten und knapp sitzenden Uniformen der Welt berichteten, wie es dort oben gewesen sei, da wirkten sie (dank einer bis dahin ungeahnten Nebenwirkung der Relativitätstheorie womöglich), als wäre immer noch 1962 in ihrer Welt.

Waren wir vor vierzig Jahren wirklich auf dem Mond? Erstaunlich viele Menschen leugnen es. Um die endlich zum Schweigen zu bringen, müsste man mal wieder hinauffahren, nachsehen, ob das Sternenbanner noch steht im „Mare Tranquillitatis“. Und dann: Her mit den Individualhubschraubern, den Städten unter Wasser, der Weltregierung!

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