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Geschichtsphilosophie : Die Rückkehr der Religion

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 Durch ihre Verwertung im forcierten Handel wird die Kunst für Spengler, mit den Worten Adornos, zum „Sport“. „Die intellektuelle Spannung kennt nur noch eine, die spezifisch weltstädtische Form der Erholung: die Entspannung, die ,Zerstreuung’“, schreibt Spengler und fährt fort: „Das echte Spiel, die Lebensfreude, die Lust, der Rausch sind aus dem kosmischen Takte geboren und werden in ihrem Wesen gar nicht mehr begriffen.“ Die Ablösung intensiver praktischer Denkarbeit durch ihren Gegensatz, die mit Bewusstsein betriebene Trottelei, die Auflösung der geistigen Anspannung durch die körperliche des Sports, der Ersatz der reinen Logik der täglichen Arbeit durch eine mit Bewusstsein genossene Mystik, meint Spengler, kehre in allen Weltstädten aller Zivilisationen wieder. Der Autor bestimmt diese Form des geistigen „Fellachentums“, wie er es nennt, als Enteignung des Denkens der Menschen durch die zentralisierten Mittel der öffentlichen Kommunikation.

Die Kunst als öffentlicher Hindernislauf

Wobei die zentralisierten Mittel der öffentlichen Kommunikation für Spengler nur die - von heute aus gesehen: eher kleinen - Pressehäuser um die Zeit des Ersten Weltkriegs waren. Adorno aber geht es in seiner bei aller kritischen Distanz zustimmenden Aufnahme darum, dass die Kunst unter dem Regime des Geldmarktes zu einer Art öffentlichem Hindernislauf wird, in dem der höchste Preis die weitreichendste Kunst generiert. Wollte man die wichtigsten Tendenzen der gegenwärtigen Massenkunst auf eine Formel bringen, meint Adorno, dann ließe sich „keine prägnantere angeben als die des Sports, des Nehmens rhythmischer Hindernisse, des Wettbewerbs, sei es unter den Ausführenden, sei es zwischen Produktion und Publikum.“

Hier allerdings endet Adornos Zustimmung zu Spenglers Diagnose. Denn was er entschieden nicht teilt, ist Spenglers Verachtung für die Opfer dieser sportlichen Manipulationen der Massenkultur als „Fellachen“. Adorno geht es eher um die aktiv Manipulierenden, denen er das Handwerk legen will. Für den Zusammenhang mit Houellebecqs Thesen zur Wiederkehr der Religion ist Adornos berechtigter Einwand aber nicht entscheidend. Denn da geht es um die von Spengler angesprochene Mystik, die zur Entspannungs- und Zerstreuungskultur der Zivilisation gehört wie die Zeitungen zur Demokratie in ihrer Entstehungszeit.

Ein liberaler muslimischer Präsident

Es ist dieser Hang zur bewusst genossenen Mystik, sei es aktuell als Yogakurs oder Hollywood-Buddhismus, der den Boden für die zweite Religiosität nach Spengler bereitet. Wobei es zu deren Kennzeichen gehört, dass sich ihre modischen Ausprägungen den Gründungsmythen der Religionen demütig anzunähern versuchen, ohne in einer organischen Verbindung mit diesen Mythen zu stehen. Allah auf Facebook könnt man sagen, ist nach Spengler nur die künstliche Form der ursprünglichen Religion.

Der Witz dabei ist nur, dass die zweite Religion die Menschen trotzdem nicht weniger erfasst als die alte. Während aber Spengler keinen Ausweg aus seiner Diagnose kennt außer konservative, preußische Werte, weiß Houellebecq, dass solche Werte bestimmt nichts verhindern. Und entscheidet sich stattdessen für die Enttotalisierung des Gegners in Gestalt des liberal-muslimischen Präsidenten.

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