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Meteorologie : Das Netz des Wetterfroschs

  • -Aktualisiert am

Jörg Kachelmanns Prognosen haben das Geschäft mit dem Wetter aufgemischt Bild: picture-alliance/ ZB

Jörg Kachelmann hat das Land mit Messstationen überzogen. Nicht alle Meteorologen sind darüber glücklich. Seit dem Erfolg der privaten Wetterdienste gehen die Investitionen der Bundesregierung in den Deutschen Wetterdienst drastisch zurück.

          Ganz unten im Tal liegt er: ein silbriger Spiegel, aus dem die Silhouette des Felspanoramas widerschimmert. Schon beim bloßen Anblick des Funtensees bei Berchtesgaden wird wetterfühligen Gemütern kalt. Tatsächlich sammelt sich hier im Winter besonders leicht die abgekühlte Luft der schneebedeckten Berghänge. In klaren, windstillen Nächten kann man hier in Deutschland sibirische Temperaturen messen.

          "Das können Sie in meinem Kühlschrank auch ...", ätzt ein Meteorologe. Die Wetterforscher sind den Funtensee leid. Weil sich sein Mikroklima auf die Fläche eines Villengrundstücks beschränkt, kann er keine meteorologisch relevanten Werte liefern. Trotzdem lässt er regelmäßig die Zuschauer der Tagesschau frösteln. Denn hier steht eine der Wetterstationen, mit denen Jörg Kachelmann, freischaffender Oberwettermann der ARD, seit 1991 Deutschland überzieht. Damals gründete der Journalist Meteomedia, eines der erfolgreichsten Wetterunternehmen Europas.

          Am Weihnachtsabend 2001 stieg Kachelmann persönlich in den Bergkessel, um an der Funtensee-Station einen bisher ungeschlagenen deutschen Rekord abzulesen: -49,5 Grad. "Ich kann mich wie ein Kind freuen, wenn ich so etwas Außerordentliches messen darf", sagt er. "Ein See auf 1600 Meter Höhe - ich wollte einfach wissen, wie kalt es dort werden kann."

          In Baden schaut man besonders genau aufs Wetter - da ist es auch am erfreulichsten

          Sind solche Rekorde nur Kachelmanns Leidenschaft? Oder gehören sie ebenso zum Geschäft wie die Vorhersagen? Wenn Zeitungen Spitzenwerte melden, taucht Kachelmanns Name inzwischen etwa doppelt so häufig auf wie der des staatlichen Deutschen Wetterdienstes (DWD). Dort müssen die Daten von Meteomedia trotzdem draußen bleiben. "Die Messtechnik scheint gut zu sein", sagt DWD-Sprecher Uwe Kirsche. "Aber wir brauchen zusätzlich Hintergrunddaten."

          435 automatisierte Wetterstationen

          Für Kachelmann hingegen sind die Wetterstationen der Garant für die Güte seiner Wetterprognosen. "Nur wenn ich lokal messe, kann ich auch lokal vorhersagen", lautet einer seiner Glaubenssätze. Den 182 Stationen des DWD, die die volle Palette meteorologischer Parameter von Sonnenscheindauer bis Windstärke registrieren und rund um die Uhr abgerufen werden können, setzt Kachelmann inzwischen 435 entsprechende automatisierte Wetterstationen entgegen. 700 weitere messen nur die Niederschläge, um bei Unwettern die Daten der Wetterradare mit dem Blickwinkel von unten auf die wandernden Wolken zu ergänzen.

          Doch die Freude über den Datenzuwachs ist verhalten. "Da ist natürlich auch Werbung dabei, wenn Sie ausgerechnet an so einen Ausnahmeort wie einen Kältepunkt eine Station stellen", sagt Thomas Dümmel von der Freien Universität Berlin, die ein eigenes Messnetz für die Hauptstadt betreibt. "Wenn wir eine Station aufstellen, dann achten wir in erster Linie darauf, dass ein Standort repräsentativ für ein größeres Gebiet ist - für die Innenstadt, für die Bereiche am Wasser oder die Vororte."

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