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Fragebogen an Covid-19-Opfer : „Ich fühle mich zu jung zum Sterben“

  • -Aktualisiert am

Nach meiner Rückkehr hatte ich noch keine Symptome, habe mich aber gleich testen lassen, weil eine Freundin bereits krank war. Mein Hausarzt hat auf dem Parkplatz vor seiner Praxis einen Abstrich gemacht. Am nächsten Tag um halb zwölf war das Ergebnis da, und nachmittags ging es von einer Minute auf die andere los. Als hätte mir jemand den Stecker gezogen. Bei mir saß das Virus im Kopf, ich hatte unglaubliche Kopfschmerzen, Sehstörungen und habe nichts mehr geschmeckt außer rote Paprika. Ich hatte auch starke Kreislaufprobleme, aber nur etwas Fieber und Husten. Laut Gesundheitsamt hatte ich einen milden Verlauf, aber ich war in meinem ganzen Leben noch nie so krank.

Anja Rießle
Anja Rießle : Bild: Privat

3. Wie lange haben Sie gebraucht, um wieder gesund zu werden, und verspüren Sie heute noch Langzeitfolgen?

Die ersten beiden Wochen habe ich fast nur gelegen, insgesamt war ich drei Wochen krankgeschrieben. Ich bin aber noch nicht wieder die Alte. Meine Leistungsfähigkeit, gerade beim Sport, hat gelitten. Früher habe ich beim Mountainbiken locker mit der Männergruppe im Verein mitgehalten, das Tempo hätte ich diesen Sommer einfach nicht geschafft. An manchen Tagen habe ich auch noch Probleme mit meinem Geschmackssinn.

4. Wie empfinden Sie die ergriffenen Anti-Corona-Maßnahmen in Deutschland?

Bis auf das Beherbergungsverbot finde ich, dass die Regierung bisher gut reagiert hat und bin mit den Maßnahmen vollkommen einverstanden. Ich möchte mir nicht vorstellen, was geschehen wäre, wenn keine Maßnahmen ergriffen worden wären. Das Virus ist hochansteckend. Vier von uns sechs sind krank geworden, und wir haben fast alle unsere Männer angesteckt, obwohl alle vorsichtig waren. Es nagt bis heute an mir, dass ich meinen Mann gefährdet habe.

Bernadette Irmer, 75 Jahre

1. Wissen Sie, wo Sie sich angesteckt haben?

Ich habe eine Vermutung: Mitte Februar habe ich eine Knieprothese bekommen und war danach für drei Wochen in der Rehaklinik, wo auch einige Französinnen aus dem Elsass arbeiteten. Zu diesem Zeitpunkt war das Virus dort ja schon deutlich weiter verbreitet. Es muss in der Rehaklinik gewesen sein, denn danach hatte ich zu fast niemandem Kontakt.

Bernadette Irmer
Bernadette Irmer : Bild: Privat

2. Wie hat sich Covid-19 bei Ihnen manifestiert, welche Symptome hatten Sie?

Ich fing an zu husten und dachte an eine Erkältung. Etwas Fieber hatte ich auch. Wirklich schlimm war die Übelkeit in der ersten Woche, ich hatte überhaupt keinen Appetit und konnte kaum etwas essen, so habe ich das noch nie erlebt. An Corona dachte eigentlich niemand. Erst als ich nach ein paar Tagen so erschöpft war, dass ich Mühe hatte, meine Arme zu heben, um mein Haar hochzustecken, waren meine Töchter alarmiert und veranlassten einen PCR-Test. Zum Erstaunen meines Hausarztes war er positiv, damals war das ja noch ein seltenes Ergebnis. Später habe ich noch einen Antikörpertest machen lassen, und der war auch positiv.

3. Wie lange haben Sie gebraucht, um wieder gesund zu werden, und verspüren Sie heute noch Langzeitfolgen?

Das Schlimmste war nach zwei Wochen überstanden. Allerdings habe ich mich noch wochenlang müde gefühlt und war wenig unternehmungslustig. Heute bin ich aber wieder fit.

4. Wie empfinden Sie die ergriffenen Anti-Corona-Maßnahmen in Deutschland?

Ich finde, die deutsche Regierung reagiert mit Augenmaß. Ich verfolge die Situation ja auch in Frankreich, und was mich wundert, ist, dass es in Deutschland mehr Widerstand zu geben scheint, obwohl die Maßnahmen hier, verglichen mit Frankreich, lange nicht so streng waren und immer noch nicht sind. Im Namen der Freiheit kann man auch viel Unsinn reden. Ich verstehe diese Leute nicht, eine Maske zu tragen ist doch wirklich nicht zu viel verlangt, dafür, dass man Menschen vor diesem Virus schützt. Ich bin zwar schon 75, aber ich fühle mich noch zu jung zum Sterben und habe noch viel vor! (lacht).

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