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Fragebogen an Covid-19-Opfer : „Ich fühle mich zu jung zum Sterben“

  • -Aktualisiert am

Dr. Manfred Harms, 58 Jahre

1. Wissen Sie, wo Sie sich angesteckt haben?

Trotz aller Schutzmaßnahmen habe ich mich im Krankenhaus an einem Patienten mit Covid-Verdacht angesteckt. Er hatte einen Wirbelkörperbruch, der behandelt werden musste. Schutzmaterial war damals ja in ganz Deutschland knapp, und FFP2-Masken standen nicht zur Verfügung.

2. Wie hat sich Covid-19 bei Ihnen manifestiert, welche Symptome hatten Sie?

Ich habe Fieber und Gliederschmerzen bekommen. Ich habe mich am nächsten Tag direkt testen lassen und war positiv. Die Rückenschmerzen waren schlimm, ich habe gedacht, so muss es sich anfühlen, wenn man Knochenmetastasen hat. Um von der Couch aufzustehen, brauchte ich fünf Minuten. Meine Frau hat sich bei mir angesteckt und konnte sich auch kaum bewegen, weswegen wir unseren Hund für die Zeit weggeben mussten.

Dr. med. Manfred Harms, Oberarzt Helios Rosmann Klinik Breisach
Dr. med. Manfred Harms, Oberarzt Helios Rosmann Klinik Breisach : Bild: Privat

Ich habe gehofft, dass ich das zu Hause durchhalte, aber ich habe dann schlecht Luft bekommen. Subjektiv habe ich meinen Zustand gar nicht so schlecht eingeschätzt, aber das Lungen-CT zeigte die typischen Infiltrate, und ich hatte eine schlechte Sauerstoffsättigung. Außerdem habe ich Herzrhythmusstörungen bekommen, das hat mich eine Zeitlang doch beunruhigt, aber es hat sich zum Glück wieder normalisiert. Ich bin dann in die Klinik gekommen, wurde aber nicht beatmet.

3. Wie lange haben Sie gebraucht, um wieder gesund zu werden, und verspüren Sie heute noch Langzeitfolgen?

Insgesamt war ich sieben Wochen außer Gefecht gesetzt. Heute bin ich aber wieder voll leistungsfähig und habe keine Langzeitfolgen.

4. Wie empfinden Sie die ergriffenen Anti-Corona-Maßnahmen in Deutschland?

Die Maßnahmen sind total wichtig, und die Abstandsregeln müssen unbedingt konsequent eingehalten werden, um weitere Übertragungen zu verhindern. Aber man muss Sorge haben, dass die Menschen das Virus immer noch nicht ernst genug nehmen. Ich dachte auch, dass ich gesund und sportlich bin, und mich hat es doch ziemlich übel erwischt. Der entscheidende Punkt ist die Intensivbettenkapazität, und die könnte eng werden. Hinzu kommt, dass das medizinische Personal in der ersten heißen Phase durchgearbeitet hat und nun wohl bald schon wieder massiv gefordert sein wird. Wenn wir etwas aus Corona lernen können, dann, dass ein gut aufgestelltes Gesundheitssystem wertvoll ist und wir nicht, wie geplant, die Anzahl der Intensivbetten und kleineren Krankenhäuser reduzieren sollten.

Anja Rießle, 51 Jahre

1. Wissen Sie, wo Sie sich angesteckt haben?

Ich habe mich in Ischgl angesteckt, wo ich mit Freundinnen Ski fahren war. Kurz nach unserer Ankunft wurde bekannt, dass das Virus im Ort verbreitet wird. Uns war dann schon ein bisschen mulmig, aber wir waren abends trotzdem unterwegs, alle Bars waren ja noch offen, und die Gefahr war irgendwie nicht real.

2. Wie hat sich Covid-19 bei Ihnen manifestiert, welche Symptome hatten Sie?

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