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Zukunftslabor Lindau : Bill Gates: "Forscht für die Armen"

  • Aktualisiert am

Bild: Frank Röth

Microsoft-Gründer Bill Gates ist einer der reichsten Männer der Welt. Im Interview mit der F.A.Z. spricht er über Impfungen, das Ziel globaler Gesundheit und die Rolle seiner mächtigen Stiftung.

          4 Min.

          Sie sind mit Ihrer Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung zu einem der einflussreichsten Mitspieler geworden, wenn es um Global Health, um die Förderung der Gesundheit insbesondere in den Ländern der Dritten Welt geht. Was erwarten Sie von Elite-Studenten in dieser Hinsicht, welche Botschaft bringen Sie mit nach Lindau?

          Das Wichtigste ist, dass die jungen Leute erkennen, welches Potential in Innovationen steckt, vor allem zum Nutzen der Ärmsten. Ich denke dabei vor allem an Impfstoffe, neues Saatgut und die Versorgung mit neuen Medikamenten. Ich finde, der Nachwuchs sollte sich die Frage stellen, wo genau wegweisende Innovationen wirklich fehlen. Ich denke da beispielsweise an Malaria. Die ist in den reichen Ländern eliminiert, gleichzeitig haben die Ärmsten eine extrem schwache Stimme auf dem Markt. Es sterben aber gut eine Million Kinder in den armen Ländern an Malaria.

          Ihre jüngste Kampagne galt der Verbreitung und Entwicklung von Impfstoffen. Tun die reichen Länder inzwischen genug, Impfstoffe bereitzustellen?

          Absolut nicht. Als wir in die Malaria-Impfstoff-Forschung mit einer 50-Millionen-Dollar-Spende eingestiegen sind, bedeutete das eine Verdoppelung der Mittel auf einen Schlag. Es hat in den vergangenen zehn Jahren einen gewaltigen Umschwung gegeben, es wird inzwischen deutlich mehr getan. Die Botschaft lautet heute: Lasst uns Hilfe wirklich und konkret messbar machen. Es werden nicht mehr nur einfach Hilfsgelder verteilt. Dennoch Wandel, aber wir sind noch lange nicht da, wo ich die reichen Ländern gern sehen würde.

          Sie haben selbst inzwischen einen ansehnlichen wissenschaftlichen Stab und tiefe Einblicke in die Forschungsszene. Wie schätzen Sie den Fortschritt bei der Entwicklung neuer Impfstoffe ein?

          ANTWORT: Der Maßstab für mich ist die Zahl der Kinder, die an den fünf großen Killerkrankheiten sterben müssen. In den sechziger Jahren starben daran 20 Millionen Kinder jedes Jahr, 2010 waren wir bei unter neun Millionen. Und zwar hauptsächlich dank der Impfstoffe. Pocken sind in den sechziger Jahren noch zwei Millionen zum Opfer gefallen, 2010 waren wir bei null. Masern forderte zwei Millionen Opfer, heute sind wir bei 300 000. Und die neuen Vakzinen, die wir vor zwei Wochen in der globalen Impfstoff-Initiative GAVI vorgestellt haben, werden helfen, allein in Afrika viele weitere Millionen Tote zu verhindern. Das sind die drei Vakzinen gegen den Meningitis-Erreger, Rotavirus und Pneumococcus. Polio könnten wir in zwei bis vier Jahren besiegen.

          Polio - Kinderlähmung - ist nicht gerade die größte Erfolgsgeschichte. Sie sollte nach Aussagen der offiziellen Gesundheitsbehörden eigentlich schon seit vielen Jahren eliminiert sein.

          Ich habe mir lange den Kopf darüber zerbrochen. Es stimmt, die Leute, auch viele Spender, sind müde geworden. Wir haben 1988 begonnen, den ersten Impfstoff zu verteilen. Damals hat die Virusinfektion jährlich zu 300000 Lähmungen bei Kindern geführt. 2002 waren wir schon bei 3000 Fällen. Da stehen wir heute noch in etwa. Dieses letzte eine Prozent auszurotten erweist sich als extrem schwierig. Nigeria, Pakistan sind sehr schwierig. Auch Indien war lange ein Problem, dort hat man es aber mit intensiveren Kampagnen auch von Regierungsseite aus bekämpft. Wir hatten in Indien, speziell im Norden, vor ein paar Jahren noch Tausende Poliofälle, dieses Jahr gibt es bisher nur einen einzigen Fall.

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