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Zahngesundheit : Der große Zahnfeind Karies geht - ein anderer kommt

  • -Aktualisiert am

Hoffentlich keine Zahnruinen Bild: dpa

Wider die Versauerung des Mundraums: Zahnmediziner beklagen die Erosionen des Gebisses. Es sind Säuren, - Magensäure und Lebensmittelsäuren - die den Verfall verursachen. Fluorid hilft.

          Was die Gesundheit der Zähne angeht, stehen wir hierzulande offenbar wieder an einem historischen Wendepunkt. Während man auf der einen Seite Erfolge im modernen Kampf gegen Karies feiern darf, muß man sich auf der anderen Seite um einen neuen Feind sorgen: Die schleichende Erosion des Zahnmassivs.

          Forscher der Universitätszahnkliniken in Heidelberg und Montpellier haben unlängst eine für die historische Beurteilung entscheidende Ausgrabungsstudie ausgewertet. Untersucht wurden Schädelfunde im Südosten Frankreichs: Überreste von Menschen, die bis zu zweitausend Jahre vor Christi Geburt gelebt haben, ebenso wie Schädel aus antiken, früh- und spätmittelalterlichen Grabstätten. Die Zahnbefunde wurden mit heutigem Kariesbefall verglichen. Fazit: Bei Kindern und Jugendlichen hat die Zahnfäule seit prähistorischen Zeiten stetig zugenommen. Erst seit wenigen Jahren kehrt sich die Entwicklung um.

          Rückläufige Zahlen

          Auf dem weltweit größten Karieskongreß, der jüngst in Marburg stattfand, ist diese erfreuliche Entwicklung mit zahlreichen empirischen Daten belegt worden. Klaus Pieper, der an der Universitätsklinik Marburg die Kinderzahnheilkunde leitet und den Kongreß ausrichtete, konnte den günstigen Befund auch für Deutschland bestätigen. Er präsentierte die Ergebnisse einer in vierzehn Bundesländern vorgenommenen und damit der größten deutschen Untersuchung zum Kariesvorkommen überhaupt.

          Bei den sechs- bis siebenjährigen Kindern in Thüringen ging der Kariesbefall allein von 1994 an bis zum Jahr 2000 beispielsweise um 36 Prozent zurück. Bei den Neunjährigen wurde in Rheinland-Pfalz sogar ein Rückgang von zwei Dritteln erreicht und bei den Zwölfjährigen in Baden-Württemberg waren es 57 Prozent. In allen deutschen Bundesländern ist der Kariesgrenzwert der Weltgesundheitsorganisation für Zwölfjährige unterschritten.

          Das ist auf vermehrtes Aufklären und Üben in Kindergärten und Schulen, aber auch auf mehr regelmäßige Zahnpflege zu Hause zurückzuführen. Die Behandlung mit Fluoridlack hilft vor allem dann, wenn die individuelle Pflege vernachlässigt wird. Zu bemängeln bleibt nach Ansicht der Ärzte indes, daß vielerorts noch immer mehr als die Hälfte aller Löcher in Milchzähnen vom Zahnarzt nicht ausreichend versorgt wurde.

          Erosionen

          Was Karies angeht, ist man offenbar auf dem richtigen Weg, kann aber auch - Erfahrungen in der Schweiz und in Dänemark lehren das - in den Bemühungen nicht nachlassen. Eine andere Art der Zahndestruktion rückt indes langsam ins Blickfeld der Zahnmediziner. Es handelt sich um Erosionen, die nicht wie Karies zu Löchern und Unterminierungen führen, sondern den Zahn großflächig von außen abtragen - ähnlich wie ein Berg langsam von Wind und Wetter erodiert wird.

          Sind es bei der Karies die Bakterien unter den Belägen ungeputzter Zähne, die dort Zucker in Säuren verwandeln und auf diese Weise den Zahn immer mehr aushöhlen, entstehen Erosionen durch direkten Kontakt mit Säuren an sauberen Zähnen ohne jegliche Keimeinwirkung. Erosionen, die bereits den Schmelz abgetragen und das Zahnbein, Dentin, freigelegt haben, zerstören den Zahn ohne Behandlung schließlich vollkommen.

          Magensäure besonders erosionsfördernd

          Als kritisch gilt ein Säurewert von pH-4,5 bis pH-4. Deshalb wirkt die noch viel saurere, aggressive Magensäure besonders erosionsfördernd. Das ist bei Patienten der Fall, die an Sodbrennen leiden oder bei denen der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre nicht richtig abdichtet. Rebecca Moazzez von der Zahnklinik im St. Thomas Hospital in London berichtete von Patienten mit Achalasie, bei denen die gesamte Speiseröhre schlaff ist und immer wieder Speisen in den Mund gelangen. Ihre Beobachtungen lassen vermuten, daß auch Milchsäure aus der Speiseröhre zur Erosion der Zähne beiträgt.

          Besonders rasch aber verfallen die Zähne jener Patienten, die häufig erbrechen, wie zum Beispiel Bulimiekranke. Da bei ihnen der destruktive Prozeß oft schon weit fortgeschritten ist, wird meist zur Überkronung der Zähne geraten. An der Universitätszahnklinik in Gießen hat man indes beobachtet, daß auch bei tiefgehenden Erosionen weitere Verluste noch mit intensiver Fluoridbehandlung aufzuhalten sind.

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