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Wissenschaftsevaluation : Die Bestseller in deutschen Kliniken

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Wie der h-Index berechnet wird: Hier ein Beispiel für h=20 Bild: Library of the University of Auckland

Die klinische Forschung in Deutschland kann auf beachtliche Erfolge im internationalen Wettbewerb verweisen. Messen kann man sie mit einem Index, der die Zitierung von Publikationen auswertet. Die Zahlen zeigen allerdings auch, dass es für das Spitzenfeld selten reicht.

          Die klinische Forschung in der Bundesrepublik hat - international gesehen - noch immer keinen besonders guten Ruf. Sie gilt weithin als provinziell. Heftiger Widerspruch gegen diese Einschätzung kommt vor allem von jenen Forschern, die sich dadurch diskriminiert fühlen: den wenigen Spitzenforschern, die es auf diesem Gebiet zweifellos gibt. Dass deren Klagen durchaus berechtigt sind, belegen zwei Studien, die in diesem April und im Oktober vergangenen Jahres in Deutschland erschienen sind. Darin belegen Psychiater, Neurowissenschaftler und Allgemeinchirurgen, dass es auf diesen Gebieten mehrere international führende Forschergruppen gibt. Zu den Medizinern, die in ihren Fächern die Ranglisten anführen, gehören Helmut Friess und Markus W. Büchler (Heidelberg) in der Pankreaschirurgie, Volker Schumpelick (Aachen) bei den Hernien, Peter Neuhaus (Berlin) für die Leber- und Nierentransplantation sowie Henning Dralle (Halle) für die Schilddrüsenchirurgie.

          Zu den erfolgreichsten allgemeinen chirurgischen Zentren zählen die Universität Heidelberg, die Universität und die Technische Universität München, die Medizinische Hochschule Hannover und die Universität Erlangen. In der Psychiatrie und den Neurowissenschaften sind Heidelberg/Mannheim, München, Würzburg, Münster und Tübingen unter den Kliniken, die es immer wieder in die oberen Ränge schaffen. Beachtlich vor allem die Vertigo-Forschung in München, die Epileptologie in Bonn und die Schlaganfallforschung in Heidelberg. Teilweise werden die besser ausgestatteten amerikanischen Hochschulen - darunter sogar Harvard - bei den Forschungsleistungen von deutschen Kliniken übertroffen.

          Der h-Index

          Erstaunlich ist allerdings, wie selten Großforschungseinrichtungen in den internationalen Bestsellerlisten zu finden sind. So schafft es den Literaturanalysen zufolge das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg bei den Themen Krebs, Brustkrebs oder Strahlentherapie noch, unter die ersten 50 Topeinrichtungen zu kommen, aber nicht in die Spitzengruppe der zehn besten. Nur wenige Institute der Max-Planck-Gesellschaft erreichen, auf übergeordnete Themen bezogen, die Top 50. "Auch deren Präsenz in den großen Journalen ist nicht so herausragend, wie man es bei der immer hochlobenden Einstellung zur Grundlagenforschung in Deutschland annehmen könnte. Auch da machen es einige Kliniken besser", urteilen der Heidelberger Schlaganfallforscher Werner Hacke und seine Kollegen Hans-Christoph Diener (Essen), Hans Peter Hartung (Düsseldorf), Christian Elger (Bonn) und Thomas Brandt (München) in einem Beitrag im "Nervenarzt" (10/2009, S. 1226).

          Es ist das Verdienst von Hacke, sich intensiv mit der "Messung von Publikationsleistungen" beschäftigt zu haben. Er stützt sich überwiegend auf den sogenannten h-Index, den der Amerikaner Jorge E. Hirsch vom Department of Physics der University of California in San Diego im Jahr 2005 eingeführt hat ("Proceedings of the National Academy of Sciences", Bd. 102, S. 16569). Der h-Index ist ebenso wie weitere wichtige Angaben zum Publikationsverhalten einzelner Wissenschaftler und ganzer Institutionen vom "Institute for Scientific Information" (ISI) zu erhalten. Für die Analyse der Leistungsfähigkeit deutscher Allgemeinchirurgen hat sich die Gruppe um Büchler ebenfalls vor allem auf den h-Index gestützt ("Der Chirurg", 4/2010, S. 365).

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