https://www.faz.net/-gwz-10p0q

Wiederverwendete Medizinprodukte : Ein zweites Leben für den Herzkatheter

  • -Aktualisiert am

Wie sicher sind wiederverwendete Medizinprodukte? Bild: picture-alliance / dpa

Medizinprodukte, die vom Hersteller für den einmaligen Gebrauch vorgesehen sind, werden oft wiederverwertet. Anfang dieses Jahres sind Rahmenbedingungen für eine einheitliche Vorgehensweise bei der Aufbereitung beschlossen worden. Wie sicher sind sie?

          Neuer Patient, neuer Katheter - was aus hygienischen Gründen zwingend erscheint, ist in Deutschland nicht gängige Praxis. Viele Kliniken lassen medizinische Einmalprodukte wie Herzkatheter, Ultraschallscheren oder chirurgisches Besteck aus Kostengründen aufbereiten und verwenden sie wieder. Anders als in England oder Frankreich ist die Aufbereitung von Einwegartikeln in der Bundesrepublik nicht ausdrücklich verboten.

          Daran soll auch bei der anstehenden Novellierung des Medizinproduktegesetzes nichts geändert werden, wobei zu den Medizinprodukten alle medizinisch-technischen Gerätschaften zählen, die keine pharmakologische Wirkung haben und auch nicht den Stoffwechsel und das Immunsystem beeinflussen. Der im Frühjahr vom Bundesministerium für Gesundheit vorgelegte Erfahrungsbericht hält eine grundlegende Korrektur der Regelungen weder für sachdienlich noch für geboten. Bei der Novellierung soll es lediglich um Klarstellungen gehen. Die Koalition berät derzeit darüber.

          Einheitliche Rahmenbedingungen

          In den Bericht des Bundesgesundheitsministeriums sind 79 Stellungnahmen etwa von Behörden und Interessenvertretungen eingeflossen. Aus Sicht der Befragten sollte zum Beispiel genauer festgelegt werden, wie kritische Medizinprodukte, zu denen auch die meisten Einmalartikel gehören, aufzubereiten sind. Den niedergelassenen Ärzten sind die einschlägigen Regelungen und Empfehlungen weitaus weniger gut bekannt als den Kliniken. Es muss offensichtlich auch das Bewusstsein dafür geschärft werden, dass der Schutz des Patienten nur dann sichergestellt ist, wenn die Gegenstände ordnungsgemäß aufbereitet werden.

          Die Überwachung obliegt in der Bundesrepublik den Ländern. Es hat in der Vergangenheit offensichtlich unterschiedliche Auffassungen darüber gegeben, wie ein aufzubereitendes Medizinprodukt einzustufen ist, welche Verfahren sicher sind, in welchen zeitlichen Abständen überwacht werden soll oder welche Anforderungen an die Ausbildung des beteiligten Personals zu stellen sind. Anfang dieses Jahres sind von der Arbeitsgruppe Medizinprodukte - einem Gremium der Gesundheits- und Arbeitsministerkonferenz - Rahmenbedingungen für eine einheitliche Vorgehensweise bei der Aufbereitung beschlossen worden (www.dimdi.de/static/de/mpg/recht/index.htm).

          Skandalöse Aufdeckungen

          Im Bericht des Bundesgesundheitsministeriums wird eingeräumt, dass es keine verlässlichen Daten zur Qualität der aufbereiteten Medizinprodukte gibt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte soll nun solche Daten erheben. Bei den in der Vergangenheit zumeist von Medien in Auftrag gegebenen Stichproben sind immer wieder skandalöse Zustände aufgedeckt worden. Hans Haindl, öffentlich bestellter Sachverständiger für Medizinprodukte aus Wenningen, berichtete im vergangenen Jahr, dass er bei einer von einem Fernsehsender in Auftrag gegebenen Begutachtung kein einziges wiederaufbereitetes Einmalprodukt gefunden habe, das auch nur annähernd auf dem Qualitätsniveau eines Neuproduktes gewesen sei.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trumps Grönland-Idee : Eiskalte Interessen

          Manche Republikaner unterstützen die Idee von Donald Trump, Grönland zu kaufen. Schließlich könnte man so den Einfluss von China und Russland begrenzen – und riesige Rohstoffvorkommen ausbeuten.
          Sommerurlaub verwehrt: Wenn man eine Reise stornieren möchte, kann es auf Internetplattformen Probleme geben.

          Probleme mit Buchungsplattform : Kein Geld zurück

          Plattformen wie Booking.com & Co. nehmen dem Urlauber viel Arbeit ab. Schwierig kann es werden, wenn eine Übernachtung storniert werden soll. Ein Erfahrungsbericht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.