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Völlige Entspannung : Seelenmassage mit Yoga

  • -Aktualisiert am

Yoga: Heilsam für Körper und Geist. Bild: AP

Ob Krähe, Krieger oder Kobra - die erste deutsche Metastudie zeigt, dass die Leibesübungen bei vielen psychischen Leiden helfen - und zwar umso besser, je intensiver geübt wird.

          3 Min.

          Yoga zählt zu den fünf beliebtesten Sportarten in Deutschland. Laut einer Umfrage des Berufsverbandes der Yogalehrenden in Deutschland interessieren sich 16 Millionen Menschen im Prinzip dafür, je nach Schätzung praktizieren es immerhin zweieinhalb bis drei Millionen hierzulande regelmäßig in irgendeiner Form. Offenbar mit Gewinn, denn vor allem die körperorientierten Übungen tun gut - und eben nicht nur dem Körper, auch dem Geist. Dies ist das Ergebnis einer Analyse von insgesamt 25 Studien mit 1339 Patienten aus dem Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena.

          Es zeigte sich, dass Yoga einzelne Symptome von psychischen Störungen ähnlich zu bessern vermag wie eine psychotherapeutische Standardbehandlung, wenn beides zusätzlich zu einer medikamentösen Therapie angewendet wird. Untersucht wurde dies bei Patienten mit psychiatrischen Diagnosen wie Depression, Schizophrenie, Angststörung, Schlaflosigkeit, Essstörungen, Posttraumatische Belastungsstörung oder Alkoholabhängigkeit. Die Autoren der Studie betonen zudem im „Deutschen Ärzteblatt“, dass sich einigen Studien zufolge für die Kombination aus Yoga und Psychotherapie, beispielsweise einer kognitiven Verhaltenstherapie, sogar ein Mehrwert ergibt, der über die bloße Addition der positiven Behandlungseffekte hinausgeht.

          Es gibt messbare Effekte

          Es handelt sich um die erste in deutscher Sprache veröffentlichte Metaanalyse über die Wirksamkeit von Yoga bei psychischen Störungen. Damit bestätigen die Autoren andere Studien, denen zufolge körperliche Aktivität und Sport auf eine Vielzahl von psychischen Störungen eine günstige Wirkung haben ). Allerdings sind die Behandlungserfolge nicht so durchschlagend, wie sich das manche Sportbegeisterte wünschen mögen, das gilt auch für Yoga. Denn obwohl das Team um Erstautorin Rahel Klatte die Ergebnisse insgesamt „vielversprechend“ nennt, ist auch hier Vorsicht vor allzu unkritischem Enthusiasmus geboten.

          Schon allein die Tatsache, dass aus insgesamt 2644 angezeigten wissenschaftlichen Untersuchungen nur 25 den Kriterien für aussagekräftige Studien standhielten, zeigt, dass ein Vielfaches an völlig unbrauchbaren Studien zum Thema existiert, die unberechtigt Hoffnung auf einen Nutzen nähren, würde man sie denn gelten lassen. Es ist nach wie vor schwierig, methodisch verlässliche Aussagen zur Wirkung von Yoga zu machen. Dabei spielt auch der Zeitraum für die Veröffentlichung eine Rolle, wie aus der Jenaer Analyse hervorgeht: Frühere Studien waren weniger rigoros und „belegten“ sogar überschwänglich die Effekte von Yoga, je genauer man jedoch vor allem in den letzten Jahren prüfte, desto bescheidener wurden die Aussagen. Dennoch, die Wirksamkeit ist messbar.

          Die Doktorandin Lisza Gaiswinkler und der Psychologe Human-Friedrich Unterrainer von der Medizinischen Universität Graz halten es für entscheidend, auch die Motivation der Studienteilnehmer zu berücksichtigen. Sie können dies anhand einer Internetbefragung von 455 Yoga-Praktizierenden belegen, deren Ergebnisse im Detail demnächst in der Zeitschrift „Complementary Therapies in Medicine“ veröffentlicht werden. Unterrainer beschreibt im Gespräch die Abhängigkeit von Motivation und Wirkung wie folgt: „Es zeigte sich ganz klar, dass der positive Aspekt auf die mentale Gesundheit umso stärker ausgeprägt ist, je mehr sich diejenigen, die Yoga praktizieren, quasi innerlich mit der Sache identifizieren und auch in der gesamten Yoga-Ideologie aufgehen.“

          Der Grazer Studie liegt die - vielfach im Rahmen anderer Studien untersuchte - Annahme zugrunde, wonach die Wirkung von Konzepten oder Haltungen im Falle einer „intrinsischen“ Motivation am stärksten ist. „Wir wissen, dass etwa auch Spiritualität oder Religiosität dann am ehesten die psychische Gesundheit stabilisieren und vor psychischen Erkrankungen schützen, wenn das entsprechende Konstrukt zentral in der Persönlichkeit verankert ist“, erklärt der Experte. „Also haben wir vermutet, dass diejenigen, die Yoga nur deswegen betreiben, weil es modisch oder angesagt ist, eher einen geringeren Nutzen haben werden.“ Was sich in der Grazer Studie auch bewahrheitet hat.

          Anspannung und Entspannung in heilsamen Wechsel

          Das heißt nicht, dass eine eher oberflächliche Yoga-Praxis keine Vorteile hätte: „Wir konnten zeigen, dass Yoga dann ähnlich effektiv ist wie einfache gymnastische Übungen, die ja ohne einen geistigen Überbau auskommen“, erklärt Unterrainer. Ob womöglich ganz bestimmte psychiatrische Erkrankungen eher als andere von solch einer intensiven Yoga-Praxis profitieren könnten, ist allerdings bisher nicht untersucht worden.

          Im europäischen Raum ist vor allem das Hatha-Yoga verbreitet. Es handelt sich um eine körperorientierte Praxis, in der genau definierte Haltungsmuster, sogenannte Asanas, eingeübt werden. Je nach Schwierigkeitsgrad werden dabei Muskeln, Gelenke und Bindegewebe gestärkt und gedehnt. Begleitend leitet der Yoga-Lehrer zum richtigen Atmen (Pranayama) während der körperlichen Anspannung an, die Übungsstunden beginnen und enden in der Regel mit zusätzlichen Meditationsübungen (Dhyana) zur Entspannung.

          So heterogen Yoga je nach Lehrer und Vorliebe der Gruppe praktiziert wird - bei der weiten Verbreitung handelt es sich um ein für so gut wie jeden zugängliches, niederschwelliges Angebot, das außerdem noch sehr preisgünstig ist, heißt es im „Ärzteblatt“. Zudem ließen sich Yoga-Übungen gut im Alltag praktizieren und könnten daher auch vorbeugend zur Rückfallprophylaxe taugen. Auch Unterrainer betont, dass Yoga in künftigen Studien unter dem Aspekt der günstigen Kosten-Nutzen-Relation betrachtet werden sollte.

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