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Covid-19-Pandemie : Wie wirksam sind Reisebeschränkungen?

Allein auf weitere Flur am Frankfurter Flughafen: Wie sehr begünstigt das Reisen die Ausbreitung des Coronavirus? Bild: dpa

Die Verbreitung des Coronavirus durch Reisende hat maßgeblich den Verlauf der Pandemie bestimmt. Aber ist Verzicht dauerhaft notwendig? Wissenschaftliche Studien versuchen, aus der bisherigen Ausbreitung von Covid-19 zu lernen.

          6 Min.

          Die Zeiten, in denen vor allem Zeit und Geld die maßgeblichen Randbedingungen für die Planung einer Urlaubsreise waren, scheint uns lange her. Die Möglichkeit uneingeschränkter Besuche fremder Länder liegt derzeit in weiter Ferne. Das ist auf den ersten Blick einleuchtend, denn um die Verbreitung der Pandemie einzudämmen, ist es nützlich, die Bewegung potentiell Infizierter möglichst einzuschränken. So lange die Länder auf nationaler Ebene versuchen, die Pandemie in den Griff zu bekommen, hilft es schließlich nicht, wenn gleichzeitig neue Infektionsfälle von außen importiert werden. Ob diese Überlegung aber wirklich zutreffend ist, ob die Reisebeschränkungen also notwendig oder im Gegenteil vielleicht doch im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen verzichtbar sind, ist auf der Grundlage der bisherigen Erfahrungen nicht leicht zu beantworten. Die Entwicklung der Fallzahlen verdankt sich schließlich der gemeinsamen Wirkung einer Vielzahl von in ihrem Einfluss nur schwer zu separierenden Faktoren.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wer trotzdem zu verstehen versucht, wie einzelne eingesetzte Maßnahmen gewirkt haben, und was das für unseren künftigen Umgang mit der Pandemie heißt, der muss wissenschaftliche Modelle zurate ziehen. In diesen Modellen, die den Verlauf der weltweiten Ausbreitung einer ansteckenden Krankheit simulieren, können Maßnahmen beliebig ein- und ausgeschaltet werden, resultierende Szenarien können dann untereinander und mit vorliegenden Daten verglichen werden.

          Für die Frage nach der Wirksamkeit von Reisebeschränkungen hat das eine Forschergruppe um Neil Ferguson vom Imperial College in London schon lange vor dem Auftreten des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 gemacht. 2007 simulierten sie die Verbreitung einer Pandemie in den Vereinigten Staaten und Großbritannien und berücksichtigten dabei auch Einschränkungen der Reisemöglichkeiten: einerseits in Form von Grenzkontrollen, die in der Lage sein sollen, mehr als 90 Prozent der Infizierten von einer Einreise abzuhalten, andererseits als Einschränkungen der Bewegungsfreiheit innerhalb der Länder. Ihr Ergebnis: Der Zeitpunkt des Beginns der Maßnahmen ist entscheidend. Effiziente Grenzkontrollen können am Anfang der Pandemie, wenn es noch wenige Fälle im Land gibt, das Fortschreiten der Krankheit um einige Wochen verzögern. Zusammen mit einer solchen Einreise-Kontrolle können dann nationale Reisebeschränkungen eine weitere Verlangsamung der Ausbreitung der Infektionen erreichen. Dem Modell zufolge können so bis zu zwei Monate an Zeit gewonnen werden.

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          Einreisekontrollen, das weiß man mittlerweile, helfen im Fall von Covid-19 allerdings nicht beliebig weiter, da ein gewisser Anteil — bisherige Studien lieferten Werte von rund 20 Prozent — der Infektionen asymptomatisch verläuft und bei den übrigen Fällen zwischen Infektion und dem Auftreten erster Symptome typischerweise 5 bis 6 Tage liegen. Britische Forscher um Billy Quilty waren bereits Ende Januar der Frage nachgegangen, mit welcher Effizienz vor diesem Hintergrund Reisende, die mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sind, anhand von Körpertemperatur-Checks an Flughäfen gefunden werden könnten. Fast die Hälfte der Infizierten Reisenden, genau 46 Prozent, würden ihrem Modell zufolge von solchen Kontrollen nicht identifiziert werden können.

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