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Neue Forschungsergebnisse : Speicheltests zur Corona-Eindämmung

Speichelprobe Bild: Picture-Alliance

Bislang wird auf Corona getestet, indem eine Probe der Nasen-Rachen-Schleimhäute genommen wird. Doch jetzt gibt es gute Argumente, dass auch Speicheltests verlässliche Ergebnisse liefern.

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          Die Suche nach Sars-CoV-2-Infizierten könnte wesentlich erleichtert werden, wenn sich durchsetzt, was amerikanische und australische Virologen jetzt versucht haben: Virennachweise aus Speichelproben. Bisher werden die Proben für den klassischen PCR-Test mit einem Spatel aus der Nasen-Rachen-Schleimhaut, also sehr weit hinten im Rachen genommen. Das ist erstens nicht trivial und zweitens nicht völlig schmerzfrei.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Immer wieder betonen Virologen bisher, dass es nicht ausreiche, lediglich an der Seite oder im Gaumendach eine Probe abzustreichen. Falsche Testung war in den ersten Wochen der Pandemie – und ist es wahrscheinlich inzwischen auf der ganzen Welt in vielen Kliniken und Praxen – eine potentielle Fehlerquelle. Zuverlässige Virentests sind aber die Voraussetzung, dass das von der Bundesregierung verfolgte Konzept der Eindämmung und des konsequenten Monitorings funktioniert. Dazu kommt, dass man die, die gezielt getestet werden sollen, nämlich Menschen mit den allerfrühesten Symptomen, rasch erfasst. Jede Hürde zum freiwilligen Test könnte zu unnötigen Verzögerungen führen. Und genau hier könnte der Speicheltest für zu Hause eine Rolle spielen.

          Auch andere Viren und Keime im Speichel

          Die ersten Reaktionen auf zwei neue Veröffentlichungen aus Yale und Melbourne lassen zumindest auf einen erheblichen Bedarf schließen. Anne Wyllie von der Yale School of Medicine und ihre Kollegen untersuchten den Speichel von Krankenhausmitarbeitern und verglichen ihn mit den üblichen Rachenabstrichen. In ihrer noch nicht wissenschaftlich begutachteten Veröffentlichung liefern sie gute Argumente für Speicheltests: Die Entdeckungsrate, die Sensitivität, sei sogar besser als bei Rachenabstrichen, wenn man die gesamte Dauer einer Infektion von den ersten Symptomen bis zum Ende der Infektiosität betrachtet. Das liegt auch daran, dass knapp vor Symptombeginn der Höhepunkt der Virusvermehrung und damit auch der Ansteckungsgefahr erreicht ist und dann abnimmt – es sind also extrem viele Virenpartikel im Nasen-Rachen-Raum und damit im Speichel zu finden. Kleine Speichelmengen sollen bereits genügen. Interessant auch: Die Entnahme und das Verpacken der Proben durch die Probanden zu Hause sei bei der Speichelentnahme viel zuverlässiger als mit dem Spatel im Rachen. (*Ergänzender Kommentar von Professor Brinkmann siehe unten)

          Eine Veröffentlichung australischer Forscher scheint die positive Einschätzung der Yale-Forscher zu bestätigen. Trotzdem sind andere Virologen nicht so leicht zu überzeugen. Am Robert-Koch-Institut kennt man solche Testvarianten aus früheren Sars-Zeiten, sagt eine Sprecherin, „aber es muss sich erst noch zeigen, ob die Sensitivität wirklich durchgängig und bei größeren Untersuchungen besser ist.“ Der Grund: Im Speichel sind oft noch andere Keime, auch Viren und zu bestimmten Zeiten sogar andere Coronaviren. Diese könnten die zielsichere Suche nach den Erbgutschnipseln der Pandemie-Erreger zusätzlich erschweren.

          *Update 24. April: Die Braunschweiger Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung hält Speicheltests für„eine gute Alternative, wenn es keine Abstrichtupfer mehr gibt“. Doch ist sie kritisch hinsichtlich hinsichtlich der Speichel-Tests in der Yale-Studie: „Die Art des Saliva-Samplings ist extrem ungewöhnlich und für die diagnostische Praxis unbrauchbar: nur frühmorgens nüchtern nach dem Erwachen und dann 1/3 des Urinbechers voll.“ Tatsächlich stellte die Autorin des Papers auf Twitter klar: Ein Milliliter Speichel reiche völlig aus, man selbst habe pro Test 300 Mikroliter gesammelt. Was die Überlegenheit gegenüber Rachenabstrichen angeht, erklärt sich das die Braunschweiter Virologin mit möglichen Besonderheiten der Frühmorgenproben: „Es kann gut sein, dass sich frühmorgens noch Reste von Sputum [Anm.: der Auswurf aus den tieferen Atemwegen] im Rachenraum befinden. Das würde auch erklären, dass die Speichelprobe in dieser Studie als sensitiver beschrieben wird – im Sputum ist sehr viel Virus.“  

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