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Epidemiologie : Wie lässt sich Ebola stoppen?

  • -Aktualisiert am

Anfang Oktober wurde ein Ebolapatient aus Afrika eingeflogen und unter strengen Sicherheitsmaßnahmen in die Universitätsklinik Frankfurt gebracht. Bild: dpa

Die Zahl der Infektionen steigt exponentiell. Ohne Impfstoff sieht es düster aus.

          Mit wie vielen Infizierten ist noch zu rechnen?

          Nach jüngsten Angaben der WHO haben sich bis Mitte Oktober knapp zehntausend Menschen mit Ebola angesteckt, rund die Hälfte von ihnen ist gestorben. Allerdings sagt die Weltgesundheitsorganisation selbst, dass wegen der katastrophalen Lage in Liberia, Sierra Leone und Guinea nicht mehr alle tatsächlichen Fälle erfasst werden. Die aktuelle Zahl liegt wahrscheinlich deutlich höher.

          Trägt man in einem Zeitdiagramm die seit Anfang April gemeldeten Fälle ein, wird deutlich, dass sich die Seuche exponentiell ausbreitet. Die Geschwindigkeit, mit der sich das Virus vermehrt, wird durch seine Reproduktionsrate beschrieben. Eine Reproduktionsrate von 1 würde bedeuten, dass ein Erkrankter jeweils einen weiteren Menschen ansteckt und die Epidemie linear verläuft. Bei einer Reproduktionsrate unter 1 käme sie irgendwann zum Stillstand. Schon bei einer Reproduktionsrate von 2 würden sich sehr schnell extrem hohe Fallzahlen ergeben.

          Wissenschaftler der WHO haben vor kurzem Schätzungen vorgelegt, nach denen die Reproduktionsrate des Ebolavirus in Guinea bei 1.8 liegt, in Liberia bei 1.5 und in Sierra Leone bei 1.4. Das würde bedeuten, dass sich die Fallzahlen alle zwei bis vier Wochen verdoppeln. Falls es nicht gelingt, die Seuche einzudämmen, wäre bereits Anfang November mit zwanzigtausend Infizierten zu rechnen. Die amerikanische Seuchenbehörde CDC hält es für möglich, dass sich bis Ende Januar kommenden Jahres eine halbe Million Menschen anstecken werden.

          Extrapoliert man diese Zahlen, wäre in weniger als zwei Jahren die gesamte Menschheit betroffen. Das ist allerdings reine Theorie. Biologische Prozesse verlaufen in der Regel anders. Auf eine Anlaufphase mit wenigen Fällen folgt ein logarithmisches Wachstum, bei dem der Zuwachs proportional zum jeweiligen Bestand voranschreitet. Weil die Ressourcen aber stets begrenzt sind, folgt eine stationäre Phase mit Nullwachstum, die irgendwann in eine mehr oder weniger rasche Absterbephase übergeht. Die allermeisten Epidemien, die man bislang beobachtet hat, verliefen nach diesem Muster. Auch das Ebolavirus könnte so eines Tages ins Leere laufen.

          Wie lässt sich Ebola stoppen?

          Als im März die ersten Fälle aus Westafrika gemeldet wurden, hätte man die Seuche noch relativ einfach eindämmen können. Strikte Isolation der Kranken und ihrer Kontaktpersonen ist das wirksamste Mittel. So war es seit dem ersten Nachweis des Erregers im Jahre 1976 zunächst auch immer gelungen, ihn lokal im Schach zu halten. Durch rechtzeitige Quarantäne wurde bislang auch verhindert, dass sich Ebola über die drei aktuell heimgesuchten Länder hinaus in Afrika ausbreiten konnte. Insbesondere in Nigeria, wo im Juli ein infizierter Passagier auf dem Flughafen der Millionenmetropole Lagos zusammengebrochen war, führten energische Quarantänemaßnahmen dazu, dass am Ende nicht mehr als zwanzig Menschen infiziert wurden.

          Dort, wo die Epidemie am schlimmsten wütet, ist es nicht mehr möglich, alle Verdachtsfälle zu isolieren. Die WHO hat sich jetzt ein „Siebzig-Siebzig-Sechzig“-Ziel gesetzt: 70 Prozent der Erkrankten sollen so behandelt werden, dass sie niemanden anstecken können, 70 Prozent der Verstorbenen sollen unter hinreichenden Sicherheitsvorkehrungen beerdigt werden, die Kapazitäten dafür sollen innerhalb von sechzig Tagen zur Verfügung stehen.

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