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Krafttraining : Eine starke Nummer

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Es geht nicht nur um die Muskeln

In der Fachliteratur ist die Rede davon, Krafttraining könne nicht nur die Muskulatur, sondern auch Knochen, die Kapseln, Bänder, Sehnen, Knorpel, das Herz-Kreislauf- und das Nervensystem, den Stoffwechsel und die Hormonsituation positiv beeinflussen. Das ist allerhand. Doch was will ich ganz persönlich mit dem Training erreichen? „Jeder verfolgt da unterschiedliche Ziele“, sagt Andreas Imhoff, Sportorthopäde an der TU München. Und jeder Mensch bringe andere Voraussetzungen mit, andere Gene, Kondition, Statur, womöglich Vorerkrankungen. Will ich mit dem Krafttraining also meine Ausdauer für Läufe oder fürs Fahrradfahren verbessern? Will ich stärkere Knochen bekommen, meine Wirbelsäule stabilisieren oder nach einer Erkrankung, nach einer Operation, nach einem Herzinfarkt wieder fit werden?

„Auch ein Jérôme Boateng macht täglich Krafttraining, um seine sportliche Leistungsfähigkeit zu optimieren und sich vor Verletzungen zu schützen“, sagt Imhoff. Dem Durchschnittsbürger wie mir gehe es meist darum, die Gesundheit und die Figur zu erhalten oder zu verbessern. Ein Merkmal von guten Studios sei deshalb, dass ausgebildetes Personal mit den Kunden zu Beginn einen Einführungs-Check durchführt, Trainingsziele und den aktuellen Leistungsstand erfasst und einen individuellen Trainingsplan und eine Dokumentation erstellt, sagt der Sportwissenschaftler Michael Fröhlich von der TU Kaiserslautern. „Je weniger Fachkenntnisse man selbst hat, desto wichtiger sind kompetente Trainer, die einen gut einweisen“, ergänzt Kollege Gießing.

Ideal bei Rückenschmerzen

Dann kann es losgehen. Zum Beispiel damit, den Rücken zu stärken. Rücken und Wirbelsäule sind die typischen Problemfelder in unserer bewegungsarmen, sitz- und computerlastigen Arbeitswelt. Fast jeder Fünfte leidet unter chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich. „Krafttraining ist ideal bei Rückenschmerzen als Folge von Überlastung oder Haltungsproblemen“, sagt der Münchner Sportorthopäde Imhoff. Er vergleicht die Wirbelsäule mit einem Kran, der sehr beweglich, aber nicht sonderlich belastbar ist, und zur Stabilisierung an beiden Seiten Seile, also kräftige Muskeln, braucht. Wird die Muskelkraft in Rumpf und Rücken verbessert, geht der Schmerz zurück und der Rücken wird beweglicher. Die dynamische Belastung dämpft die Schmerzempfindung des nozizeptiven Systems, und auch die Bandscheibe profitiert.

Eine gut ausgebildete Muskulatur habe eine schützende Wirkung auf Gelenke und Wirbelsäule, die wiederum auf intakte Bandscheiben als Stützkissen zwischen den Wirbelkörpern angewiesen sei, sagt Michael Fröhlich. Die Bandscheiben beschreibt er bildhaft als Schwamm: „Wenn ich den ganzen Tag sitze, wird der Schwamm nur ausgedrückt, und ich bin am Abend ein bis zwei Zentimeter kleiner.“ Unter dem Einfluss von Bewegungen dagegen, bei der Gartenarbeit etwa oder beim Krafttraining, saugen sich die Bandscheiben wieder voll und erhalten ihre Stoßdämpferqualitäten zurück.

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