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Gefäßalterung : Wenn die Aorta verhärtet

  • -Aktualisiert am

Eine Arterie auf dem Kontrollbildschirm während eines Eingriffs mit Katheter Bild: AP

Mit zunehmender Versteifung der Arterien nimmt die mentale Leistungsfähigkeit ab. Ein Problem erst im Alter? Ganz und gar nicht: Die Alterung von Gefäßen zeigt schon früh ihre Spuren im Gehirn.

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          Die Folgen einer Gefäßalterung treten zwar häufig erst im fortgeschrittenen Alter zutage. Ihre Schatten wirft die Arteriosklerose, die Verkalkung und Versteifung der Arterien, aber meist schon Jahrzehnte früher voraus. Hierfür sprechen unter anderem die jüngsten Ergebnisse der bekannten Framingham-Studie. Begonnen im Jahr 1948, liefert die nach einer Stadt im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts benannte Erhebung, die mittlerweile drei Generationen umspannt, nach wie vor wichtige Erkenntnisse über die Entstehung häufig vorkommender Herzkrankheiten.

          In der aktuellen Analyse, die jetzt in der Zeitschrift „Hypertension“ publiziert wurde, ging es um die Frage, ob schon im jüngeren Erwachsenenalter ein Zusammenhang zwischen der Elastizität der Hauptschlagader, der Aorta, und der Funktionsfähigkeit des Gehirns besteht. Matthew Pase von der Boston University School of Medicine und seine Kollegen richteten dabei ihr Augenmerk auf die 30 bis 65 Jahre alten Enkel der ersten Teilnehmer der Framingham-Studie. Von den Probanden hatten sich rund 3200 den erforderlichen Untersuchungen, darunter einer Kernspintomographie des Gehirns und mehreren kognitiven Tests, unterzogen und konnten daher in den Analysen der Forscher berücksichtigt werden.

          Je härter die Aorta, desto geringer die mentale Leistung

          Wie Pase und die anderen Wissenschaftler in „Hypertension“ schreiben, bestätigte sich ihr anfangs gehegter Verdacht. Denn sie fanden in der Tat eine enge Beziehung zwischen dem Härtegrad der Aorta und der mentalen Leistungsfähigkeit der Probanden. So lösten die Teilnehmer die ihnen gestellten Aufgaben umso langsamer und begingen umso mehr Fehler, je steifer ihre Hauptschlagader war. Mit dem Elastizitätsverlust der großen Körperarterie nahm zugleich das Ausmaß der tomographisch nachweisbaren Altersspuren im Denkorgan zu. Bei diesen handelte es sich um Schädigungen des Hirngewebes, die vermutlich auf Durchblutungsstörungen oder auch auf kleinere Schlaganfälle zurückgehen. Je umfangreicher diese Läsionen waren, desto schlechter schnitten die betreffenden Personen in den kognitiven Tests ab.

          Auf welche Weise eine erhöhte Steifigkeit der Aorta dem Gehirn der Studienteilnehmer zusetzte, geht aus der Untersuchung nicht hervor. Die Ergebnisse anderer Untersuchungen legen gleichwohl den Schluss nahe, dass eine verhärtete Körperschlagader das gesamte Arteriensystem erheblich strapaziert. Verliert sie an Elastizität, kann sich die Aorta nämlich nicht mehr stark genug dehnen, um das vom Herzen ausgeworfene Blut teilweise abzufangen und langsam weiterzuleiten. Der Blutstrom erreicht daher höhere Spitzengeschwindigkeiten, was dazu führt, dass die Gefäße stärker beansprucht werden und somit rascher altern.

          Sind die Arterien aber nicht mehr in der Lage, ihre Aufgaben vollständig zu erfüllen, büßen die von ihnen versorgten Organe an Funktionsfähigkeit ein. Einmal etabliert, lassen sich solche Gefäßveränderungen kaum mehr rückgängig machen. Der Prävention kommt daher eine ganz besondere Bedeutung zu. Zu den wirksamsten Mitteln, um der Arteriosklerose und ihren Folgen Einhalt zu gebieten, zählen regelmäßige körperliche Bewegung, Tabakverzicht, die Vermeidung von Übergewicht und eine konsequente Behandlung zu hoher Blutdruckwerte – Erkenntnisse, die frühere Ergebnisse der Framingham-Studie bestätigen.

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