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Luftreinhaltung : Weniger Asthma bei Kaliforniens Kinder

Nein, nicht Peking: Auch Los Angeles muss mit einer manchmal hohen Luftverschmutzung kämpfen. Bild: AFP

Eine Langzeituntersuchung zeigt: Weniger Stickoxide und Feinstaub lässt Schulkinder aufatmen. Gegen den weltweiten Trend erkranken die Kinder in Los Angeles heute deutlich seltener an Asthma.

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          Die Luft sauberer machen lohnt sich – jedenfalls profitieren  davon die empfindlichen Lungen asthmaanfälliger Kinder. Das ist das Fazit einer mehr als zwanzigjährigen Untersuchung, deren Ergebnisse soeben von Medizinern der University of Southern California in Los Angeles im „Jama“, dem Journal der amerikanischen Medizinischen Gesellschaft, veröffentlicht wurden. In der amerikanischen Westküstenmetropole bekommen heute demnach gut zwanzig Prozent weniger Kinder Asthma –  gegen den weltweiten Trend einer Asthmazunahme.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die neuen Befunde dürften vor allem dem von Präsident Trump eingesetzten Chef der amerikanischen Umweltbehörde EPA, William Wehrum, einem ehemaligen Industrieanwalt, zu schaffen machen. Er nämlich verfolgt, wie die “New York Times“ diese Woche berichtete, derzeit ein ganz anderes Ziel: Er will das Problem Luftschadstoffe mit einem Federstrich verkleinern – nicht, indem er die Schadstofferzeuger zwingt, ihre Emissionen zu reduzieren, sondern indem er einen mathematischen Trick anwendet:  Die Zahl der epidemiologisch durch Luftschadstoffe hergeleiteten Todesopfer soll landesweit nach unten korrigiert werden – und zwar ganz fix dadurch, dass man die chronischen Gesundheitsfolgen bei niedrigen Schadstoffkonzentrationen aus der Epidemiologie komplett herausrechnet und damit statistisch weniger Opfer herausbekommt. Prinzipiell gilt medizinisch: Entwarnung gibt es auch unterhalb der Grenzwerte nicht völlig, auch dann ist bei chronisch belasteten empfindlichen Personen und Kindern mit Gesundheitsschäden zu rechnen.  

          Damit dem EPA-Chef bei seiner „Neubewertung“ nicht die hauseigenen Epidemiologen in die Quere kommen, hat er schon vorher dafür gesorgt, dass in dem seit Jahrzehnten installierten Fachgremium (Clean Air Science Advisory Commitee) kein einziger Epidemiologe mehr an Bord ist. So hat der Vorsitzende der Beratergruppe unlängst unwidersprochen behaupten können, der gesundheitliche Nutzen von sauberer Luft sei „unbewiesen“.

          Der Luftreinhalteplan wirkt

          Tatsächlich jedoch liegen mittlerweile zahlreiche Daten vor, die zeigen, dass der im Jahre 1970 in den Vereinigten Staaten eingeführte Luftreinhalteplan –  „Clean Air Act“ – erhebliche Verbesserungen für die Gesundheitsvorsorge vor allem in der städtischen Bevölkerung gebracht hat. 

          Los Angeles war in dem Zusammenhang immer schon im Fokus der Umweltforschung. Die Stadt im Westen war in den Siebzigern noch eine der am stärksten belasteten Metropolen der Welt. Immer wieder gingen die roten Lampen an: Smogalarm. Kalifornien ist aber inzwischen auch eine Art umweltpolitisches Musterland geworden. Kaum irgendwo in Nordamerika werden schärfere Umweltgesetze in Kraft gesetzt. Und die Konsequenzen sind messbar: Allein zwischen 1993 und 2006 zum Beispiel ist die Belastung mit Stickoxiden um immerhin 22 Prozent und mit Feinstäuben um 36 Prozent zurück gegangen – mehr als in anderen amerikanischen Metropolen.

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