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Weichteilrheuma : Von wegen nur eingebildet

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Wie die richtige Diagnose stellen, wenn eine Krankheit 150 Symptome haben kann? Schmerzen mindestens elf von diesen achtzehn Körperstellen, ist das ein wichtiger Hinweis. Bild: Illustration F.A.S.

Fibromyalgie galt lange als ein rein psychisches Leiden. Neue wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass das zu kurz greift. Doch woher kommt der Schmerz?

          Lachen erschallt im Innenhof des Fachwerkhauses. Fröhlich und unbeschwert klingt es und täuscht darüber hinweg, dass von den zwei Dutzend Frauen hier jede an chronischen Schmerzen leidet. Während sie häkeln oder Speckstein schleifen und sich an großen Holztischen Kaffee einschenken, versuchen sie, das ewige Kribbeln in Armen und Beinen zu ignorieren. Und zu vergessen, dass Muskelschwäche, Erschöpfung, Unkonzentriertheit und Schlafstörungen ihr Leben einschränken. Ihr Leiden nennt sich Fibromyalgie, es ist eine Art Weichteilrheuma. Die Liste der Symptome ist lang, selbst Herzschmerzen zählen dazu. Aber fassen lässt sich die Krankheit nur schwer.

          Der Austausch mit anderen Betroffenen ist deshalb so wichtig für die Frauen, die einmal in der Woche hier in einem Vorort von Mainz zu Kaffee und Kuchen zusammenkommen. Es sei kein Ort für kollektives Jammern, stellt Christiane Solbach klar, die seit fünfzehn Jahren die Treffen organisiert. Die Treffen gäben ihnen Kraft, man könne sich über wissenschaftliche Neuigkeiten und Erfahrungen mit Ärzten unterhalten. Sie selbst musste schon so einige machen: Christiane Solbach erhielt 1998 ihre Diagnose, damals war sie Anfang vierzig und litt schon über Jahre.

          Im Kindesalter fing es an. Mal traf der Schmerz die Schulter, mal Knie oder Hüfte. Immer hörte er nach kurzer Zeit wieder auf. Mit Mitte dreißig erlitt Solbach nach einer Legionelleninfektion ein Lungenversagen. Danach breitete sich der Schmerz im ganzen Körper aus und blieb. Es vergingen fünf weitere Jahre und viele Arztbesuche, bis ein Rheumatologe eine Fibromyalgie diagnostizierte. „Ich war sehr froh, dass meine Krankheit endlich einen Namen hatte. Ich dachte schon, ich bilde mir meine Beschwerden nur ein“, sagt Solbach.

          Kein Zugang zu den eigenen Emotionen

          Weil ihre Weichteil- und Gelenkschmerzen den Symptomen rheumatischer Erkrankungen ähneln, landen viele Patienten irgendwann bei einem Rheumatologen. Seit 1990 gilt die Fibromyalgie als eigenständige Krankheit, nachdem ein Katalog von Kriterien erstellt wurde, der zunächst allein auf klinischen Beobachtungen beruhte. Besonders wichtig ist dabei noch heute ein Schmerztagebuch der Patienten. Vor 25 Jahren konnte man aber nur mutmaßen, was die diffusen Beschwerden der Patienten verursacht. An den Muskeln ließ sich nichts Auffälliges erkennen, es fehlte eine körperliche Ursache. Für die Diagnose wurden damals achtzehn sogenannte Tender-Punkte, verteilt auf den gesamten Körper, erfasst. Mindestens elf davon mussten bei Druck stark schmerzen.

          Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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          Klinisch erfahrene Ärzte legten die ersten Diagnosekriterien fest. Diese seien aber willkürlich gewählt, sagt der daran maßgeblich beteiligte Mediziner Frederick Wolfe, Direktor der Nationalen Amerikanischen Datenbank rheumatischer Erkrankungen. Fast jeder Mensch leide zeitweise an den für die Fibromyalgie typischen Symptomen wie Schmerz, Schlafstörungen und Erschöpfung, ohne deshalb krank zu sein. Man müsse sich die Beschwerden als eine Art Kontinuum vorstellen, an dessen äußerstem Ende die Symptome stark ausgeprägt und chronisch seien. 1990 habe man einen Grenzwert festgelegt. Wer darüberliegt, ist durch die Symptome stark eingeschränkt, hat zum Beispiel dauerhaft starke Schmerzen und leidet unter Unkonzentriertheit und Schlafstörungen. „Nur in diesen Fällen sollte man von einer Fibromyalgie sprechen“, meint Wolfe. Es trifft etwa drei Prozent der Bevölkerung und Frauen deutlich häufiger als Männer.

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