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Einmaleins der Waschmaschine : Das Mysterium hinter dem Bullauge

Keimfrei, das ist die Waschmaschine zu Hause sicherlich nicht. Das muss auch kein Gesundheitsrisiko bedeuten, vielleicht aber üble Gerüche. Bild: mauritius images / Maximilian We

Die Geheimnisse der Waschmaschine: Von der Überlegenheit des Waschmittelpulvers, Mikrobenmief und warum der Schonwaschgang die Umwelt schädigt.

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          Nicht nur sauber, sondern rein soll die Wäsche sein. Was Klementine, die populäre Werbefigur, über Jahrzehnte im deutschen Fernsehen predigte, ist noch immer oberstes Gebot im Waschkeller. Aber nicht jedes Wäschestück verlässt die Waschmaschine tatsächlich porentief gereinigt. Schlimmstenfalls kommt es sogar schmutziger heraus, als es hineingesteckt wurde. Und wer möglichst umweltschonend waschen will, also bei möglichst niederen Temperaturen, muss bei der Sauberkeit eben Abstriche machen. Oder doch nicht?

          Rebecca Hahn
          Freie Autorin in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun ist „Kochen“ bei 90 Grad nicht alles. Für die Sauberkeit sorge die Kombination aus Mechanik, Chemie und Temperatur, sagt Ernst Tabori, Ärztlicher Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg. Das Erhitzen und die Mechanik – das Rühren, Schrubben, Spülen und Schleudern – übernimmt die Maschine; Waschmittel helfen, den Schmutz aus den Fasern zu lösen. So ist die Wäsche heutzutage meist in wenigen Stunden erledigt, höchstens.

          Bis in die vierziger Jahre war das Waschen hingegen Knochenarbeit. Für die in der Regel einmal im Monat anstehende „große Wäsche“ mussten Hausfrauen noch einen kompletten Tag einplanen. Die schmutzigen Textilien wurden meist schon am Vorabend eingeweicht. Den Flecken rückte man mit Soda oder Seife zu Leibe. Dann wurde die Wäsche in kochendes Wasser gegeben, bevor jedes einzelne Kleidungsstück minutenlang auf dem Waschbrett geschrubbt wurde, um Schmutz aus den Fasern zu lösen. Um Seifenrückstände zu verhindern, musste die Wäsche nach dem Schrubben noch gründlich gespült werden. Die ausgewrungenen Textilien wurden danach für die sogenannte Rasenbleiche auf der Wiese ausgebreitet. Im Sonnenlicht bildet das Wasser der feuchten Stoffe geringe Mengen Wasserstoffperoxid – ein potentes Bleichmittel, das die Wäsche weißer machte. Erst dann konnten die Sachen zum Trocknen aufgehängt werden.

          Nur Pulverwaschmittel setzt Sauerstoffradikale frei

          Im Jahr 1951 kam die erste vollautomatisierte elektrische Waschmaschine auf den Markt. Sie kostete allerdings rund zwei Drittel des damals durchschnittlichen Jahreseinkommens, weshalb bis Mitte der fünfziger Jahre erst jeder zehnte deutsche Haushalt über eine Waschmaschine verfügte. Heute muss in Deutschland niemand mehr per Hand waschen, höchstens sehr zarte Gebilde. Ein bisschen Verstand sei beim Wäschewaschen trotzdem gefragt, sagt Markus Egert, der an der Hochschule Furtwangen zu Mikroben in der Waschmaschine forscht: „Die Wäsche muss vor dem Waschen schon ein wenig sortiert werden, zum einen nach Textiltyp, zum anderen nach Verschmutzungsgrad.“ „Unterwäsche, Socken, Bettwäsche, Handtücher und Spüllappen sollten bei 60 Grad mit Pulvervollwaschmittel gewaschen werden“, sagt Egert.

          Nur Vollwaschmittel in Pulverform enthalte Bleiche. Diese setzt während des Waschens Sauerstoffradikale frei und wirkt dadurch desinfizierend. In Flüssigwaschmittel kann aus technischen Gründen keine Bleiche zugesetzt werden, auch sind Waschmittel für Buntes frei von Bleichstoffen. Ansonsten ist die Grundrezeptur für Voll-, Color-, Fein- und Spezialwaschmittel aber – jeweils abgestimmt auf Materialien und Farben – immer ähnlich: Um den Schmutz zu lösen, enthalten moderne Waschmittel in der Regel eine Mischung verschiedener synthetischer Tenside. Konventionelle Seife ist zwar auch ein Tensid, kommt aber heute nicht mehr zum Einsatz, da sie in kalkhaltigem Wasser schwerlösliche Kalkseife bildet. Zudem werden Waschmitteln auch Enzyme beigemischt, die Eiweiß, Fett und Stärke abbauen. So lassen sich zum Beispiel Schokoladen- und Fettflecken bei niedrigeren Temperaturen entfernen. Bis vor wenigen Jahren enthielten Waschmittel außerdem Phosphate, zur Wasserenthärtung. Weil diese jedoch in Gewässer gelangten und dort das Algenwachstum förderten, kommen sie heute kaum noch zum Einsatz. Stattdessen werden andere Enthärter beigemischt, die auch die Reinigungswirkung der Tenside verbessern sollen. Außerdem sind oft noch optische Aufheller, Duftstoffe und Füllstoffe als Rieselhilfe enthalten. Weitere Zusätze verhindern das Vergrauen und Verfärben der Wäsche, eine übermäßige Schaumbildung oder Schäden an der Waschmaschine, und Flüssigprodukten werden Konservierungsmittel beigefügt.

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