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Volkskrankheit : Warum wir Krebs bekommen

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Der Mensch ist auf molekulare Korrekturen angewiesen, um seinen Körper in Schuss zu halten – und Krebs zu verhindern. Bild: Getty Images/Blend Images RM

Im hohen Alter sind Tumoren nicht ungewöhnlich, aber auch Kinder können erkranken: Was sind die Ursachen für die Wucherungen?

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          Wann immer ein Prominenter sein Krebsleiden outet, ist die Anteilnahme der Medien groß. Als es kürzlich hieß, der ehemalige Außenminister Guido Westerwelle werde aufgrund einer akuten Leukämie behandelt, begann umgehend das mediale Rätselraten, um welche der bösartigen Spielarten von Blutkrebs es sich handeln könnte und wie nun die Überlebenschancen stünden. Kurzfristig stieg sogar die Zahl potentieller Knochenmarkspender, beeilte sich die Deutsche Knochenmarkspenderdatei zu vermelden: Sie wirbt seit Jahren mit Prominenten auf ihren Kampagnenplakaten, denn es kann Patienten das Leben retten, wenn sich im Notfall immunologisch passende Spender in der Datenbank finden lassen.

          Mehr Vorsorge durch mediale Aufmerksamkeit

          In einem Editorial in der New York Times im Mai 2013 verkündete die damals 37-jährige Angelina Jolie, warum sie sich aufgrund eines erblich bedingten drastisch erhöhten Brustkrebs-Risikos vorsorglich beide Brüste amputieren ließ: „My Medical Choice“ titelte ihr Bekenntnis – anschließend stieg in den Vereinigten Staaten die Nachfrage nach entsprechenden Gentests enorm. Der Run auf die Erbgutanalysen einer amerikanischen Biotechnologiefirma ist insofern bemerkenswert, weil allenfalls ein Bruchteil der Frauen ein ähnliches Erbe in ihren Genen tragen.

          Die mediale Aufmerksamkeit kann Ängste schüren, und es sorgt auch für Betroffenheit, wenn man von einer Tumordiagnose im Bekanntenkreis hört, die Menschen aus dem blühenden Leben reißt. Nach dem ersten Schock stellt sich bei den anderen meist die Frage, wie häufig ein solcher Fall denn vorkommt. Und welche Krebsleiden einen schon in jüngeren Jahren treffen können, womöglich kurz nach der Geburt? Epidemiologen haben in den vergangenen Jahren der Forschung einige belastbare Fakten über die Häufigkeit von Krebs in den verschiedenen Altersgruppen gesammelt. Es gibt auch eine plausible Theorie, warum Krebs sehr viel häufiger im höheren Alter auftritt.

          Kein Bedarf nach 500 Jahre alten Individuen

          Das Altern stellen wir uns meist als einen aktiven Vorgang vor, wie eine Art Reifung. In Wahrheit ist es aber nichts anderes als ein Nachlassen der Präzision all jener Prozesse, die den Körper in einem jungen Zustand erhalten. Wenn Körperzellen zum Beispiel ihre Erbinformationen nicht mehr so sorgfältig reparieren, kann ebenso Krebs entstehen wie in Fällen, in denen die Immunabwehr amoklaufende Tumorzellen häufiger übersieht. Verklumpen beispielsweise Eiweißmoleküle im Gehirn, weil wichtige Faltungshelfer nachlässig werden, kann Alzheimer die Folge sein.

          Aus Perspektive der Evolutionsbiologie kühl betrachtet, bestand - bisher - in der Natur schlicht kein Bedarf, Individuen zu erhalten, die 500 Jahre alt werden könnten. Unter den ursprünglichen Bedingungen hatte ein Mensch lange überhaupt keine Chance, eine solche Zeitspanne wie heute auch nur annähernd zu erleben. Schon die Kindheit zu überstehen war eine Herausforderung.

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