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Knoblauch : Die Knolle der Hundertjährigen

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Botanisch gesehen, ist auch die Knoblauchknolle – hier in klassisch getrockneter Form – nur eine Zwiebel aus an der Basis verdickten Blättern. Allium sativum hat allerdings eine starke Tendenz zur Bildung von Tochterzwiebeln, den Zehen. Bild: ddp Images

Auf der ganzen Welt wird er gegessen: Der Knoblauch. Er ist zudem lecker und sorgt schlimmstenfalls für Mundgeruch. Doch ist er überhaupt so gesund, wie so oft behauptet wird?

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          Über 130 Jahre alt soll Ilja Rogoff geworden sein. Das Rezept des lächelnden Bulgaren mit dem weißen Bart: Lebensfreude, tägliche Arbeit und vor allem reichlich Knoblauch. So will es zumindest die PR-Geschichte, mit der die Herstellerfirma der Ilja-Rogoff-Knoblauchpillen dieselben seit den Nachkriegsjahren der alternden Bevölkerung anpreist. Noch heute präsentiert die Werbung für die Dragees aus Knoblauchextrakt und anderen Heilkräutern den alten Ilja als historische Person. Anderen Quellen zufolge ist er eine Erfindung des Nazi-Journalisten Hans Schwarz van Berk, der in Goebbels’ Propagandaministerium und nach dem Krieg mit einer eigenen Werbeagentur Karriere machte.

          Ilja Rogoff mag fiktiv sein, aber gilt das auch für die segensreiche Wirkung des Knoblauchs auf die Gesundheit? Tatsächlich werden Allium sativum, so der wissenschaftliche Name des Lauchgewächses, seine Heilkräfte schon seit Jahrtausenden zugeschrieben. Der Düsseldorfer Historiker Tobias Winnerling hat den Ursprung und Wandel dieser Zuschreibungen in mehreren Publikationen untersucht. Dabei fand er allein im „New vollkommen Kräuter-Buch“ des deutschen Arztes Jacobus Theodorus aus dem Jahr 1588 mehr als dreißig Indikationen für die Anwendung von Knoblauch: Bei Pest, Gift, Schlangenbiss und Eingeweidewürmern soll er helfen, aber auch bei Haarausfall oder Bauchschmerzen.

          Schon zuvor galt Knoblauch im ausgehenden Mittelalter als „Bauern-Theriak“, als Allheilmittel für die ärmeren Schichten. Den eigentlichen Theriak, eine seit der Antike aus Hunderten erlesener Zutaten wie Honig, Vipernfleisch und Opium gemixten Universalmedizin, konnten sich damals nur wenige leisten. Knoblauch dagegen war seit der Antike überall in Europa billig zu haben. Ursprünglich stammt das Gewächs wohl aus Zentralasien. Wie so oft bei alten Kulturpflanzen lässt sich das heute nicht mehr sicher zurückverfolgen, zumal die ursprüngliche Wildform des Knoblauchs längst ausgestorben ist. Findet man heute wild wachsenden Knoblauch, so handelt es sich entweder um ausgewilderte Kultursorten oder um einen seiner wilden Verwandten.

          Knoblauch wurde schon von Griechen und Römern geschätzt

          Davon gibt es mehr als genug. Annähernd tausend Arten umfasst die erlauchte Gattung Allium, zu der auch Küchen- und Frühlingszwiebel zählen, Schnitt- und Stangenlauch sowie noch wilde Arten wie der Bärlauch Allium ursinum. Ihnen allen gemein sind schwefelhaltige Inhaltsstoffe, die ihnen ihr spezielles Aroma verleihen, und einfache Blätter, die an der Basis Zwiebeln bilden, aus denen die Pflanze nach dem Winter neu ausschlägt. Umso extravaganter können ihre kugeligen Blütenstände ausfallen, die Gärtner von Zierlauch-Arten wie dem Sternkugel-Lauch Allium cristophii schätzen.

          Wenn die Annahmen der Botaniker über den Ursprung des Knoblauchs stimmen, führte einst die Seidenstraße direkt durch sein Herkunftsgebiet. Das dürfte zu seiner frühen Verbreitung sowohl in Europa als auch in Asien beigetragen haben. In beiden Kontinenten machte er als Kulturpflanze schnell Karriere, denn sie ist anspruchslos, wird wegen ihres strengen Aromas von den meisten Fressfeinden gemieden und lässt sich durch das Auspflanzen einzelner Knoblauchzehen leicht vermehren. So wurde das Würzgemüse schon von Griechen und Römern geschätzt. In Ägypten fand sich getrockneter Knoblauch in Gräbern von Pharaonen und anderen erlauchten Persönlichkeiten, soll dort aber vor allem Soldaten und Sklaven gestärkt haben.

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