https://www.faz.net/-gwz-9foo5

Post-Hospital-Syndrom : Wenn das Krankenhaus krank macht

  • -Aktualisiert am

Trübe Aussichten für den Patienten: Mieses Essen, gestörter Schlaf und lieblose Behandlung gehören in den Kliniken zum Alltag. Bild: Imago

In die Klinik geht man, um geheilt zu werden. Doch häufig fängt man sich dort nur ein neues Leiden ein. Schon ist man wieder drin. Muss das so sein?

          6 Min.

          Eine Klinik ist kein Hotel, keine Frage. Aber kann man kranke Menschen nicht trotzdem besser behandeln? „Sie bekommen häufig Medikamente hingestellt, ohne dass Sie wissen, um was genau es sich dabei handelt. Geschweige denn, dass man sie über die Nebenwirkungen informiert.“ Das ist nicht das Einzige, was Tobias Esch zu bemängeln hat. Dem Präventions- und Stressforscher vom Institut für Integrative Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung der Universität Witten/Herdecke fällt es nicht schwer, sich in die Rolle des Patienten hineinzuversetzen, der sich in dieser fremden Umgebung wiederfindet. Die Menschen um einen herum beginnen auf einmal, sich nicht mehr mit Namen vorzustellen. Statt der eigenen Kleider trägt man plötzlich ein rückenfreies Flügelhemdchen. Vom lieblosen Essen, dem spartanisch eingerichteten Zimmer und dem schnarchenden Nachbarn darin ganz zu schweigen. „Im Krankenhaus sind Sie plötzlich nicht mehr Herr oder Frau sonst wie, Sie sind in erster Linie Patient“, sagt Esch. Und damit Teil einer Maschinerie, deren Abläufen man sich anzupassen hat.

          Die vielen Unannehmlichkeiten, die mit einem Krankenhausaufenthalt verbunden sind, kann Tobias Esch sehr pointiert darstellen. Zur Wiederherstellung der eigenen Gesundheit müsse man sie halt in Kauf nehmen, hieß es bislang. Aber was, wenn man die Sache damit völlig unterschätzt hätte? Wenn die Summe all dieser vielen kleinen lästigen Kleinigkeiten plötzlich gefährliche gesundheitliche Folgen hätte?

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Betrachtet man Pornographie als eine Droge, handelt es sich um eine, die so leicht verfügbar ist wie nie zuvor. (Symbolbild)

          Porno-Sucht : Den Sex zu zweit muss er erst lernen

          Martin Beck war sein halbes Leben lang süchtig nach Pornos. Jetzt will er widerstehen. Und sucht nach dem richtigen Umgang mit Ecken des Internets, aus denen er sich eigentlich fernhalten will.
          Emmanuel Macron ist wie viele französische Politiker beseelt von einer Planbarkeits- und Machbarkeitsvorstellung.

          Kampf gegen Corona : Frankreich und die alten Schwächen

          Die Pandemie hat alte Strukturschwächen in Frankreich brutal offen gelegt. Und schlimmer noch: Das Virus wird vermutlich einen bleibenden Schaden hinterlassen.