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"Vorbeugende" Gentherapie : Hilfe fürs Herz

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"Vorbeugende" Gentherapie kann vor Organschäden schützen. Die Versuche an Ratten sind erfolgversprechend. Nun sollen Studien zeigen, ob das Verfahren für den Menschen geeignet ist.

          Akute Gefäßverschlüsse zählen zu den häufigsten Ursachen für Tod, Krankheit und Behinderung in der westlichen Welt. Sie sind verantwortlich für Herzinfarkte, Schlaganfälle und das Organversagen nach schwerer Blutvergiftung, um nur einige Beispiele zu nennen. Die auf die mangelnde Blutzufuhr zurückgehenden Gewebeschäden lassen sich vielfach selbst dann nicht mehr abwenden, wenn die verlegte Arterie - spontan oder aufgrund einer Therapie - wieder aufgeht. Denn der Wiedereinstrom des Blutes in ein zuvor verschlossenes Gefäß führt im Körper zur vermehrten Freisetzung von aggressiven Sauerstoffmolekülen. Diese versetzen dem bereits angeschlagenen Gewebe dann oft den Todesstoß.

          Seit langem bemühen sich Wissenschaftler weltweit darum, den angriffslustigen Sauerstoffradikalen das Handwerk zu legen. Bislang allerdings ohne großen Erfolg. Anlaß zur Hoffnung gibt nun ein Verfahren der Gentherapie, das amerikanische und kanadische Wissenschaftler um Victor Dzau von der Harvard Medical School in Boston (Massachusetts) entwickelt haben. Der Behandlungsansatz der Forscher gründet auf der Erkenntnis, daß ein bestimmtes Signalmolekül namens Häm-Oxygenase-1 die schädlichen Sauerstoffradikale außer Gefecht zu setzen vermag. Diesen Eiweißstoff schüttet der Körper bei Sauerstoffmangel zwar auch natürlicherweise in größeren Mengen aus - allerdings meistens viel zu spät, wie Dzau und seine Kollegen festgestellt haben.

          Gewebeschäden fast vollständig verhindert

          Um der Natur etwas nachzuhelfen, fügten die Forscher daher das Erbmolekül mit der Bauanleitung von menschlicher Häm-Oxygenase-1 in eine gängige Genfähre ein und injizierten dieses Konstrukt anschließend in unterschiedliche Gewebe der Ratte, darunter Herz, Leber und Beinmuskulatur. Ein Kontrollgen sorgte dabei dafür, daß der therapeutische Eiweißstoff nur bei Sauerstoffmangel hergestellt wird. Fünf Wochen später erzeugten die Wissenschaftler in den gentechnisch behandelten Gewebearealen der Nager einen Infarkt, indem sie die Blutzufuhr dabei eine Stunde lang unterbrachen.

          Wie die Autoren in der aktuellen Online-Ausgabe der "Proceedings" der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften berichten, konnte die Gentherapie die Gewebeschäden nach der kurzzeitigen Durchblutungsstörung fast vollständig verhindern. Weitere Studien müssen nun klären, inwieweit sich das Verfahren auch für den Menschen eignet.

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