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Vogelgrippe : Keine Angst vor Heimkehrern

  • -Aktualisiert am

Hier lauert Seuchengefahr: Viele Tiere auf engstem Raum Bild: dpa/dpaweb

Die Gefahr einer Vogelgrippe-Infektion wird durch Zugvögel nicht größer, glauben Experten. Die Wurzeln der Seuche liege vielmehr in falschen Haltungspraktiken: Beste Voraussetzungen für die H5N1-Viren ist drangvolle Enge in Tierställen.

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          Zuletzt hat man das Vogelgrippevirus H5N1 fünfundsiebzig Kilometer von der türkischen Küste entfernt, in Nordzypern, bei Hausgeflügel nachgewiesen. Die Ausbreitung nach Westen vollzieht sich offenbar in kleinen Schritten. Auf Zypern wurden daraufhin 1.500 Hühner getötet, und die Kontrollen wurden verstärkt. Menschen erkrankten nicht, wie es heißt, und von offizieller Seite wurde versichert, daß die positiv getestete Probe eindeutig von Geflügel und nicht von Zugvögeln stammt.

          Trotzdem bleibt die Sorge: Können die Viren mit den Vögeln verschleppt werden - womöglich schon in den nächsten Tagen und Wochen, wenn das wanderfreudige Federvieh seine Rückreise aus dem warmen Süden nach Norden antritt? In einem sind sich die Fachleute einig: Daß die Gefahr der Seuchenausbreitung durch Zugvögel derzeit überbewertet wird.

          Gestärkte Rückkehr in die Brutreviere

          Schon im Februar werden die ersten Vogelarten aus den Überwinterungsgebieten den Heimflug antreten. Für viele dieser Vögel wird Deutschland das Ziel sein. Andere werden Brutplätze in weiter nördlich gelegenen Ländern aufsuchen. In ihren Winterquartieren haben sich die Tiere von den Strapazen des Brütens und der Aufzucht der Nachkommen im vergangenen Jahr erholt und sich Fettreserven angefressen. Gestärkt drängen sie zu ihren Brutrevieren. Daher verläuft der Heimflug, im Gegensatz zum herbstlichen Zug nach Süden, ohne größere Rastpausen.

          Die Vogelkundler unterscheiden zwischen drei Hauptzugsträngen: Bei Überwinterung in Süd-, Zentral- und Westafrika erfolgt der Heimflug entweder auf dem Westweg über Gibraltar und der Iberischen Halbinsel oder auf dem Zentralzug über Italien. Die Vögel, die in Süd- und Ostafrika und dem Vorderen Orient überwintert haben, ziehen überwiegend über den Bosporus nach Norden.

          Auf schnellstem Wege in die Sommerquartiere

          So zum Beispiel der Weißstorch. Die Vogelarten, die bei ihrem Heimflug die Halbinsel Krim oder das Donaudelta überfliegen, suchen in der meist Brutgebiete auf, die weiter nördlich von Deutschland liegen. Fast alle zieht es, wie gesagt, auf schnellstem Weg in ihre Sommerquartiere. Dennoch ist nicht auszuschließen, daß einzelne Tiere, die sich vorher im Verbreitungsgebiet des H5N1-Virus in der Türkei und am Schwarzmeer aufgehalten haben, nach Deutschland gelangen können.

          Wildvögel, besonders Wasservögel, gelten als das wichtigste Reservoir für aviäre Influenzaviren. Die Krankheitserreger vermehren sich in den Darmzellen der Tiere und werden mit dem Kot und Schleim oder Flüssigkeit aus Schnabel und Augen ausgeschieden. Bei direktem Kontakt stecken sich andere Tiere an, indem sie virushaltiges Material einatmen und aufpicken.

          H5N1 ist hierzulande bisher nicht nachgewiesen

          In den vergangenen Monaten wurden in Deutschland mehrere tausend Tests bei rund hundert Wildvogelarten vorgenommen. Es wurden dabei mehrere Influenzaviren von insgesamt acht verschiedenen Subtypen gefunden. Jedoch alle bisher untersuchten Virusisolate sind nur gering krankheitserregend und für Geflügel und Menschen ungefährlich. Der gefährliche Erreger H5N1 ist hierzulande bisher nicht nachgewiesen worden.

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