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Virus H7N9 : Vogelgrippe unter Beobachtung

  • -Aktualisiert am

Hühnerhalter in China. Die Tiere erkranken selten an den 2013 erstmals stark aufgetretenen H7N9-Viren, übertragen aber andere Hühner sehr effizient. Bild: REUTERS

Panik in Hongkong: Eine Frau hat sich in China mit dem Virus H7N9 angesteckt. Wie gut hat sich der Erreger, der in Geflügelherden kursiert, schon an den Menschen angepasst?

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          In der vergangenen Woche haben die Gesundheitsbehörden in Hongkong Vogelgrippe-Alarm ausgelöst, nachdem sich eine 36 Jahre alte Haushaltshilfe aus Indonesien bei einem Besuch in China mit dem neuen Vogelgrippevirus H7N9 angesteckt hatte. Ihr Zustand ist kritisch. Die vierköpfige Familie, für die sie in Hongkong arbeitet, steht unter Quarantäne und zeigt mögliche Anzeichen einer grippalen Erkrankung. Der ausgelöste Alarm führt nun dazu, dass mehr Infektionskontrollen in den Krankenhäusern der Stadt gemacht werden, die Besuchszeiten in den Kliniken reduziert werden und die Hühnerställe und Märkte mit lebendem Geflügel gereinigt und desinfiziert werden. Rechtfertigt eine einzelne nachgewiesene Erkrankung in einer Metropole mit sieben Millionen Einwohnern diese Maßnahmen?

          H7N9 ist nach H5N1 das zweite Vogelgrippevirus, das von den internationalen Behörden als potentielle Gefahr eingestuft wird. H7N9 ist im März zum ersten Mal im Osten Chinas aufgetaucht. Das Virus muss in den Wochen zuvor neu entstanden sein. Bis Ende Mai hatten sich nachweislich 132 Personen infiziert.

          Beherztes Eingreifen

          37 Männer und Frauen starben an der Infektion. Dann versiegte die Erkrankung erst einmal. Das hatte vor allem mit dem beherzten Eingreifen der chinesischen Behörden zu tun. Sie ließen im April 780 Geflügelmärkte schließen, die Tiere keulen und die Areale desinfizieren. Die Zahl der Neuerkrankungen ging daraufhin um 97 bis 99 Prozent zurück. Das berichtete die Zeitschrift „Lancet“ vor wenigen Wochen (doi:10.1016/S0140-6736(13)61904-2). Der wirtschaftliche Schaden durch diese Radikalkur wird allerdings auf rund acht Milliarden Dollar geschätzt. Im Oktober infizierten sich nachweislich wieder vier Personen in China. Bis heute sind 45 Patienten an einer H7N9-Infektion gestorben. Mit der Erkrankung in Hongkong ist das Virus nun auch in einer Metropole außerhalb des chinesischen Festlands angekommen.

          Wie gefährlich ist H7N9? Christina Larson schreibt jetzt in „Science“, dass die bisher bekannten Fakten eher ein Anlass für Beschwichtigungen sind (Bd.342, S.1031). H7N9 ist ein Tiervirus. Die meisten Kranken haben sich wahrscheinlich beim engen Kontakt mit lebendem Geflügel angesteckt. Nur wenige scheinen sich bei kranken Angehörigen infiziert zu haben. In dieser Woche zeigen Ian Wilson und James Paulson vom Scripps Research Institute in La Jolla in „Science“, dass das neue Vogelgrippevirus den Menschen noch schlecht infizieren kann (Bd.342, S.1230). Die Virologen belegen dies anhand von Bindungsstudien und Röntgenstrukturanalysen. Zum Glück habe sich H7N9 noch nicht an den humanen Virus-Rezeptor angepasst, schreiben Wilson und Paulson in einer vom Scripps Research Institute herausgegebenen Erklärung. Weil frühere Veröffentlichungen eine solche Anpassung nahegelegt hätten, sei ein klares Statement nötig gewesen, so die Wissenschaftler weiter.

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