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Verwirrtheit im Alter : Wenn nach der OP das Pflegeheim droht

  • -Aktualisiert am

Betagte Patienten brauchen spezialisierte Begleitung. Bild: dpa

Ein Knochenbruch im Alter kann ins Pflegeheim führen, weil die Patienten nach der Operation in schwere Verwirrtheitszustände geraten. Einige Zentren entwickeln nun Konzepte, die betagten Patienten Orientierung bieten - und sie so vor der Pflegebedürftigkeit bewahren können.

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          Nicht Herzinfarkt, Schlaganfall oder Lungenentzündung sind der häufigste Grund, warum ein Patient jenseits der 65 ins Krankenhaus muss, sondern – ein Schenkelhalsbruch. Bereits 2009 sind hierzulande 125000 Patienten im Alter von mehr als siebzig Jahren nach einer solchen Fraktur behandelt worden. Wegen der älter werdenden Bevölkerung werden zunehmend mehr derart alte Verletzte auf deutsche Unfallkliniken zukommen: Hochbetagte im Alter zwischen achtzig und neunzig Jahren brechen sich mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu fünfzig Prozent den oberen Anteil des Hüftknochens. Die Tragik daran: Im ersten Jahr nach einem solchen Knochenbruch liegt die Sterblichkeit bei 25 Prozent, nur die Hälfte kann wieder so weiter leben wie zuvor, und rund ein Drittel von ihnen verliert die Selbständigkeit.

          Gegen dieses Szenario setzen Kliniken auf unterschiedliche Initiativen. Eine dieser Varianten, ein Zentrum für Alterstraumatologie am Diakonissenhaus in Mannheim, ist jetzt im aktuellen Heft des „Deutschen Ärzteblattes“ evaluiert worden. Das Team um Matthias Schuler hat unter anderem verglichen, wie es sich auswirkt, wenn Patienten jenseits der 75 – die meisten mit Schenkelhalsfrakturen, aber auch solche, deren Beckenknochen oder Oberarmknochen gebrochen waren – auf herkömmliche Weise behandelt werden oder unter den besonderen Vorgaben der Alterstraumatologie, nachdem die Klinik ab April 2012 speziell hierfür zertifiziert worden war. 169 der Betroffenen kamen vor diesem Stichtag wie sonst auch in die Unfallchirurgie, bei 216 wurde danach zusätzlich ein Geriater zugezogen, dies bereits, sobald der Verletzte in die Klinik kam (Bd.112, Heft 7, S.113).

          Geriater von Anfang an einbinden

          Wie sich zeigte, mussten vor der Spezialisierung 20,7 Prozent der Patienten auf eine Intensivstation verlegt werden, war von Anfang an ein Geriater eingebunden, waren es nur noch 13,4 Prozent. Die Sterblichkeitsrate im Krankhaus ist von 9,5 Prozent auf 6,5 Prozent gesunken. Zwar verlängerte sich die Verweildauer der nach den Empfehlungen der Alterstraumatologie behandelten Patienten um wenige Tage. Allerdings benötigte diese Gruppe dafür auch seltener im Anschluss eine klassische Rehabilitation in einer weiteren Klinik. „Genau das ist auch das Ziel in den Kompetenzzentren für Alterstraumatologie“, erklärt Andreas Leischker, Chefarzt der Geriatrie am Alexianer Krankenhaus Maria Hilf in Krefeld. Als Leiter der Arbeitsgruppe Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie hat Leischker selbst bereits etliche Kliniken für das Zertifikat „Zentrum für Alterstraumatologie“ überprüft.

          Inzwischen dürften sich mehr als zwanzig Kliniken einschlägig qualifiziert haben, jährlich kommen weitere hinzu, um den Bedarf für eine bessere unfallchirurgische Versorgung alter Patienten zu decken. „Früher waren die Verunfallten fünf bis acht Tage auf der Unfallchirurgie, dann kamen sie in eine Reha-Einrichtung“, erklärt er das alte Modell. Die Komplexbehandlung in einem Alterstraumazentrum kommt in der Regel ohne Verlegung aus. Möglichst viele der Kranken sollen so rasch wie möglich fit werden und wieder in ihre frühere Umgebung zurückkommen. Sie bleiben im besten Fall weiter selbständig. Außerdem spart ein solches Vorgehen die Kosten für eine mehrwöchige Rehabilitationsbehandlung, und: „Es trägt außerdem dazu bei, das Risiko zu minimieren, das es bei diesen Menschen durch den Ortswechsel zu Unruhezuständen kommt“, so Leischker.

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