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Epidemie in Westafrika : Medikament hilft noch drei Tage nach Ebola-Infektion

  • -Aktualisiert am

Mitarbeiter untersuchen in Accra im Noguchi-Labor der Universität von Ghana Proben. Hier wurden insgesamt rund 140 Ebola-Proben untersucht. Bild: dpa

Ein neues Medikament hilft gegen Ebola - zumindest im Versuch mit Affen. Und auch ein neuer Impfstoff scheint Anlass zur Hoffnung zu geben.

          Gleich zwei Hoffnungsschimmer im Kampf gegen die Ebola-Epidemie zeichnen sich am Horizont ab. Die neuen Strategien stammen beide aus den Labors eines Wissenschaftlerteams um den Mikrobiologen Thomas Geisbert von der University of Texas.

          Zum einen haben die Forscher ein Medikament auf der Basis einer „small interfering RNA“ entwickelt, einer sogenannten siRNA. Mit Hilfe solcher Moleküle können Virusgene blockiert werden, so dass die Erreger sich nicht replizieren können, wenn sie in den Körper eines Wirtes eingedrungen sind. Geisbert und seine Kollegen infizierten sechs Makaken mit Ebola-Virusmaterial aus dem aktuellen Ausbruch, wie sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Nature“ schildern“ (doi:10.1038/nature14442).

          Drei der infizierten Versuchsaffen erhielten drei Tage später das neue siRNA-Medikament. Obwohl sie bereits Krankheitszeichen gezeigt hatten, erholten sich alle drei Affen wieder. Die Makaken, die nicht mit dem neuen Medikament behandelt worden waren, wurden hingegen schwer krank und starben. Geisbert und seine Kollegen hatten bereits vor zwei Wochen, ebenfalls in „Nature“, eine neue Strategie gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika vorgestellt. In dieser ersten Studie ging es um einen neuen Impfstoff, der möglicherweise sicherer und nebenwirkungsärmer sein könnte als bisher bekannte Kandidaten.

          Nicht ohne Nebenwirkungen

          Zwei Impfstoffe gegen die Ebola-Infektion werden derzeit in großen internationalen Studienprojekten erprobt und dabei auch in afrikanischen Ländern, die von der Ebola-Epidemie betroffen sind, an Probanden getestet: Der Hoffnungsträger cAd3-ZEBOV besteht aus einem Schimpansen-Adenovirus, das als Genfähre dient, um nichtinfektiöse Gensegmente des Ebola-Erregers nach intramuskulärer Injektion in menschliche Zellen einzubringen. Die zweite Vakzine rVSV-ZEBOV enthält einen Erreger aus der Nutztierhaltung, das Vesikuläre Stomatitis-Virus (VSV), in das ein Ebola-Virus-Oberflächenprotein eingebaut worden ist.

          Für den Impfstoff rVSV-ZEBOV ist gerade erst in einer Studie im „New England Journal of Medicine“ gezeigt worden, dass Menschen ihn gut vertragen. Einige Probanden einer Versuchsgruppe in Genf hatten allerdings nach der Impfung über Gelenkschmerzen geklagt, was Kritiker auf den Plan gerufen hatte, die Sicherheitsbedenken äußerten. Um dieser Besorgnis zu begegnen, haben die Wissenschaftler um Thomas Geisbert zwei verschiedene „Ableger“ von rVSV-ZEBOV entwickelt, die beide gegenüber dem Original stark abgeschwächt wurden (Nature“, doi:10.1038/nature14428).

          Die Impfung wirkt

          Die Wissenschaftler impften acht Makaken mit der abgeschwächten Vakzine. 28 Tage später infizierten sie die acht Affen und zwei Kontrolltiere mit Ebola-Virusmaterial aus dem aktuellen Ausbruch. Während die acht geimpften Tiere keine Krankheitszeichen entwickelten, zeigten die beiden Kontrollaffen nach etwa einer Woche schwere Symptome.

          Die Reaktion des Immunsystems der geimpften Affen war zwar etwa zehnmal schwächer als in der Folge einer Vakzination mit dem Original-Impfstoff. Dennoch waren die Makaken nach nur einer Impfung geschützt: Die experimentelle Infektion mit Ebola-Viren aus dem aktuellen Ausbruch in Westafrika gelang danach nicht mehr. Es sei wünschenswert, dass solche weiter abgeschwächten Impfstoffe künftig für die Regionen in Afrika, in denen Ebola vorkommt, verfügbar seien, bilanzieren die Wissenschaftler. Sie hoffen vor allem, dass Nebenwirkungen wie die Gelenkprobleme der menschlichen Probanden dadurch vermieden werden können.

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