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Vergessene Infektionskrankheit : Die Leptospirose ist auf dem Vormarsch

  • -Aktualisiert am

Ansteckung nicht ausgeschlossen Bild: dpa

Die deutschen Risikoexperten warnten in diesem Jahr erstmals mit Nachdruck vor einer bakteriellen Infektion, die bislang vor allem Stallarbeiter, Tierärzte und Erdbeerpflücker traf. Nun könnten auch weitere Bevölkerungsgruppen gefährdet sein - etwa durch Haustiere.

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          Kanal- und Stallarbeiter, Tierärzte, Erdbeerpflücker - die Infektionskranklheit Leptospirose traf lange Zeit ganz bestimmte Berufsgruppen. Weil die Fallzahlen steigen, gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nun eine Warnung für die gesamte Bevölkerung heraus. Die Risikoforscher halten es für möglich, dass auch ganz normale Verbraucher gefährdet sind, denn man infiziert sich auch auf Urlaubsreisen, beim Schwimmen in Binnengewässern - und durch Haustiere, etwa Hunde.

          Schraubenförmige Bakterien


          Leptospiren sind schraubenförmige Bakterien, die mit dem Urin infizierter Tiere - vor allem von Nagetieren, Hunden, Haus- und Wildschweinen, Rindern - in die Umwelt gelangen. Menschen infizieren sich, wenn Schleimhäute oder kleine Hautverletzungen mit dem Erreger in Berührung kommen. Die Krankheit kann mild und grippeähnlich verlaufen. Es gibt aber auch schwere Verläufe mit Gelbsucht, Nierenversagen oder Hirnhautentzündung. Zwei bis zehn Prozent der unbehandelten Fälle enden tödlich.

          Die Krankheit ist meldepflichtig. In den Jahren 2004 bis 2013 wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) insgesamt 941 humane Leptospirose-Fälle gemeldet. Das Konsiliarlabor für Leptospirose am Bundesinstitut für Risikobewertung verzeichnete für das Jahr 2014 bereits in den ersten sechs Monaten einen deutlichen Anstieg der eingesandten Proben für die labordiagnostische Untersuchung. Im Vergleich zum Jahr 2013 mit insgesamt 68 eingesandten Proben wurden bis Ende Oktober 2014 bereits 78 Proben untersucht. Auch die dem Robert Koch-Institut gemeldeten Leptospirose-Fälle (121 Krankheitsfälle) lagen bereits Ende Oktober 2014 deutlich über den für das Gesamtjahr gemeldeten Erkrankungen der vorangegangenen Jahre 2013, 2012 und 2011 mit 87, 95 bzw. 56 Fällen.


          Die Risikoexperten vermuten, dass das vermehrt feucht-warme Klima in Deutschland für den Anstieg verantwortlich ist. Es hilft dem Erreger, in der Umwelt zu überleben und infektiös zu bleiben.
          Tierärzte beobachten schon länger, dass wieder mehr Hunde als früher an Leptospirose erkranken. Bis in die sechziger Jahre war Leptospirose eine gefürchtete Krankheit auch beim Menschen, beim Hund war sie unter dem Namen „Stuttgarter Hundeseuche“ bekannt. „In den letzten fünfzehn Jahren haben die Fälle rasant zugenommen“, sagte die Veterinärmedizinierin Adelheid Prüfer von der Tierärztlichen Hochschule Hannover gegenüber FAZ.NET schon im vergangenen Jahr.  “Die Letalität ist sehr hoch. Wir sehen heute häufig die Lungenform, bei denen die Hunde nach schweren Entzündungen in die Lunge bluten.” Hygienemaßnahmen, etwa Händewaschen nach dem Kontakt mit Hunden, kann Menschen vor einer Ansteckung schützen. Kommt es zu einer Infektion beim Menschen, muss ein Speziallabor die Krankheit nachweisen. Die Experten vom BfR gehen davon aus, dass die Dunkelziffer hoch ist, weil die Krankheit bei mildem Verlauf oft nicht erkannt wird.

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