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Epidemie im Kongo : Ebola in der Zange

  • -Aktualisiert am

Unter einfachen Bedingungen werden die schwerkranken Patienten im Kongo behandelt. Bild: F.A.Z.

Im Kongo kämpfen Ärzte noch immer gegen den schwersten Ebola-Ausbruch in der Region. Doch es besteht Hoffnung, den Erreger einzudämmen. Denn es gibt einen Impfstoff, der wirkt. Erstmals hat sich die Sterberate halbiert.

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          Ebola ist keine Erkrankung, die mit guten Botschaften von sich reden macht. Diesmal ist es anders. Seit eine Studie in der Demokratischen Republik Kongo gezeigt hat, dass therapeutische Antikörper die Sterberate halbieren und in der Frühphase der Infektion sogar 90 Prozent der Kranken gerettet werden können, ist von Heilung die Rede. Die beiden Hoffnungsträger heißen „REGN-EB3“ und „mAb114“. Der erste Wirkstoff besteht aus drei, der zweite aus einem therapeutischen Antikörper. Alle versperren den Ebolaviren den Weg in die Zelle. Die aktuelle Epidemie im Kongo ist der bisher schwerste Ausbruch in dem von gewaltsamen Konflikten, politischen Instabilitäten und Korruption geprägten Land – Bedingungen, die die Eindämmung massiv erschweren.

          Die hoffnungsvolle Studie trägt den Namen „Palm“, wobei die vier Buchstaben die Abkürzung für einen Satz sind, der in Swahili so viel heißt wie „Gemeinsam Leben retten“. Sie wurde im November 2018 in vier Zentren im Nordosten des Landes und mit breiter internationaler Unterstützung gestartet. Geplant gewesen war, vier experimentelle Wirkstoffe an 725 Ebola-Kranken zu testen. Nach der Behandlung von 681 Patienten und der Auswertung von 499 Behandlungen wurde die Studie wegen der Überlegenheit von REGN-EB3 und mAB114 gegenüber den beiden anderen Präparaten abgebrochen. Es wäre ethisch nicht mehr vertretbar gewesen, die Ebola-Kranken mit den weniger wirksamen Produkten zu behandeln.

          Am besten hat REGN-EB3 von der Firma Regeneron abgeschnitten. Mit diesen Antikörpern starben nicht mehr 70 Prozent der Kranken, wie es ohne spezifische Behandlung der Fall war, sondern nur noch 29 Prozent. Der zweitbeste Wirkstoff mAb114 wurde vom amerikanischen „National Institute of Allergy and Infectious Diseases“ entwickelt und zur Produktion an das Unternehmen Ridgeback Biotherapeutics auslizensiert. Mit mAb114 erlagen nur 34 Prozent der Kranken ihrem Leiden. Noch besser waren die Ergebnisse, wurde die Behandlung rasch begonnen, als die Viruslast im Blut noch gering war. Dann starben mit REGN-EB3 nur noch sechs Prozent der Patienten, mit mAB114 elf Prozent.

          Die beiden anderen Wirkstoffe schnitten weitaus schlechter ab. Einer ist ein Virostatikum der Firma Gilead Sciences, der andere heißt ZMapp und besteht ebenfalls aus drei therapeutischen Antikörpern. Er wurde von dem amerikanischen Unternehmen Mapp Biopharmaceutical entwickelt und schon bei dem schweren Ausbruch in Liberia, Sierra Leone und Guinea vor wenigen Jahren getestet. Bisher sind die Ergebnisse der Palm-Studie noch nicht veröffentlicht worden. Der Stopp der Untersuchung erfolgte nach einer Zwischenauswertung. Die Studie soll erst nach der Auswertung aller Daten im Herbst zur Veröffentlichung eingereicht werden.

          Vorzeitiger Studienstopp wegen guter Ergebnisse

          Weil der Unterschied zwischen den beiden erstplazierten Wirkstoffen für eine statistische Signifikanz zu gering gewesen sei, werde man die Kranken in Zukunft entweder mit REGN-EB3 oder mAb114 behandeln und die beiden Wirkstoffe in einer offenen Erweiterungsstudie vergleichen, sagte Anthony Fauci, Direktor des „National Institute of Allergy and Infectious Disease“ gegenüber der „New York Times“. Es sei auch hilfreich, zwei Produkte zur Verfügung zu haben, falls es bei einem zu Lieferschwierigkeiten komme.

          Ärzte und Gesundheitspersonal werden im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo zu ihrem Schutz von Soldaten begleitet.

          Damit die Hoffnung auf Heilung bei Ebola aber nicht nur eine Hoffnung bleibt, muss die kongolesische Bevölkerung davon überzeugt werden, ihre kranken Angehörigen schnell behandeln zu lassen, möglichst unmittelbar nach dem Auftreten der Symptome. Laut der Studie sind Heilungsraten von 90 Prozent nur in dieser Phase möglich. Viele Angehörige warten aber tagelang, bevor sie die Kranken in ein Zentrum bringen. Zu groß ist die Furcht, dass ihre Angehörigen das Zentrum nicht mehr lebend verlassen, sondern in einem mit Desinfektionsflüssigkeit gefüllten Leichensack. Das verstöre die Menschen und schüre Misstrauen, erklärte Jean-Jacques Muyembe der „New York Times“.

          Muyembe ist Direktor des nationalen kongolesischen Instituts für biomedizinische Forschung und kämpft seit Jahrzehnten gegen Ebola. Wenn die Menschen nun erleben, dass sie ihre kranken Angehörigen in ein Behandlungszentrum bringen und gesund zurückerhalten, gebe es gute Chancen, sie vom Wert der Behandlung zu überzeugen und Vertrauen zu wecken, sagt Muyembe weiter. Vertrauen wird letztendlich eine wichtige Voraussetzung für das Eindämmen der Epidemie sein.

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