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Unfälle : Große Fernsehgeräte als Gefahr

  • -Aktualisiert am

Fernsehgeräte werden immer größer - und gleichzeitig zum Risiko für Kinder. Bild: dpa

Immer mehr Kleinkinder verunglücken durch umfallende Flachbildschirmfernseher, warnen Unfallmediziner. Die Eltern unterschätzen das Risiko offenbar völlig - und sind oft nicht einmal im Raum.

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          Wird ein Kind geboren, lässt das die Angstlevel beider Eltern nach der Geburt deutlich steigen. War bis vor wenigen Jahren immer nur von psychischen Schwierigkeiten der Mütter im Wochenbett die Rede, ist spätestens seit einer vor drei Jahren erschienenen australischen Studie klar, dass auch die Väter starke Stresssymptome erleben, während ihr Kind im Säuglingsalter ist. Fast zehn Prozent der Väter gaben damals in einer Untersuchung des Parenting Research Centre in Melbourne zu Protokoll, während der ersten zwölf Lebensmonate des Kindes regelrechte Angstzustände erlebt zu haben.

          Unterschätztes Risiko

          Wer Verantwortung für ein Baby hat, neigt also mehr als andere dazu, überall Gefahren zu wittern. Wohnungen junger Eltern gleichen deshalb häufig Gummizellen, in denen nichts dem Zufall überlassen wird: Während es vor wenigen Jahrzehnten noch von äußerster Vorsicht zeugte, überhaupt ein Treppengitter aufzustellen, sobald das Kind mit fünf, sechs Monaten zu robben begann, baut man heute mit großer Selbstverständlichkeit Herdschutzgitter und einen Backofenfensterschutz ein. Harte Kanten werden mit runden Deckeln entschärft, nicht fehlen dürfen außerdem Steckdosenkappen und Kabelkanäle. Schubladengriffe werden abmontiert, oder man räumt gleich alle Ebenen der Regale unterhalb von 1,50 Metern leer. Das Kind bewegt sich anschließend in einer Festung, die man zwar betreten, aber dann nicht mehr benutzen kann.

          Dass dabei die augenfälligsten Gefahren oft vergessen werden, zeigt eine neue Studie kanadischer Mediziner im „Journal of Neurosurgery: Pediatrics“. Die Übersichtsarbeit wertet 29 Publikationen über schwere Unfälle mit umstürzenden Fernsehgeräten aus, die Kleinkinder an Kopf und Hals verletzten. Dass immer größere Flachbildschirmfernseher immer erschwinglicher werden, wächst sich offenbar zu einer Gefahr für Kinder aus. In einer türkischen Studie war sogar in fast in der Hälfte aller Unfälle, bei denen ein Kleinkind durch ein Möbelstück verunglückte, ein Fernseher die Ursache. Die Geräte werden auf ungeeignete Möbelstücke gestellt und nicht an die Wand montiert. Außerdem hätten sie instabile, zu schmale Ständer, monieren die Ärzte in der aktuellen Publikation.

          Sie fordern nicht nur mehr Hinweise durch die Hersteller, sondern auch gesetzliche Bestimmungen, die jeden verpflichten, die riesigen Bildschirme sicher an der Wand, an geeigneten Möbelstücken oder im Boden zu verankern. Aber die Wissenschaftler haben noch eine weitere Botschaft. In drei Vierteln der Fälle waren die Eltern nicht zugegen, sie seien einfach „immer beschäftigter“ und hätten „keine Zeit mehr für die Aufsicht“. Auch wenn es manchmal übertrieben wirkt: Ganz falsch ist die Idee, alles akribisch mit Multisperren und Schutzkappen abzusichern, angesichts dieser Situation wohl nicht.

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