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Unerwünschte Nebenwirkungen : Die Feinde der Herzen

  • -Aktualisiert am

Wirksam gegen Parkinson, aber wohl kaum eine Alternative: Ecstasy Bild: picture-alliance / dpa

Die Behandlung der Symptome von Parkinson und Migräne sind nicht ohne Risiko. Einige gängige Medikamente können die Herzklappen schädigen. Auch die Droge Ecstasy scheint zwar Parkinsonsymptome zu lindern, ist aber kaum als Arznei einsetzbar.

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          Bei der Behandlung der Parkinsonschen Erkrankung zählen die Dopaminagonisten zu den Arzneimitteln der ersten Wahl. Sie besetzen die Bindungsstellen für den Nervenbotenstoff Dopamin und imitieren dessen Wirkung. Pergolid und Cabergolin, die zu dieser Substanzgruppe zählen, wurden unlängst allerdings in zwei voneinander unabhängigen Studien als Verursacher von krankhaften Veränderungen der Herzklappen identifiziert. Zugleich wurden damit frühere Verdachtsmomente bestätigt.

          Die Gruppe um Rene Schade vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie an der Charité in Berlin fand unter 31 Patienten, die während einer Parkinsontherapie Herzklappenschäden entwickelten, sechs Anwender von Pergolid und ebenso viele von Cabergolin. In der gleichen Ausgabe des amerikanischen „New England Journal of Medicine“ (Bd. 356, S. 29 u. 39) berichten Forscher um Renzo Zanettini vom Parkinson-Institut des Istituti Clinici di Perfezionamento in Mailand von mehr als hundert Patienten, die entweder Pergolid oder Cabergolin über mehr als ein Jahr eingenommen hatten. Im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen oder Parkinsonkranken, die andere Arzneien erhielten, stieg das Risiko eines Klappenversagens auf das Sechs- bis Siebenfache. Bei 23,4 Prozent derjenigen, die Pergolid einnahmen, und bei 28,6 Prozent der Cabergolin-Anwender schlossen die Herzklappen nur noch unvollständig.

          Amphetaminabkömmlinge unter Verdacht

          Cabergolin schädigt insbesondere die Aortenklappe, weshalb das in den Körperkreislauf gepumpte Blut zum Teil wieder in die linke Herzkammer zurückfließt. Von den Pergolidwirkungen war eher die Mitralklappe betroffen. Infolgedessen kommt es bei diesen Patienten zu einem Rückfluss des Blutes vom Lungenkreislauf in die rechte Herzkammer.

          Diese beiden Studien sind wichtige Indizien, die auf einen bereits bekannten Rezeptor als Verursacher der Schäden an den Herzklappen hindeuten. Bereits 1997 gerieten die Amphetaminabkömmlinge Fenfluramin und Desfenfluramin unter den gleichen Verdacht. Sie riefen eine Verdickung der Herzklappen und auch jener Sehnenfäden hervor, die die Klappen wie Segel an der Herzwand festhalten. Die beiden Schlankmacher wurden vergleichsweise rasch wieder vom Markt genommen. Eine wichtige Andockstelle für diese Substanzen ist der sogenannte „5-Hydroxy-Tryptamin-2B-Rezeptor“, wie der amerikanische Pharmakologe Bryan L. Roth von der Universität von North Carolina in Chapel Hill im Jahr 2000 herausfand. Dieser Rezeptor ist einer unter mehreren Bindungsstellen für den Nervenbotenstoff Serotonin. Solche Serotonin-Rezeptoren befinden sich in großer Zahl auf den Herzklappen, und sie sind dort offenbar für Wachstum und Entwicklung dieses speziellen Gewebes verantwortlich. Als Fingerzeig für die Suche diente die Erkenntnis, dass Tumorerkrankungen, die unter bestimmten Bedingungen eine Überproduktion von Serotonin mit sich bringen, exakt derartige Herzklappenschäden verursachen.

          Nicht alle Mittel verursachen Herzklappenschäden

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