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Umweltskandal : Woher kam das Zeug bloß?

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Noch gravierender ist die Lage allerdings beim Wasser. Der Schutz der Umwelt ist ein im Grundgesetz verankertes Ziel. Jede Gewässerverunreinigung stellt eine Straftat dar. In Mittelbaden sehen die Behörden trotzdem keine Möglichkeit, Sofortmaßnahmen gegen die Verseuchung des Grundwassers zu ergreifen. Die betroffenen Gebiete werden erst einmal fünf Jahre lang entsprechend der Altlastenbewertung untersucht, entschied eine eigens gegründete Bewertungskommission der Stadt Baden-Baden und des Landratsamtes Rastatt am 15. Juni 2016. Ein Gutachten habe gezeigt, „dass keine akute Gefährdung der Wasserversorgung und der Wasserqualität in der Region besteht“, teilte die Kommission mit.

Der Wassererker will sauberes Wasser, die Behörden warten ab

Widerspruch kam prompt: Zwei Tage später meldeten sich die für das Rastatter Trinkwasser verantwortlichen Star-Energiewerke zu Wort. Die Darstellung der Bewertungskommission sei „so nicht korrekt“. Ein eigenes Gutachten habe gezeigt, dass die Trinkwasserversorgung gefährdet sei, hieß es in einer Pressemitteilung. Daraufhin gaben Baden-Badens Bürgermeister Michael Geggus und Rastatts erster Landesbeamter Jörg Peter gegenüber der Lokalzeitung an, sie würden jenes Gutachten gar nicht kennen. Seltsam, denn erst im Mai hatte es ein Wasserexperte der Star-Energiewerke im Baden-Badener Rathaus vorgestellt. Vor der Bewertungskommission hatte er insbesondere über die Gefährdung des Hauptwasserwerks Rastatt-Ottersdorf berichtet.

In Auftrag gegeben hat dieses Gutachten Olaf Kaspryk, der Geschäftsführer der Star-Energiewerke. Seit die Chemikalie erstmals in einem seiner Brunnen nachgewiesen worden ist, hat er ein Problem: Er kann nicht warten, bis ein Schuldiger feststeht, und nicht zusehen, wie das Zeug weiter zirkuliert. Er muss sauberes Trinkwasser für Zehntausende Menschen garantieren. Und zwar jetzt.

Wenn man ihn heute trifft, dann wundert er sich noch immer. Vor allem über die Behörden, von denen er sich im Stich gelassen fühlt. Er trägt immerhin eine Verantwortung, die keiner sonst übernehmen will. So sitzt er in seinem Rastatter Büro, vor sich eine Karte des Landkreises und wird zunehmend nervös. Die Wasserwerke sind darin eingezeichnet, der Grundwasserstrom und Dutzende rote Markierungen. Jede einzelne steht für einen PFC-Fund. Als er damals den ersten Brunnen untersucht hatte, konnte er das Ergebnis zunächst gar nicht glauben. Kaspryk ließ weitere Proben analysieren. Die Werte stiegen noch. Heute rechnet er damit, dass sich die PFC-Verseuchung zu einem der größten Umweltskandale Deutschlands auswächst.

Im Hochsauerland tauchten die Stoffe erstmals in Deutschland auf

Zwei Wasserwerke musste Kaspryk bereits abstellen. „Sehen Sie, hier“, sagt er und tippt mit dem Finger auf die Karte, während sein Blick weiter nach Norden wandert, zum Hauptwasserwerk Ottersdorf. Hier wird die Brühe, so hat das eigene Gutachten gezeigt, in zwei Jahren ankommen. Aber wie passt das zur Einschätzung der Behörde? Dort heißt es ja nach wie vor, das Trinkwasser sei sicher. Der Baden-Badener Bürgermeister Geggus teilt in einer Mail mit, dass keine akute Gefahr drohe. Höchstens langfristig könne „eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden“, schreibt er.

Zur offiziellen Einschätzung befragt, ringt Kaspryk sichtbar um Fassung und setzt mehrfach an, bevor er weiterspricht. Die Star-Energiewerke, sein Arbeitgeber, gehören der Stadt Rastatt, im Aufsichtsrat sitzt der Oberbürgermeister. Er fühlt sich nicht ohne Grund unter Druck.

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