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Umweltskandal : Woher kam das Zeug bloß?

  • -Aktualisiert am
Vieles spricht dafür, dass es mit Papierschlämmen versetzter Kompost war, der die PFC enthielt. Der Betreiber der Anlage weist das aber weit von sich.

Das Material ließ Vogel, wie er sagt, auf Schadstoffe und Schwermetalle untersuchen. Aber nicht auf PFC, das sei damals im Gegensatz zu heute nicht obligatorisch gewesen. Weil er den Papierschlamm für eine saubere und nützliche Sache hielt, sagte er zu und steht heute zu seinem großen Ärger unter dem Verdacht, ein übler Umweltverschmutzer zu sein.

Vor drei Jahren erstattete jemand anonym Anzeige gegen Franz Vogel. Es sollen seine Kompostlieferungen gewesen sein, die Äcker und Wasser in der Region großflächig verseucht haben. Das Landratsamt Rastatt wurde sofort tätig, ließ den Boden der fraglichen Äcker analysieren. In den Proben fand sich tatsächlich PFC. „Du musst das gewesen sein“, habe man ihm mitgeteilt. Ein Schock für Vogel, der selbst biologischen Landbau betrieb und sogar den Umweltpreis der Stadt Baden-Baden erhalten hat. „Ich bin komplett unschuldig“, behauptet der Komposthändler und führt zahlreiche Ungereimtheiten an, auf die sein Team gestoßen sei. Zum einen habe die Behörde das Zeug auch auf Äckern gefunden, wo sein Kompost gar nicht aufgebracht wurde. Zum anderen ließe sich eine derart großflächige und starke Belastung nicht durch die verteilte Menge erklären.

Außerdem ließ Vogels Team auf eigene Faust Proben von einem belasteten Feld in einem Labor untersuchen. Darin entdeckte man überraschenderweise Kunststofffasern, aber kein Papier. Kein Wunder: Papier verrotte innerhalb von Wochen oder Monaten, sagen Vogels Berater, nach Jahren hätte man kein Material finden dürfen. Stimmt das? Und woher stammt die PFC-Belastung dann?

Warum hat der Komposthändler die Papierschlämme verschenkt?

Der Bodenkundler Wulf Amelung von der Universität Bonn bestätigt, dass Zellulose im Boden innerhalb weniger Monate abgebaut wird. Allerdings sei es in nassen oder lehmigen Böden möglich, dass sie überdauern. Das Regierungspräsidium Karlsruhe wiederum lässt keine Zweifel am Befund: „Als ein Bestandteil des Komposts wurden Papierschlämme identifiziert“, teilt ein Sprecher nüchtern mit. Der Plastikfund entlastet Vogel jedenfalls nicht.

Bisher konnte Franz Vogel den Verdacht, dass sein Kompostgemisch verantwortlich ist, gegenüber Gerichten und Behörden nicht ausräumen. Auf Äckern, die er damit beliefert hatte, ließen sich die Chemikalien nachweisen. Vogels Anwalt kritisiert dennoch die „dünne Beweisführung“: Die Behörden hätten noch andere Ursachen der Verschmutzung in Betracht ziehen müssen. Doch die amtliche Vorgehensweise ist vom Verwaltungsgerichtshof Mannheim bereits anerkannt worden.

Vogel hofft, nun einen Trumpf gefunden zu haben. Er bittet nach draußen zur Sickergrube, wohin angeblich alle Abwässer seines Unternehmens fließen, und schiebt den Schachtdeckel zur Seite. Vor ein paar Wochen kam ihm eine Idee: Wenn das Umweltgift auf seinem Gelände im Kompost gelagert hätte, dann müsste es auch dort unten nachzuweisen sein. In Proben, die er dem Institut Fresenius schickte, fand sich kein PFC. Das beweist natürlich nicht seine Unschuld, aber Vogel ist davon überzeugt, dass sein Kompostgemisch hochwertig war. Bloß warum hat er es als Geschäftsmann dann verschenkt? Zur allgemeinen Bodenverbesserung, antwortet er. Geld hätte er ja bereits von den Papierfabriken erhalten.

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