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Statine im Zwielicht : Ein Persilschein für Cholesterinsenker?

  • -Aktualisiert am

Oft lassen sich Cholesterinwerte mit Statinen, wie mit dem häufig verordnetem Medikament Simvastatin, verbessern. Bild: AFP

Zu Risiken und Nebenwirkungen von Statinen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt, Apotheker - oder „Lancet“-Autoren. Die zeigen nämlich, dass diese völlig unberechtigt sind und decken nun die Vorzüge der Cholesterin-Senker auf.

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          Statine werden verschrieben, um die Bildung von Fettablagerungen zu reduzieren und damit die Verstopfung von Blutgefäßen zu verhindern. Abermillionen Patienten nehmen die cholesterin- und blutfettsenkenden Medikamente. Und diese werden nicht nur von Herzkranken benötigt. Vielmehr werden Statine in vielen Ländern schon prophylaktisch eingenommen, um Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Versagen wie Diabetes mellitus in Schach zu halten.

          Freilich haben in den vergangenen Jahren auch viele Patienten die Pillen wegen negativer Erfahrungen und Berichte abgesetzt. Das veranlasste Wissenschaftler unter anderem von der Universität Oxford, der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore und der University of Cambridge dazu, eine umfassende Übersichtsarbeit zu den Vor- und Nachteilen einer Statin-Therapie zu erarbeiten.

          Entscheidung treffen

          In ihrer Veröffentlichung zeigen nun die Forscher,  dass die Vorzüge der Statin-Prophylaxe deutlich überwiegen. Ihre Metaanalyse, die sie  in der Zeitschrift „Lancet“ veröffentlicht haben, soll Ärzten und Patienten helfen, fundierte Entscheidungen über den Gebrauch der Medikamente zu treffen. Die Autoren um Rory Collins warnen, dass die Vorteile einer Statin-Therapie allgemein unterschätzt und die Nachteile übertrieben dargestellt werden. „Unsere Arbeit zeigt, dass die Anzahl der Patienten, die Herzinfarkten und Schlaganfällen durch eine Therapie mit Statin vorbeugen konnten, deutlich höher ist als derjenigen, die von Nebenwirkungen betroffen waren“, schreibt Collins.

          Über eine Zeitspanne von fünf Jahren würde eine cholesterinsenkende Statin-Behandlung (40 mg täglich) 500 von 10.000 Personen mit Risikofaktoren wie Alter, Bluthochdruck und Diabetes mellitus helfen. Gut tausend von zehntausend Patienten mit bereits vorhandenen vaskulären Erkrankungen würde es vor weiteren kardiovaskulären Ereignissen, wie einem ischämischem Schlaganfall (Hirninfarkt), Herzinfarkt oder Koronararterienbypass schützen.

          Statistisch seien aber auch fünf Patienten unter diesen Behandelten von Myopathien, also Muskelleiden, betroffen, die auch lebensbedrohlich werden könnten. Fünf bis zehn Patienten könnten von einer Hirnblutung betroffen sein, und 50 bis 100 weitere Patienten könnten andere symptomatische Nebenwirkungen, wie Muskelschmerzen, entwickeln. Die Autoren führen zudem 50 bis 100 neue Diabetesfälle an. Diese schweren Nebenwirkungen würden bei einer langfristigen Statin-Therapie auftauchen, nach dem Absetzen der Statine würden sie aber wieder verschwinden. Richard Horton, Chefredakteur vom „Lancet“, meint in einem Kommentar, dass die langjährige Kontroverse über Statine potentiell die Gesundheit tausender Patienten allein im Vereinigten Königreich gefährdet haben könnte. Nun hofft er, die neue Metaanalyse werde die Diskussion über die Statin-Therapie beenden.

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