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Tollwut : Ein Grund, das Fürchten zu lernen

Die gefährliche Liebe zum Hund

Die Geschichte der klassischen Tollwut war jedenfalls schon immer eng mit der Domestizierung des Hundes verknüpft, die Liebe des Menschen zu seinen vierbeinigen Gefährten förderte ihre Verbreitung. „Und dort, wo Tollwut in Hunden ein Problem einmal war oder noch ist, besteht ein hohes Risiko, dass andere Wildtiere sich ebenfalls infiziert haben und zum Reservoir werden“, sagt Thomas Müller. In Europa sei das beispielsweise beim Rotfuchs, in Nordamerika beim Graufuchs geschehen. Deshalb müssten alle betroffenen Länder etwas gegen die Hundeseuche unternehmen. „Wenn die Infektion bei den Hunden gestoppt wird, gehen in der Folge auch die Fälle beim Menschen zurück“, stellt Müller klar. Allerdings verleiten die anfänglichen Erfolge einer Bekämpfung häufig zur Nachlässigkeit: Um die letzten zehn Prozent der Fälle auszumerzen, muss der gleiche Aufwand betrieben werden wie zuvor für neunzig Prozent.

Will man die Menschen schützen, gelingt es eben nicht allein mit Prävention durch Vakzine für gefährdete Gruppen und dem schnellen Eingreifen nach einem Biss, sondern vor allem über die Kontrolle der Hunde. Zumindest wäre dieser Ansatz im Sinne einer vernünftigen Gesundheitspolitik, die auch Kosten und Aufwand berücksichtigen muss. Angesichts der wirtschaftlichen Verluste, die durch Tollwut entstehen und weltweit auf 8,6 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt werden, zahlen sich die Impfungen der Tiere rasch aus. Im Vergleich mit teuren Bauprojekten wie der Elbphilharmonie oder dem Berliner Flughafen liegen ihre Kosten nicht allzu hoch. Europa sei zwar in Sachen Tollwut noch in einer verhältnismäßig „glücklichen Situation“, sagt Thomas Müller. Doch in Afrika und Asien stehe man noch immer vor einem riesigen Problem. „Deshalb unterstützen wir Maßnahmen, mit denen die Tollwut bei Hunden in Namibia bekämpft wird.“ Finanziell gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie dem Bundesministerium für Gesundheit, setzt man etwa auf Massenimpfung, um die Epidemie einzudämmen; gezielte Aktionen und mobile Impfstationen sind dabei in den strukturschwachen Gebieten Afrikas sehr wichtige Werkzeuge.

Kampf gegen die Seuche

Für den derzeit gerne verwendeten Slogan „one world, one health“ könne die Tollwut als gutes Beispiel dienen, meint Müller: „Es gibt genügend Informationen und Fachartikel zum Konzept der Bekämpfung und Surveillance. Auch, wie es praktisch umzusetzen wäre.“ Leider käme die Botschaft noch nicht dort an, wo sie gehört werden müsste, die internationale Gemeinschaft reagiere nicht, wie sie könnte. Auch die G-20-Länder haben die Tollwut bisher nicht auf der Agenda, es fehlt der politische Wille. „Aus Sicht der Wissenschaft ist das nicht verständlich, denn es wäre eine Infektionskrankheit, die sich zu hundert Prozent vermeiden ließe. Die Bekämpfung ist möglich, und wir wissen, wie“, bekräftigt Müller.

Immerhin verfolgen mit der WHO, der Weltorganisation für Tiergesundheit und der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen nun gleich drei internationale Schwergewichte das Ziel, die humane, durch Hunde vermittelte Tollwut weltweit bis 2030 zu tilgen. Kein Mensch soll dann noch an Tollwut sterben müssen.

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